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Zwanzigeins statt einundzwanzig!

22.02.2007 | 10:56 Uhr

Der Verein ‚Zwanzigeins’ setzt seine Reihe öffentlicher Diskussionsveranstaltungen über die unverdrehte Zahlensprechweise fort: Experten erläutern, wie deutsche Grundschüler auf Schulversuche mit der neuen Sprechweise reagieren, warum chinesische Kinder früher rechnen lernen und welche Erfahrungen die Norweger mit ihrer Zahlsprechreform gemacht haben.

„Der Verein Zwanzigeins setzt sich dafür ein, an deutschsprachigen Schulen auch die unverdrehte Zahlensprechweise zu unterrichten“, sagt Prof. Lothar Gerritzen (Fakultät für Mathematik der RUB), Gründer des Vereins Zwanzigeins . Seit kurzem bietet der Verein entsprechende Unterrichtseinheiten für Grundschulen an. „Viele Schülerinnen und Schüler haben diese Möglichkeit mit erkennbarer Begeisterung aufgenommen“, so Gerritzen. Erste Lernstandserhebungen mit Grundschulklassen zeigen einen signifikant höheren Leistungsstand. Die Zwischenergebnisse der Schulversuche und Lernstandserhebungen sind ein zentrales Thema der Diskussionsveranstaltung.

Chinesische Kinder haben vielen europäischen etwas voraus: Sie können früher zählen und rechnen. Denn im Gegensatz zu europäischen Sprachen, zum Beispiel Englisch, Französisch oder Deutsch, hat das Chinesische einen logisch konsistenten Bezeichnungsstandard für Zahlnamen. Mit den Mängeln der deutschen Zahlwortreihe und des dekadischen Stellenwertsystems befasst sich Prof. Dr. Inge Schwank (Institut für Kognitive Mathematik, Universität Osnabrück) in ihrem Vortrag. Darüber hinaus geht es auf der Diskussionsveranstaltung um die – erfolgreiche – Zahlsprechreform von 1951 in Norwegen: Prof. Dr. Kjell Ivar Vannebo (Universität Oslo und Mitglied des norwegischen Sprachrates) berichtet erstmals in Deutschland über die mehr als 50jährige Erfahrung mit der inversionsfreien Zahlensprechweise.

Zahlendreher und – bedingt durch die deutsche Sprechweise – fehlerhaft übermittelte Zahlen verursachten nicht nur einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden, so Prof. Gerritzen weiter. Sie könnten im Extremfall sogar zu Unfällen führen. „Man muss sich auch fragen, ob das Transrapid-Unglück im Emsland möglicherweise durch eine Verdrehung von Ziffern mit verursacht wurde.“ Prof. Dr. Waldemar Reinecke (Fachhochschule Höxter/Lemgo) war Augenzeuge eines solchen „Zahlendreher-Unglücks“ und schildert den Hergang.

Die Veranstaltung findet am Montag, 5. März 2007 in der RU Bochum (16.15 Uhr, Hörsaal HZO 70) statt. Die Öffentlichkeit und die Medien sind herzlich willkommen. (Detlef Scholz)

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