Von Peter Müller - 15.11.2011, 09:30

iCloud

iTunes Match startet - Nur in den USA

Apple hat gestern seinen Cloud-Service iTunes Match gestartet, mit dem Kunden für 25 US-Dollar Jahresgebühr ihre Musik, die sie nicht im iTunes Store gekauft haben, über iCloud abgleichen können. Der Haken an der Sache: Der Service läuft nur in den USA.
Voraussetzung für Nutzung des Services ist iTunes 10.5.1, das Apple in der Nacht zum Dienstag auf seinen Downloadservern bereit gestellt hat. Anders als die Konkurrenzangebote von Amazon und Google müssen Anwender von iTunes Match ihre Musikbibliothek nicht in einen Ordner auf einem Server hochladen, iTunes 10.5.1 erkennt, welche Stücke auf dem Mac gespeichert sind und stellt diese dann der entsprechenden Apple ID zur Verfügung - auf anderen Macs, dem iPhone, iPod Touch und iPad. Nur wenn Apple einen Song der iTunes-Mediathek nicht in seinem 20 Millionen Titel umfassenden Angebot findet, muss man diesen hochladen.
Jedes Musikstück, das man aus iCloud auf ein mobiles Gerät streamt, bietet Apple in 256kbs-Qualität an, auch wenn das Original auf der eigenen Festplatte in schlechterer Qualität vorliegt. Für iTunes Match besteht jedoch das Limit von 25.000 Songs, im iTunes Store gekaufte Songs zählen hierbei nicht mit. Größere Mediatheken indiziert iTunes Match nicht. Wann iTunes Match auch außerhalb der USA zur Verfügung steht, ist bisher nicht bekannt. iTunes 10.5.1 ist über die Softwareaktualisierung erhältlich.

Kommentar: GEMA verhandeln, Apple

Vor zehn Jahren entwickelte Apple die Vision des Mac als "digital hub", als Zentrum für die Verwaltung und Bearbeitung von Musik, Videos und Fotos. In seiner letzten Keynote - zur WWDC im Juni - hatte Steve Jobs die Verlagerung des digital hubs in das Internet, in Apples neuen Service iCloud gepredigt. So weit so gut. Nur hatten vor zehn Jahren die Anwender außerhalb der USA, die das Prinzip des digital hub verstanden hatten und es sich zu Eigen machen wollten, sofort Zugriff auf die schöne neue Welt von Apple. Im Jahr 2011 gestaltet sich das weit schwieriger. Nicht nur setzt iCloud gewisse Mindestvoraussetzung an die Ausrüstung der Nutzer - unter OS X 10.7.2 und iOS 5 geht nicht viel - sondern ist das Konzept außerhalb der USA kaum mehr als ein schönes Versprechen. Kalender-, Adressbuch- und Mail-Synchronisation funktioniert auch (noch) mit Mobile Me oder ganz ohne Apple, wirklich spannend wird iCloud erst durch den Abgleich von Dokumenten aller Art vom Büro- zum Heimrechner, vom Mac zum iPhone und iPad. Einzig Apps und im iBooksstore gekaufte Bücher lassen sich über Apples Cloud synchronisieren, Musik, sei sie nun bei Apple oder anderweitig gekauft, muss man nach wie vor mühselig von Hand überspielen. Der automatische Abgleich der Musikbibliotheken wird dereinst nach Europa kommen, ungewiss ist der Zeitpunkt. Als Apple im April 2003 den iTunes Store eröffnete, dauerte es noch 15 Monate, bis der Onlineladen für Musik auch in Großbritannien, Frankreich und Deutschland an den Start gehen konnte. Vor allem haben sich seinerzeit die Verhandlungen mit den Rechteverwertern hingezogen, in der EU gibt es keine gemeinsame Institution. So heißt es nun für Apple, intensiv mit der GEMA und ihren europäischen Pendants zu verhandeln und zwar möglichst zügig. Die Konkurrenz von Google und Amazon schläft nicht.
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