919918

eGovernment-Angebote weiten sich aus

03.03.2004 | 11:11 Uhr |

Zumindest in den virtuellen Verwaltungsdschungel scheint Licht einzudringen.

Rund drei Jahre ist es her, dass Innenminister Otto Schily (SPD) das Programm «BundOnline2005» ins Leben rief. Das Ziel: Alle Dienstleistungen des Bundes, die sich dafür eignen, bis Ende 2005 im Internet anzubieten. «Mit 260 sind bereits mehr als die Hälfte der insgesamt fast 450 Angebote online», sagt der Staatssekretär im Innenministerium, Göttrik Wewer. 2004 sollen noch 111 hinzu kommen.

Aktuelle Pläne für die elektronische Verwaltung, in der Computerwelt eGovernment genannt, beinhalten Erleichterungen für Selbstständige. «Sie können in Kürze ihre Umsatzsteueridentnummern gleich im Netz beantragen», sagt Wewer. Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte wird die Korrespondenz über die Renten online ermöglichen. Doch der Weg zu einem Netzwerk, bei dem der Bürger nicht mehr zum Amt gehen muss, ist noch lang: Es gilt, rund 7000 Portale und Internetauftritte, die von Bund, Ländern und Kommunen betrieben werden, unter einen Hut zu bringen.

Experten bescheinigen den deutschen Behörden, beim eGovernment inzwischen stärker an einem Strang zu ziehen als zuvor. Als positiv wird die Initiative «Deutschland-Online» gewertet, bei der Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam Verwaltungsdienstleistungen online bereitstellen und einheitliche Standards entwickeln. «Früher hieß es oft: Ich habe meine eigene Lösung», sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes BITKOM, Bernhard Rohleder. «Wir haben jetzt noch nicht das große Deutschland-Portal bis hinunter in jede kleine Gemeinde, aber wir haben einen Ansatz, die 7000 öffentlichen Portale zu einer Initiative zu bündeln.»

Zahlreiche Unternehmen konkurrieren um Aufträge, die die Verwaltung ans Netz bringen sollen. Der härteste Machtkampf dürfte sich zwischen dem Software-Giganten Microsoft und Anbietern von Open Source-Anwendungen wie Linux abspielen. Open Source bedeutet, dass der Kern des Programms kostenlos verfügbar ist. Die Stadt Schwäbisch Hall etwa will bis Ende 2004 ihre Infrastruktur für Informationstechnologie komplett auf Linux umstellen. Mülheim an der Ruhr entwickelt nach eigenen Angaben neue eGovernment-Anwendungen gleich in der «Linux-Welt» und stellt sie anderen Kommunen kostenlos zur Verfügung.

Das Innenministerium setzt laut Wewer auf eine «Vielfalt in der Software-Landschaft der Behörden». Ein «Migrationsleitfaden» soll helfen, eine wirtschaftlich und technisch sinnvolle Lösung zu finden. Über Rahmenverträge mit dem Ministerium können alle Behörden schon heute Linux-Lösungen beziehen, zum Beispiel von IBM oder Oracle, sagt Gregor Lietz, der das Ministerium in Fragen der IT-Strategie berät. Rund 80 Prozent aller Behörden nutzen demnach in irgendeiner Art und Weise Open-Source-Lösungen.

Welche Bedeutung eGovernment inzwischen hat, spiegelt sich auch auf der CeBIT 2004 (18. bis 24. März/Hannover) wider. Der «Public Sector Parc» ist die weltweit größte Kommunikations- und Informationsplattform dieser Art. Auf mehr als 7500 Quadratmetern präsentieren rund 250 IT-Unternehmen sowie öffentliche und private Einrichtungen ihre Entwicklungen.

Dort vertreten sind auch die IT-Berater von Cap Gemini Ernst & Young. Diese stellten kürzlich die vierte Ausgabe ihrer EU- eGovernment-Studie vor. Ergebnis: Der Grad der Nutzbarkeit behördlicher Dienstleistungen ist in Deutschland im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Jedoch nur 8 von 20 untersuchten Angeboten erlaubten eine vollständige Transaktion per Datenautobahn. Zudem bauen Verwaltungsstellen bevorzugt Dienste aus, mit denen sie Geld einnehmen, etwa bei der Einkommens- oder Umsatzsteuer. «Dienste, die einen Service für Bürger darstellen wie beispielsweise Genehmigungen, liegen in der Rangfolge weit hinten», schrieben die Berater.

0 Kommentare zu diesem Artikel
919918