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iMesh und Gnutelle "zu winzig und kompliziert"

28.02.2001 | 00:00 Uhr |

Bertelsmann sieht in anderen kostenlosen
Musikportalen wie Gnutella und iMesh keine Gefahr für die Tauschbörse
Napster. Verglichen mit Napster sei deren Nutzergemeinde «winzig» und
die Technik zu kompliziert, sagte der Sprecher der Bertelsmann
eCommerce Group (BeCG), Alexander Adler, auf dpa-Anfrage. Gerüchte
über den Aufbau eines eigenen alternativen Online-Vertriebskanals
wies Adler erneut zurück. Medien hatten in den vergangenen Tagen
berichtet, das Gütersloher Medienunternehmen entwickle für den
möglichen Fall einer Schließung der Tauschbörse unter dem Namen
«Snoopstar» einen Napster-Clon.

«Snoopstar» sei lediglich eine Bertelsmann-Tochter unter vielen.
Es habe sich Adler zufolge um ein zweiwöchiges Projekt gehandelt, um
eine Suchmaschine für Musikdateien in Webdiensten zu testen. «Dieses
Projekt wird aber nicht weiter verfolgt», sagte Adler. Der Branchen-
Dienst Heise online berichtete dagegen, dass sich die Aktivitäten von
«Snoopstar» bis zum Juli des vergangenen Jahres zurückverfolgen
ließen.

Im Streit um die Zukunft der Internet-Plattform hatten Experten
darauf hingewiesen, dass Musikliebhaber ausreichend kostenlose
Alternativen zu dem in Zukunft kostenpflichtigen Napster haben.
Während bei Napster der Datenaustausch über einen zentralen Rechner
koordiniert wird, befindet sich das Tauschprogramm von Gnutella
lediglich auf den Computern der Nutzer. Bei Verletzung gegen
Urheberrechte erschwert die so genannte Peer-to-peer-Technik eine
Strafverfolgung, da kein einzelner Server-Betreiber zur Verantwortung
gezogen werden kann. Inzwischen deuten sich jedoch auch bei Gnutella
erste Probleme an. Der Süßwarenhersteller Ferrero setzte gerichtlich
eine einstweilige Verfügung gegen den Betreiber der Webseite
www.gnutella.de durch. Der Grund: Der Ruf des Brotaufstrichs Nutella
sei in Gefahr.

Napster ist trotz der Auseinandesetzungen in Europa auf
Erfolgskurs. In Deutschland wurde die zur Nutzung der Tauschbörse
nötige Software einer Studie zufolge im Januar 2001 von insgesamt
1,23 Millionen Besuchern genutzt. Die höchste Reichweite konnte
Napster mit 21,6 Prozent in Spanien verbuchen, teilte das
Marktforschungsinstitut Jupiter MMXI mit. An zweiter Stelle folge
Italien mit einer Reichweite von 156 Prozent, auf Platz drei rangiert
Deutschland mit 10,2 Prozent. Damit sei Napster in den
südeuropäischen Ländern sogar noch beliebter als im Mutterland USA,
wo sie eine Reichweite von 14,1 Prozent unter den privaten Nutzern
verbuchte.

Ob und in welcher Form die Musiktauschbörse ihre Dienste weiter im
Internet anbieten wird, ist unterdessen weiter fraglich. Ein US-
Gericht hatte eine von der Musikindustrie angestrengte einstweilige
Verfügung wegen Urheberrechtsverletzung in Grundzügen bestätigt. Ein
milliardenschweres Angebot lehnte die Plattenindustrie ab. Am 2. März
soll die Auseinandersetzung zwischen Napster und den führenden
Plattenfirmen vor Gericht weiter geführt werden.

Der Gütersloher Medienkonzern will nach Angaben Adlers jedoch an
der Kooperation mit Napster auch weiterhin festhalten. Ab kommendem
Sommer wollen die Partner das Musik-Angebot mit einem neuen
Geschäftsmodell kostenpflichtig betreiben.
dpa

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