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iBooks im Kaufhaus

09.11.1999 | 00:00 Uhr |

Apples erklärte Strategie, die Consumer-Rechner iMac und iBook über große Kaufhäuser auch an Quereinsteiger und Computerneulinge zu vertreiben, beschert den Fachhändlern derzeit leere Lager und frustrierte Kunden.

Zwar soll sich die Lage ab der kommenden Woche entspannen, wenn Apples neuer Distributionspartner Macrotron ins Geschäft einsteigt und nach Aussage von Macrotron-Sprecherin Alexandra Koske die ersten Geräte vom neuen Straubinger Zentrallager aus an die Fachhändler liefert.

Aber bis dahin sind die beiden Consumer-Modelle nur bei Warenhäusern wie dem von Karstadt betriebenen Berliner KaDeWe in ausreichender Stückzahl vorrätig. Viele Fachhändler und Mac-Handelsketten können trotz zahlreicher Vorbestellungen fast nur mit Power Macs aufwarten.

So verfügt der Dresdner Versandhändler Cyberport zwar über zahlreiche G4-Rechner, aber lediglich über einige blueberryfarbene iMac und iMac DV. Die übrigen Farben und Konfigurationen sind nicht am Lager. "Beim iBook ist die Lage ebenfalls schwierig. Hier hatten wir gegenüber den Warenhäusern das Nachsehen", so ein Cyberport-Sprecher. Im Online-Shop offeriert Cyberport ( www.cyberport.de ) das iBook für 3599 Mark und deklariert es als kurzfristig lieferbar.

In einer ähnlichen Situation befindet sich die Mac-Handelskette Gravis. Zum Zeitpunkt der Nachfrage meldete das Unternehmen zwar einen Lagerbestand von über 130 iBooks beider Farbvarianten, die Zahl der Vorbestellungen ist laut Auskunft eines Gravis-Mitarbeiters jedoch ungleich höher.

Den kleinen Händlern geht es nicht anders: Ein Leipziger Systemhaus, das "gerade mal den Bedarf an Power Macs decken" und gelegentlich einen iMac Blueberry ausliefern kann, muss alle iBook-Interessenten auf später vetrösten. "Im Moment sieht es so aus: Die großen Rechner kriegt der Fachhandel, die Kleinen der Retail-Sektor. Damit müssen wir uns abfinden," so ein Mitarbeiter.

Tatsächlich ist bei Karstadt Leipzig die erste Lieferung iBooks nach Aussage eines Angestellten bereits abverkauft. "Die nächsten kommen aber demächst rein".

Im Online-Shop von Karstadt ( www.my-world.de ) kann man ebenfalls beide Farbvarianten des iBooks bestellen. Der Mobilrechner kostet dort 3699 Mark und ist laut Auskunft eines Hotline-Mitarbeiters auch vorrätig. Der deutsche Apple Store ( www.apple.com/germanstore ) bietet das iBook für 3749 Mark an. Ob der bunt-runde Mac jedoch lieferbar ist, konnte Macwelt aufgrund der Öffnungszeiten der Hotline, die nur bis 18 Uhr besetzt ist, nicht mehr ermitteln. Bis Redaktionsschluss dieser Meldung war von den Verantwortlichen bei Apple Deutschland in Feldkirchen bei München noch vom Distributionspartner Computer 2000 eine Stellungnahme zur derzeitigen Situation zu bekommen.

Dass bei der Verteilung der iMacs und iBooks Karstadt & Co momentan die besseren Karten gegenüber dem traditionellen Apple-Fachhandel haben, ist Folge der aktuellen Marketingoffensive von Apple mit zahlreichen Fernsehspots und Beilagen in Publikumszeitschriften wie etwa dem "Spiegel" dieser Woche. Beide Werbeformen sprechen hauptsächlich Computerneulinge an. Diese werden, so das Kalkül, eines der beworbenen Produkte eher dort kaufen, wo sie auch anderes technisches Equipment erwerben, und eben nicht beim Apple-Fachhändler. Die ganzen Werbemillionen würden jedoch verpuffen, wenn die Karstadts und Media-Markts dieser Welt die Rechner nicht vorrätig hätten. lf/ab/cja

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