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iCab - Hinter den Kulissen

11.03.1999 | 00:00 Uhr |

Seit Wochen sorgt ein neuer Web-Browser aus deutschen Landen in der Szene für Furore: iCab der gleichnamigen Firma aus Braunschweig. Binnen drei Wochen wurde die erste Preview nach Firmenangaben rund 50.000mal von der iCab-Homepage heruntergeladen, sie ist auch auf der aktuellen Heft-CD der Macwelt-Ausgabe 4/99 zu finden. Doch hat der neue Browser, der in der endgültigen Fassung kostenpflichtig sein wird, gegen die etablierte Konkurrenz von Microsoft und Netscape überhaupt eine Chance? Hierzu führte Macwelt-Redakteur Martin Stein ein Interview mit Firmengründer Oliver Joppich.

Macwelt: Bereits in Macwelt 2/99 (Die wichtigsten Trends 1999) berichteten wir über ihren neuen Browser icab sowie die Mac-Version von Opera. Während die Opera-Entwicklung noch einige Monate andauern wird, sind Sie bereits mit einer Preview-Version auf dem Markt. Wie lange haben Sie für diese Version benötigt und wann kommt die finale Fassung?

Oliver Joppich:

iCab ist seit Februar 1998 in Entwicklung. Alexander Clauss hat aber vorher schon Cab für den Atari/MagiC in Pascal programmiert und hatte dadurch eine Basis für iCab. Es erfolgte für den Mac eine komplette Umsetzung in Codewarrior C, und viele Verbesserunge, konnten für iCab gemacht werden. Für die endgültige Version haben wir uns noch einige wichtige Sachen vorgenommen - zum Beispiel Javascript - und werden sie ausliefern, wenn wir mit iCab wirklich zufrieden sind. Bis dahin werden wir aber in unregelmäßigen Abständen Previews unter www.icab.de veröffentlichen.

Macwelt: Das meiste Interesse an einem schlanken Browser dürften 68K-Benutzer haben. Wann kommt die 68k-Version? Welche Einschränkungen wird sie haben?

Oliver Joppich:

Die iCab Preview 1.3 unterstützt schon die 68k Macs. Die Version sollte ab 11.3.99 im Netz stehen. (Download unter www.icab.de/download.html , Anm. der Red.) Diese Version läuft ab Betriebssystem 7.5 und besitzt keine weiteren Einschränkungen. Lediglich MRJ 2.1 besitzt die Einschränkung, die durch Apple gegeben ist (Power-PC). Aber wer auf Java verzichten kann, sollte iCab auch auf 68k-Macs schnell und ohne Probleme benutzen können.

Macwelt: Ihr neuer Web-Browser iCab sorgt bei der Konkurrenz für Furore. Warum haben Sie sich entschlossen, gegen die Giganten AOL/Netscape und Microsoft im Browsermarkt anzutreten?

Oliver Joppich:

Die bisher meistgestellte Frage. "Warum macht jemand einen Web-Browser, obwohl es schon zwei kostenlose Alternativen von wirklich großen Firmen gibt?" Aber wenn man mal ein bißchen hinter die Kulissen schaut, gibt es eigentlich keine kostenlose Konkurrenz: Microsoft gibt den Internet Explorer zwar kostenlos ab - weil sie Netscapes Dominanz aufbrechen wollten-, aber Bill Gates wird die hohen Entwicklungskosten über Inhalte auf Seiten wieder hereinholen. Deshalb gibt es in der Windows-Version des Internet Explorers Channels und sicherlich auch bald kommerzielle Bookmarks, die zum Internet Explorer mitgeliefert werden. Und Netscape ist jetzt AOL. AOL hat primär ein Interesse daran, ihre eigenen Inhalte anzubieten. Nur ein kleiner Teil der AOL-Anwender ist im Internet außerhalb von AOL aktiv. Und in diese Richtung wird auch Netscape/AOL weiterentwickelt werden.

