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Sony bestätigt Apples Musikstreamingservice

08.06.2015 | 10:32 Uhr |

Aller Voraussicht nach wird Apple heute Abend auf der WWDC einen Musikstreamingservice auf Basis von Beats an den Start bringen.

Auf der Musikkonferenz Midem in Cannes hat der CEO von Sony Music Doug Morris bestätigt, dass Apple heute einen Musikstreamingservice an den Start bringen wird. Details zu Preis und Verfügbarkeit nannte Morris nicht, doch gab er der Hoffnung Ausdruck, dass Apples Eintritt in den Streamingmarkt diesen voran bringen werde. Bezahlte Streamingdiensten würde die Musikindustrie Vorzug gegenüber werbefinanzierten Angeboten geben.

Der Seitenhieb gilt vermutlich Spotify, das zwar rund 50 Millionen aktive Nutzer zählt, nur ein Viertel davon zahlt auch eine Monatsgebühr von 10 US-Dollar, um das Streaming werbefrei genießen zu können. Apple hat in seinen Verhandlungen mit der Musikindustrie mehreren Berichten zufolge versucht, Spotify und andere kostenlose Angebote wie Youtube aus dem Wettbewerb zu drängen. Wer über Apple Music streamen möchte, solle seine Inhalte nicht mehr für Spotify und Konsorten lizenzieren. Apple wollte zudem für einen Wettbewerbsvorteil einen niedrigeren Preis durchsetzen, die Rechteinhaber bestehen aber offenbar auf die üblichen 10 US-Dollar Gebühr und fordern von Apple auch einen Anteil von 60 Prozent der Umsätze.

Spannend werden die Details des neuen Musikservices: Apple will angeblich prominente DJs anheuern, die Rede ist etwa von Pharrell Williams und dem Rapper Drak e. Beats Music ist bis dato nur in den USA erhältlich, will Apple aber ernsthaft vom Start weg mit Spotify konkurrieren, müsste Apple Music auch gleich in allen Kernmärkten verfügbar sein. Das Beispiel iTunes Music Store zeigt jedoch, wie kompliziert Verhandlungen mit den Rechteinhabern laufen. Nach dem US-Start im April 2003 hatte es über ein Jahr gedauert, bis man auch in Deutschland, Großbritannien und Frankreich Musik per Download bei Apple erwerben konnte. Zudem gibt es Gerüchte, Apple wolle seinen Musikdienst in ein soziales Netzwerk einbinden, wie im Falle des krachend gescheiterten Ping.

Die Zukunft von iTunes Radio ist ungewiss. Der nach wie vor nur in den USA und Australien verfügbare Dienst berechnet eine Wiedergabeliste für das Streaming anhand von bestimmten Titeln, wie es etwa von Pandora oder Last.fm bekannt ist. Weitere redaktionelle Empfehlungen fehlen, hier soll Apple Music einen deutlich besseren Ansatz bieten. iTunes Radio ist gratis, wenn man Werbeeinblendungen mit anhört und kostet im Rahmen von iTunes Match 25 Euro im Jahr - unwahrscheinlich, dass Apple das Angebot so stehen lässt. Weiterhin sind auch noch Internet-Radiostationen über iTunes erhältlich, auf deren Inhalte haben die Nutzer aber keinen Einfluss, die Streams versenden sich zudem, ohne Umsätze über Downloads zu generieren. Gut möglich, dass eine neue, aufgeräumtere iTunes-Version hier den Stecker zieht.

Update: Apple hat indes hohe Ziele mit dem neuen Service, wie die Associated Press berichtet . 100 Millionen zahlende Kunden will Apple laut einer namentlich nicht genannten Quelle gewinnen, das wäre mehr als doppelt so viel, wie sämtliche bestehenden Streamingservices bisher als zahlende Kundschaft verzeichnen. Apple Music soll 10 US-Dollar im Monat kosten und Bestandskunden von Beats Music übernehmen. Angesichts der bisherigen Marktdurchdringung von Streamingservices scheinen 100 Millionen Kunden als hohes Ziel, doch hat Apple bisher weit über 500 Millionen Nutzer bei iTunes registriert - alles potentielle Musikabonnenten..

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