886298

Zeitungsverleger setzen weiter auf das Internet

18.07.2001 | 00:00 Uhr |

Trotz Ernüchterung angesichts der Internet-Krise stehen bei den Zeitungsverlagen im Online-Geschäft die Zeichen weiter auf Wachstum. Dies betonte der Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Richard Rebmann, in einem dpa- Gespräch. Im Unterschied zu den Verlagen in den USA, die sich einen radikalen Sparkurs verordneten, sei der Online-Ausbau in Deutschland "mit mehr Augenmaß" betrieben worden. Im Internet sei keineswegs "Geld verbrannt" worden. Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Erfolg sei aber, "dass wir heute unsere Unternehmen und das gilt auch für kleine Zeitungshäuser zu Multimedia-Unternehmen umbauen, in denen das Internet einer von verschiedenen Verteilkanälen ist".

Angesichts der derzeitigen Flaute im klassischen Werbemarkt müssten jedoch auch die Investitionen im Online-Geschäft knapp kalkuliert werden, sagte Rebmann, der Verleger des "Schwarzwälder Boten" (Oberndorf) ist. Er räumte zugleich ein, "dass es bis heute noch keine funktionierenden Geschäftsmodelle im Internet gibt. Die User zeigen noch immer wenig Bereitschaft, für Informationsangebote zu bezahlen." Derzeit suchten die Verlage nach neuen Erlösquellen. "Content- Syndication, der Verkauf von Inhalten an Dritte, ist durchaus interessant, obgleich dieser Teil der Wertschöpfungskette natürlich begrenzt ist", stellte Rebmann fest. Man untersuche derzeit auch, ob lokale Inhalte über mobile Endgeräte wie Handys verteilt werden könnten.

Zu dem auch in Verlegerkreisen diskutierten Vorschlag, Online- Angebote kostenpflichtig zu machen, gab sich Rebmann zurückhaltend: "Alle bisherigen Versuche sind gescheitert; sobald Geld verlangt wird, sinken die Nutzerzahlen rapide. Dies schließt allerdings nicht aus, dass für hochwertige Premium-Dienste, die für den Nutzer einen echten Mehrwert darstellen, auch bezahlt wird." Werbung reiche als Refinanzierung für die Online-Investitionen bei weitem nicht aus, sagte Rebmann weiter. Derzeit werde untersucht, wie die klassische Zeitungswerbung im Sinne von Cross-Media mit den Internet-Auftritten verknüpft werden könne.

Zu der gescheiterten Zusammenarbeit der deutschen Zeitungsverlage beim Aufbau einer Internet-Plattform im Anzeigen- und Rubrikenmarkt meinte Rebmann, dass es "zu viele unterschiedliche Interessen" gegeben habe. Stattdessen gebe es eine ganze Reihe von Kooperationen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, an denen sich in vielen Fällen auch verlagsferne Branchen und Unternehmen wie Stadtwerke, Sparkassen und Immobilienmakler beteiligten. dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
886298