Wir möchten iCab für einen fairen, kleinen Preis anbieten und auch eine etwas reduzierte Version kostenlos im Netz lassen. Der gesamte Vertrieb für iCab soll über das Internet erfolgen und ist dadurch sehr günstig machbar. Wir möchten mit dem Geld für iCab die zügige Weiterentwicklung des Programms bezahlen und ein gutes Produkt für die nächsten Jahre daraus machen.

Ein weiterer Punkt war für uns, daß Communicator und Internet Explorer auf'großen, älteren Konzepten basieren und auch selber sehr groß sind. Der Internet Explorer für den Mac ist zwar recht schön - besser als unter Windows -, aber das war uns immer noch zu groß. Wir wollten einen schlanken Browser, mit dem man schön im Internet reisen kann. Und scheinbar hat das viele Anwender genau so auch interessiert. Wir hatten in den ersten drei Wochen mehr als 50.000 Downloads von unserer Seite. Das war deutlich höher, als wir selber erwartet hatten, und spornt uns natürlich auch für die Zukunft an.

Macwelt: Während die Konkurrenten ihre Web-Browser kostenlos anbieten, soll iCab knapp 50 Mark kosten. Akzeptiert der Markt ein kostenpflichtiges Produkt überhaupt? Wieviel Bestellungen liegen bereits vor?

Oliver Joppich:

Derzeit sind die Previews von iCab kostenlos, und unser Ziel ist es, wie schon gesagt, eine im Umfang etwas reduzierte Version auch in Zukunft kostenlos im Internet zu lassen. Für die fertige Version werden wir ja auch nur einen sehr fairen Preis verlangen, den wir fast komplett in die Weiterentwicklung von iCab stecken möchten. Wir wollen dafür ein einfaches Verfahren anbieten, mit dem man möglichst online bezahlen kann, ohne daß man einen hohen Aufwand dafür treiben muß. Aber so weit ist es im Moment noch nicht.

Macwelt: Microsoft setzt enorme Ressourcen für die Softwareentwicklung im Mac-Bereich ein. Ist Ihr Kampf gegen die Branchenriesen auf Dauer nicht aussichtslos? Wieviel Marktanteil brauchen Sie, damit iCab überlebt?

Oliver Joppich:

Wir streben keinen bestimmten Marktanteil an. Diese Rechengefechte sollen die großen Firmen unter sich austragen. Die bisherige Resonanz für iCab war aber so groß, daß wir selbst überrascht waren. Wir kämpfen auch nicht gegen Microsoft/AOL. Wir möchten einfach nur einen guten, schnellen und kleinen Browser für alle Anwender anbieten. Ohne den ganzen Ballast der dicken Software-Pakete. Mehr nicht. Daß Microsoft so groß ist, ist in meinen Augen auch kein Vorteil: Größe bedeutet auch immer große Teams, die koordiniert werden müssen. Die Qualität der heutigen Software, die durch große Teams entstanden sind, kann

ja jeder leicht selbst überprüfen. Alle wirklich guten Programme sind immer das Werk von einzelnen oder sehr kleinen Teams. Und wir stellen uns mit iCab ja der ganzen Welt im Internet zur Beobachtung. Die Vorschläge, die dadurch kommen, sind teilweise einzigartig und können auch bei großen Firmen nicht besser sein. Und heute könnte durch das Internet ja ein einzelner ein gutes Programm veröffentlichen und einmal ins Internet

stellen, und es wäre sofort weltweit verfügbar. Das gab es vor einigen Jahren einfach noch nicht, an diesem Punkt müssen die großen Firmen einfach umdenken. Das ist unser Vorteil.

Macwelt: Wer steckt hinter iCab?

