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iBeacons: iPhone am Leitstrahl

11.12.2013 | 14:36 Uhr |

iBeacons ist Apples Lösung der Indoor-Navigation und ebnet neue Wege für Einkaufsmeilen, Museen, Sportstadien und mehr. Ziel ist der Kunde.

Selten hat sich Apple mit der Einführung einer neuen Technologie so lange Zeit für die Vorbereitung gelassen, wie bei iBeacons, einer der neuen Funktionen von iOS 7 . Am 6. Dezember hat das Unternehmen seine 254 Apple Stores in den USA mit der neuen Technologie ausgestattet und damit quasi einen ersten Feldversuch gestartet, der ab 2014 breite Akzeptanz und neue Einsatzgebiete im Bereich Verkauf, bei Indoor-Navigation und endlich auch im Bereich Online-Payment einläuten dürfte.

Dabei handelt es sich nicht um einen kompletten Alleingang, nicht nur iOS-Geräte, sondern auch aktuelle Android-Smartphones und -Tablets können und werden die Technologie nutzen. Dank iBeacons, preiswerter Beacon-Hardware und entsprechend programmierter Apps kann der Benutzer in geschlossenen Räumen "geleitet" werden, Kaufangebote oder Informationen erhalten und sogar bezahlen.

So funktioniert's

iBeacons löst dabei eine ganze Reihe technischer Probleme. Während GPS und Triangulation "draußen" draußen zuverlässig orten, helfen sie in Räumen nicht weiter. Kommunikation und Technologie von iBeacons basieren dagegen komplett auf Bluetooth LE, oft auch Bluetooth Smart genannt, Bestandteil von Bluetooth 4.0. Im Gegensatz zu den Bluetooth-Vorgängern ist BLE nicht auf den Transport großer Datenmengen spezialisiert, dafür extrem sparsam im Stromverbrauch. Bereits seit der Vorstellung des iPhone 4S kommen alle iOS-Geräte (einschließlich des Apple TV 3) mit Bluetooth-LE-Unterstützung.

Das einfachste Beispiel eines Einsatzgebietes ist die Ortsbestimmung. Dazu bedarf es (mindestens) eines iBeacons. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, das batteriebetrieben etwa in einem Kaufhaus angebracht ist. Per Bluetooth LE senden die iBeacons unter anderem ihre Geräte-ID (GUID), sowie zwei spezielle 16-Bit-Nummern. Darin enthalten ist ihre (vorab vom Betreiber festgelegte) Position. Im Gegensatz zu NFC findet keine Zwei-Wege-Kommunikation mit dem Smartphone statt.

Bei der Vorstellung von iOS 7 ging iBeacons noch unter, war lediglich ein Punkt bei den Neuerungen im Entwicklerkit für iOS.
Vergrößern Bei der Vorstellung von iOS 7 ging iBeacons noch unter, war lediglich ein Punkt bei den Neuerungen im Entwicklerkit für iOS.

Der Betreiber stellt eine App zur Verfügung, die das genannte Signal bei eingeschaltetem Bluetooth am iPhone empfängt. In der App lässt sich festlegen was in verschiedenen Abständen zu den iBeacons am iPhone beziehungsweise in der App passieren soll. Dabei lassen sich Aktionen nah und fern auslösen, wobei nah im Abstand von rund zehn Zentimetern und fern zwischen 10 und 50 Metern zwischen iBeacon und iPhone meint.

Mögliche Einsatzgebiete

Was Apple in den USA zum Ankurbeln des Verkaufs im Apple Store nutzt, lässt sich am Beispiel eines Museums-Besuchs erläutern. Hier müssten Sie zunächst die App des Museums laden und starten, iBeacons nerven Sie nicht ungefragt via iOS. Während Sie die Räume des Museums durchstreifen, erhalten Sie über die App passend zu den Ausstellungsstücken weiterführende Informationen. Die Informationen werden dabei nicht von den kleinen iBeacons im Museum an das iPhone übertragen, sondern stammen aus der App. Die iBeacons stellen der App lediglich die aktuelle Position zur Verfügung. Deshalb sind sie auch extrem sparsam beim Stromverbrauch, die Hersteller erster iBeacons sprechen von bis zu 2 Jahren Batterie-Laufzeit.

Apple hat am 6. Dezember gezeigt, wo das eigentliche Einsatzgebiet zu sehen ist. Ein Kaufhaus, das je nach Größe mit Dutzenden oder gar Hunderten von iBeacons gespickt ist, führt den Kunden quasi per Leitstrahl durch die Angebote - und mehr. Je nach Programmierung der App kann der Kunde "einchecken" also den Betreiber wissen lassen, dass er das Kaufhaus besucht, Informationen zu Sonderangeboten bekommen und zwar genau dann, wenn er vor dem entsprechenden Regal steht. Neben Kaufhäusern sind natürlich auch Messen ein Klasse-Einsatzgebiet. Messe-Gesellschaften oder große Aussteller könnten iBeacons und eigene Apps nutzen, um den Besucher einfach zum Ziel zu leiten.

Bei der Vorstellung von iOS 7 ging iBeacons noch unter, war lediglich ein Punkt bei den Neuerungen im Entwicklerkit für iOS.
Vergrößern Bei der Vorstellung von iOS 7 ging iBeacons noch unter, war lediglich ein Punkt bei den Neuerungen im Entwicklerkit für iOS.

Vorreiter USA

Wie heiß die neue Technologie gehandelt wird, zeigen erste Reaktionen in den USA. Die Major League Baseball (MBL) gehört zu den ersten, die auf den Zug springen. Anlässlich einer Pressetour Ende September im Citi Field, dem Baseballstadion der New York Mets zeigte man ein Leitsystem für Besucher - natürlich mit der Möglichkeit für Sponsoren, gezielt Werbung zu platzieren. Daneben wurden über die App Videos zu bestimmten Bereichen des Stadions eingespielt, Coupons für den Kauf von Fan-Artikeln, sobald der Benutzer bestimmte Bereiche des Stadions erreicht.

iBeacons ist zumindest heute der beste Weg, einen (willigen) Benutzer auf Schritt und Tritt zu begleiten und ihn gezielt zu informieren. iBeacons werden natürlich auch Fragen in puncto Überwachung aufwerfen. So kann eine App natürlich die Bewegungsdaten des Benutzers auch an den Server des Betreibers übermitteln und damit der Erstellung von Profilen weiter Vorschub leisten - aufhalten wird das iBeacons jedoch nicht. Der Benutzer hat schließlich auch die Wahl, ob er die Technologie an seinem iPhone nutzen will.

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