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Zwergenaufstand bei Microsoft: Die neuen Zune-Player

19.11.2007 | 14:00 Uhr |

Eine gewisse Hartnäckigkeit darf man dem Giganten aus Redmond unterstellen: Nach dem sich die erste Generation des Zune Players nicht als der erhoffte iPod-Killer herausstellte, legt Microsoft nun eine zweite Generation vor, die einige der zahlreichen Kritikpunkte ausmerzen soll. Reicht es, um in der nächsten Runde Apples iPod Marktanteile abzujagen?

Zune 4 GB, 8 GB, 80 GB
Vergrößern Zune 4 GB, 8 GB, 80 GB

Wenn es nach Walter Mossberg , dem Technikguru des Wall Street Journals geht, dann robbt sich der Zune zumindest dichter an den iPod Classic heran. Der neue große Zune entspricht technisch und preislich ungefähr der 80-Gigabyte-Variante des iPod classic, der kleinere Zune 4 oder Zune 8 denen des iPod nano. Ein 160-GB-Modell hat Microsoft allerdings nicht im Programm, und auch dem iPod Touch und dem iPod shuffle haben die Mitbewerber aus Redmond nichts entgegenzusetzen, obwohl das eingebaute WLAN der Zune-Reihe ein begehrtes Ausstattungsmerkmal des iPod touch vorweg nahm. Nach wie vor schließt Microsoft "fremde" Betriebssysteme aus, für Mac-Anwender stellt der Player also keine Alternative dar. Erschwerend für Nutzer jenseits des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten kommt hinzu, dass die Redmonder das Gerät außerhalb ihrer Heimatwelt Amerika bisher nicht ankündigten.  

Was ist neu am neuen Zune?

Bisher glänzte die Zune-Modellpalette mit Übersichtlichkeit. Lediglich ein 30-GB-Modell in diversen Farben, das auch weiterhin angeboten wird, sollte Apples iPod-Festung erzittern lassen, was trotz standardmäßig eingebautem WLAN und Radio deutlich misslang. Die zweite Angriffswelle wird vom neuen Flagschiff in Schwarz angeführt. Der Zune 80 verfügt über eine zeitgemäße 80 GB Festplatte und auch äußerlich hat sich einiges geändert: Der Bildschirm wuchs dezent von drei Zoll auf 3,2 Zoll an, bietet aber nach wie vor die gleiche Auflösung von 320 mal 240 Pixeln - nicht mehr als die Konkurrenten iPod nano und iPod classic. Die Krone holt sich in dieser Disziplin der iPod touch mit 480 mal 320 leuchtenden Punkten. Trotz des größeren Bildschirms schrumpft der neue Zune sowohl in der Höhe wie auch in der Tiefe. Durch die Verschlankung verliert der Player etwa 30 Gramm Lebendgewicht gegenüber dem Vorgänger und bringt mit 128 Gramm sogar etwas weniger auf die Waage als der direkte Apple-Konkurrent. Allerdings muss sich der Zune 80 bei der Batterielaufzeit geschlagen geben. Statt 30 Stunden Musikgenuss hält er nach offiziellen Angaben 20 Stunden durch - ohne zugeschaltetes WLAN, das noch mal kräftig Strom saugt. Völlig überarbeitet hat Microsoft das nun auch berührungssensitive Pad, mit dem die Navigation durch die Menüs deutlich intuitiver gelingen soll als mit dem vorherigem Steuerkreuz. Bisher verband sich der Zune über das eingebaute WLAN lediglich mit anderen Zunes, mit der aktuellen Firmware, die auch dem alten Modell zur Verfügung steht, klappt nun auch der Datenabgleich mit dem eigenen Rechner.  

Der Zwergen-Zune

In den Ausmaßen noch weiter geschrumpft ist das kleine Modell Zune 4 oder 8, wobei die Zahl die Größe des Festspeichers in Gigabyte bezeichnet. Hier kommt endlich Farbe ins Spiel: Den kleinen Zune gibt es in pink, grün, schwarz und rot, in braun wird dieses Modell zum Bedauern aller Retro-Fans nicht angeboten. Der Bildschirm ist mit 1,8 Zoll etwas kleiner als beim iPod nano, das Gerät nicht so breit, dafür tiefer und höher bei ansonsten gleichem Kampfgewicht von 47 Gramm.Geändert hat sich auch das Gegenstück zum iTunes Store, der Zune Marketplace. Microsoft hat es geschafft, bei der Generalüberholung des eigenen virtuellen Einkaufparadieses eine ansprechende und einfach zu bedienende Lösung zu programmieren und sogar Podcasts zu integrieren. Lediglich die Angebotsvielfalt des Shops aus Redmond ist dünner und bietet nur knapp die Hälfte der sechs Million Titel des iTunes Store. In einem anderen Punkt dagegen bleibt sich Microsoft treu. Jedes Musikstück auf dem Zune wird mit einem eigenen Windows Media-DRM (digitales Rechtemanagement) versehen, sogar freie und selbst gerippte Musik. Wer die WLAN-Funktion nutzt, um Lieder mit einem Freund zu tauschen, darf die erhaltenen Songs nur drei Mal abspielen, danach sind sie Sondermüll. Lediglich gesteht Microsoft dem Anwender zu, sich mehr als drei Tage dafür Zeit zu lassen.  

Wo bleibt die eigene Vision?

Microsoft hat seine Hausaufgaben gemacht. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die neuen Zunes befinden sich immerhin mit der "alten" iPod Generation auf Augenhöhe, allerdings fehlt die 160 GB Version - und von einer eigenen Vision, wie sie Apple mit dem iPod touch vorstellte, bleibt Microsoft noch weit entfernt.

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