Oliver Joppich:

iCab hat zu 100 Prozent Alexander Clauss programmiert. iCab Company ist eine kleine private Firma mit Sitz in Braunschweig, die ich letztes Jahr gegründet habe. Bis dahin war ich Geschäftsführer/Inhaber von Application Systems Heidelberg. Doch ich wollte mit guten Internet-Konzepten etwas Neues machen. Deshalb habe ich AktienMan & Friends und die iCab Company in Braunschweig aufgemacht. Aber eigentlich spielt der Standort keine Rolle. Alexander macht seine Arbeit in Darmstadt, Thomas Much in Karlsruhe und ich in Heidelberg. Wir sind aber über Email genauso schnell erreichbar, als wären wir im gleichen Ort. Oder in den USA, Australien oder Asien. Der eigentliche Ort spielt dank Internet und Email ja keine Rolle mehr.

Macwelt: Die Möglichkeit, Werbebanner auszuschalten, ist für den Anwender sicherlich attraktiv. Dennoch lebt das Web unter anderem von Werbung. Ist dies nicht ein Widerspruch?

Oliver Joppich:

Wenn jemand eine interessante Seite kostenlos im Internet anbietet, muß er das Recht haben, dafür auch Werbung zu machen. Wir finden nur die derzeitigen Konzepte mit dicken Werbe-Bildern nicht sehr schlau. Die Werbenden werden sich bessere Konzepte dafür ausdenken müssen. iCab ermöglicht das Abschalten von Bildern auch nur intelligenter als Internet Explorer oder Communicator (generell keine Bilder). Aber wir haben das ja nicht erfunden: Selbst Siemens macht im Moment Furore mit einem Werbeseitenfilter für den PC. Und auch für den Mac sind Programme wie WEB free schon länger sehr beliebt.

Macwelt: Wie sehen Ihre XML-Pläne für den iCab-Browser aus? Wann kommt Javascript? In GIFs und JPEGs kann man Farbprofile (ICC) einbetten. Kann der Browser diese auswerten?

Oliver Joppich:

Javascript wollen wir im Verlauf des Jahres machen. Das wird Thomas Much programmieren, der bereits mit AktienMan ein schönes Programm in Java für Mac-OS und PCs gemacht hat. Bei Bildern werden wir uns anschauen, für welche Sachen auch wirklich Bedarf ist. Nicht alles was machbar ist, ist ja auch wirklich sinnvoll.

Macwelt: Wie aufwendig wird die Carbon-Portierung von iCab? Planen Sie eine Yellow-Box-Version für den Mac-OS X Server?

Oliver Joppich:

Da iCab ein sehr modernes Konzept ist, sollte die Portierung nicht sehr viel Arbeit machen. Wir werden damit starten, wenn Mac-OS X für alle Anwender konkreter wird. Eine spezielle Mac-OS-Server-Lösung macht in unseren Augen noch keinen Sinn.

Macwelt: Apple hat die Entwicklerbeziehungen und Programme im letzten Jahr neu strukturiert. Profitieren Sie von diesen Änderungen?

Oliver Joppich:

Wir haben direkten Kontakt zu den MRJ-Entwicklern in USA. Das klappt sehr gut, und ich glaube auch, daß dort das Potential von iCab gesehen wird und die Entwickler unterstützen uns.

Macwelt: Wie gut ist die Zusammenarbeit mit Apple Deutschland? Was sollte Apple ändern?

Oliver Joppich:

Bisher haben wir für iCab Company mit Apple Deutschland noch nichts gemacht, aber ich habe in meiner Vergangenheit bei ASH und MagiC Mac mit Herrn Gebhardt von Apple Deutschland ja bereits zusammen gearbeitet, und das wird auch für die iCab Company gut klappen. Apple Deutschland sollte eigentlich nur Ihre Preisstrukturen an die US-Verhältnisse besser anpassen. Da habe ich manchmal das Gefühl, daß man immer noch glaubt, daß man mit überhöhten Preisen noch mehr Gewinn machen kann. Daß das nicht mehr klappt, sollte Apple spätestens beim iMac in Deutschland gesehen haben. Man kann jeden Mac innerhalb von zwei, drei Tagen aus Amerika per Internet bestellen. Da bezahlt einfach niemand mehr überzogene Preise. Wenn Apple Deutschland das einsehen würde, wären die Verkäufe hier und der Mac-Anteil sicherlich auch viel besser.

Info: Internet: www.icab.de

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