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iBooks in Maine erfolgreich

09.12.2002 | 12:48 Uhr |

Viel Medienecho erhielt vor einem Jahr die Ankündigung, der Bundesstaat Maine würde seine Mittelschüler mit iBooks ausstatten. Inzwischen sind erste Erfolge zu vermelden

Mit dem Ziel die "bestausgebildeten Bürger der Welt" heranzuziehen bestellte der amerikanische Gouverneur Angus King letztes Jahr iBooks für seine 36 000 Siebtklässler. In dem finanziell stark geschwächten Staat hatte diese 37 Millionen US-Dollar teure IT-Investition starke Kritik hervorgerufen, die umstrittene Aktion wurde jedoch umgesetzt. Erste messbare Erfolge konnten inzwischen der Presse vermeldet werden.
So fielen die Abwesenheitszeiten, ein typisches Symptom für demotivierte Schüler, um 50 Prozent. Ähnliche Verbesserungen meldeten weitere Schulen Aber auch die Schulleistungen sollen sich durch den breiten Einsatz der Notebooks verbessert haben. Laut den Angaben der Schulbehörde sollen sich die Noten bei 91 Prozent der Schüler in einem Fach, bei 83 Prozent in zwei Fächern verbessert haben.
Maine hatte weniger Probleme als der Bezirk Henrico, in dem angeblich die in großer Zahl angeschafften iBooks in breiter Masse zum Download von Pornos benutzt wurden. Hauptproblem in Henrico waren offenbar schlecht vorbereitete Lehrer, die den Internetzugriff der Schüler zu wenig beschränken konnten. In Maine wurden die Lehrer dagegen umfassend vorbereitet.
In der Rangliste des Pro-Kopf-Einkommens steht der Bundesstaat Maine auf Rang 37, eine Situation die sich nach Meinung des Gouverneurs nur durch Investition in Bildung verbessern ließe.
Schülern aller Gesellschaftsklassen sollten die gleichen Möglichkeiten geboten werden. Wie die Los Angeles Times berichtete, wird streng darauf geachtet, dass die iBooks nicht zu Unterhaltungsgeräten werden. Die iBooks kommen ohne das obligatorische Spiel Bugdom, nur das Schachspiel bleibt installiert. Der Download von Spielen ist im Schulnetz nicht mögliche, ebenso der Zugriff auf Musik- und Unterhaltungs-Homepages. Auch Instant Messager sind verboten. Angus King, Vater eines zwölfjährigen Kindes, wollte nicht als Gouverneur in die Geschichte eingehen, der "36 000 Gameboys nach Maine brachte".

Der Sinn von Laptop-Einsätzen in der Schule, auch ein Diskussionsthema in Deutschland, ist umstritten. Ein negatives Bild davon liefert etwa eine Studie des Wissenschaftlers Larry Cuban mit dem vielsagenden Titel "Oversold and Underused. Computers in the Classroom."

Eines der von den Lehrern öfter genannten Probleme scheint aber weniger technischer Natur zu sein, als ergonomischer: Die iBooks werden in schwarzen Aufbewahrungstaschen mit Reißverschluß aufbewahrt und werden, wie bei Siebklässlern nicht anders zu erwarten, auch öfter einmal fallen gelassen.
Trotz langjähriger Präsenz an den Schulen und werbewirksamen Projekten wie in Maine ist allerdings Apples frühere Vorrangstellung an amerikanischen Schulen Geschichte. Nach einer Studie der Quality Education Data trägt zwar noch ein Drittel, der an US-Schulen bereit stehenden Rechner das Apfel-Logo. Der Rest des Marktes verteilt sich mittlerweile auf Wintel-Maschinen unterschiedlicher Hersteller. Dell Computer stellt dabei mit zirka 18 Prozent den größten Anteil an Rechner. Zusätzlich überholte Dell den Mac-Hersteller im Schuljahr 2002 - 2003 mit einem Gesamtanteil von 35 Prozent an allen Rechnerbestellungen. Apple bekam dagegen trotz eMac und iBook nur 21 Prozent vom Gesamtbudget.

Stephan Wiesend

Info: Apple www.apple.com/de/education/

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