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Zwangsregistrierung bei Microsoft

12.02.2001 | 00:00 Uhr |

Microsoft macht Ernst: Die wichtigsten Programme
des US-Softwarekonzerns sollen künftig fest an den Rechner gekoppelt
werden, auf dem sie installiert sind. Durch die so genannten
Produktregistrierung des neuen «Windows XP» und des «Office»-Pakets
soll es somit nicht mehr möglich sein, eine Software gleichzeitig auf
mehrere Computer zu spielen. Bislang kann ein Programm mit Hilfe der
Codenummer auf der Installations-CD problemlos auf mehreren PCs
gleichzeitig laufen - auch wenn dies nicht legal ist.

Mit diesem Schritt will das Microsoft «sein Engagement gegen
Software-Piraterieweiter verstärken», so Unternehmenssprecher Tomas
Jensen. Die Kunden reagierten verärgert auf die Ankündigung: In einer
nicht repräsentativen Umfrage des Internetportals
«Computerchannel.de» beabsichtigten 83 Prozent von 1675 Teilnehmern,
zu anderen Betriebssystem zu wechseln, wenn Microsoft künftig sein
Windows-System mit einer Zwangsregistrierung kopple.

Nach Meinung von Florian Schuster, Fachredakteur beim
Internetportal «Chip Online», wird der «Schuss nach hinten losgehen».
Gegen Raubkopierer im großen Stil helfe die neue Technik gar nicht.
Im Gegenteil: Professionelle Softwarepiraten könnten den Code mühelos
knacken und ins Netz stellen. Dann habe Microsoft ein ernstes
Problem, denn den geknackten Versionen fehle die
«Produktaktivierungs-Technologie». Die dann frei zugänglichen
Versionen seien dann wesentlich attraktiver für den Nutzer als
gekaufte, weil das lästige Registrieren wegfällt.

Dagegen könnten die negativen Folgen für den ehrlichen Käufer
beträchtlich sein. «Wer im Sommer die neuen Programme 'Windows XP'
und das neue 'Office'-Paket erwerben möchte, kann sie nur mit großem
Aufwand nutzen», meint Schuster. Unter Umständen könne es zu
erheblichen Schwierigkeiten kommen, sobald der Anwender sich einen
neuen Rechner kaufe oder Veränderungen an der Hardware vornehme.

Die neuen «Office»-Anwendungen sollen sich künftig nur noch 50
Mal, das Betriebssystem nur noch 30 Tage lang starten lassen, wenn
sich der Käufer nicht bei Microsoft per Internet oder über das
Telefon registrieren lässt. Bei der Installation wird ein
zehnstelliger Code erzeugt, den der Nutzer an Microsoft schicken
muss. Nach Aussagen von Jensen soll bei dem Registriervorgang nur das
Land zwingend angegeben werden, in dem die Software eingesetzt wird.
Alle anderen Daten sollen auf Wunsch des Kunden anonym bleiben.

Mit dem von Microsoft dann zurück geschickten Freischaltcode
sollen die Programme dann unbefristet laufen - allerdings mit
Hindernissen. Bei jedem Umbau oder PC-Neukauf muss der Nutzer das
Call-Center von Microsoft bemühen und um einen neuen Freischaltcode
bitten. «Da ist Ärger programmiert», meint Schuster. Um den neuen
Code per E-Mail zu erhalten, muss das Modem laufen. Ob das aber nach
der Änderung einer Hardwarekomponente auf «Windows XP» gewährleistet
ist, sei fraglich.

Rechtlich ändere sich laut Christian Czirnich, Rechtsexperte von
«Computerchannel.de», eigentlich gar nichts. Auch bislang galt nach
deutschem Urheberrecht, dass ein Programm nur auf einem Rechner
laufen darf, es sein denn, die Lizenzen sind ausdrücklich für mehrere
PCs gekauft. Ausnahme: Eine 'Office'-Version darf auf dem heimischen
Rechner und auf dem Laptop gleichzeitig installiert sein - die
Systeme dürfen nur nicht gleichzeitig arbeiten.

«Die juristische Brisanz liegt vielmehr darin, dass mit dem Kauf
einer Software sämtliche Rechte vom Händler an den Kunden übergehen»,
sagt Czirnich. Microsoft zwinge die Käufer mit der
Zwangsregistrierung aber dazu, nach jeder Bastelei am Rechner einen
neuen Code anzufordern. «Das darf Microsoft nach deutschem Recht
nicht.»
dpa

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