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Apples Karten und Google Maps im Praxis-Test

15.10.2012 | 11:00 Uhr |

Seit der Veröffentlichung von iOS 6 im September richteten sich die meisten Klagen gegen die neuen eingebauten Karten von Apple – zu ungenau die Angaben, zu wenig lokale Daten wie öffentliche Verkehrsmittel gegenüber dem Vorgänger.

Wir haben am vergangenen Wochenende die beiden Karten-Lösungen mit auf Reisen genommen, um im konkreten Praxisfall zu testen, wie gut oder schlecht Apples Karten im Vergleich zu Google Maps genau sind.


Testgeräte und die Route: Als Testgeräte treten im Test an: das iPhone 3GS mit iOS 5.1.1 und einer SIM-Karte von der Telekom aus unserem Testcenter und das private iPhone 4 der Testerin mit iOS 6 und einer SIM-Karte von Medion Mobile (E-Plus-Netz). Beide Geräte haben wir einen Tag vor der Reise komplett aufgeladen (100% Akku-Anzeige), zusätzlich wurde auf beiden iPhones die mobile Datennutzung zurückgesetzt, sodass die Anzeige von hoch- und heruntergeladenen Dateien auf null stand. Die Reise ging von München Partnachplatz zum Bahnhof in Esslingen am Neckar. Diese Route haben wir auf den zwei iPhones direkt vor der Reise noch im heimischen WLAN in die Karten-Apps eingegeben.


Reiseverlauf: Da wir die Route durch mehrfache Fahrten schon kennen, sind wir nicht wirklich auf ein Navi angewiesen, die beiden Karten von Google und Apple finden die gleiche kürzeste Route, für die wir uns auch entscheiden. Apple Maps gliedert die Reise in mehrere genauere Abschnitte, sodass das iPhone 4 22 solcher Schritte anzeigte, Google Maps hingegen auf dem iPhone 3GS nur 16 Schritte. Kommt man in größeren Städten wie München oder Stuttgart mit Apple Maps schon ganz gut zurecht, sieht man bei kleinen Ortschaften, dass die Angaben oft noch ungenau sind. So haben Apple Maps Zusmarshausen und Adelsried als eine Waldfläche angezeigt. Google Maps war in beiden Fällen genauer – auf der Darstellung erkannte man Siedlungen. Doch bei Apple Maps lohnt sich ein zweiter Blick: Zoomt man näher heran, sind in den Ortschaften die korrekten Straßen und sogar einige Geschäfte angezeigt – trotz grüner Fläche. Die beiden Karten-Apps von Apple und Google zeigen auch aktuelle Verkehrsinfos. In den meisten Fällen sind die Daten einigermaßen synchron, die beiden Karten-Apps melden auf den gleichen Straßen Staus oder stockenden Verkehr. In Apples Karten wird sogar eine Baustelle angezeigt, die Angabe erweist sich aber als nicht aktuell.

Vergleicht man die beiden Karten auf der ganzen Strecke, kann man Google Maps nicht als Navi einsetzen. Trotz einer besseren Netzabdeckung ist die Anwendung bei Geschwindigkeiten von über 100 km/h viel zu ungenau. Sobald die Geschwindigkeit 130 km/h übersteigt, zeigt uns das iPhone 3GS den aktuellen Standort entweder einige hundert Meter von der Autobahn entfernt an oder die Aktualisierung des Standorts geschieht sprunghaft und zeitlich verzögert. Das iPhone 4 leistet sich auf der Strecke auch einige Aussetzer, allerdings nicht so gravierende wie das iPhone 3GS mit Google Maps. Besonders auffällig ist das komplette Blackout beider Karten-Apps am Drackensteiner Hang: Die Geschwindigkeit ist relativ hoch, dazu besteht über längere Zeit (mindestens zehn Minuten) für beide iPhones keine Netzverbindung.

Das iPhone 3GS besteht diese Härteprobe nicht – nach zwei Stunden Dauerbetrieb und einige Kilometer vor dem Ziel entfernt (nicht weit von Kirchheim unter Teck ) gibt der Akku seinen Geist auf. Das iPhone 4 kommt mit 11% der Restladung als Sieger ins Ziel. Beim mobilen Datenverkehr sendet die Karten-App von Apple insgesamt 1,7 MB und empfängt 5,2 MB an mobilen Daten. iOS 5.1.1 mit Google Maps ist da deutlich datenhungriger: Insgesamt sind es hier 1,2 MB an gesendeten Netzwerkdaten und 12,1 MB an empfangenen Netzwerkdaten, wobei man beachten muss, dass die endgültige Route für das iPhone 3GS rund 20 Kilometer kürzer ist als für das iPhone 4.

Vektorbasierte Maps vs. Bitmaps: Ein Grundunterschied zwischen den Lösungen von Apple und Google besteht in der Technologie, auf der die beiden Karten basieren. Google liefert für iOS immer noch seine alte Version von Bitmaps. Dies sind Kartendaten in Form quadratischer Bildausschnitte, die vom Server geladen und erst auf dem iPhone zusammengefügt werden. Meist lädt die Anwendung mehr solcher Bildausschnitte, als das kleine Display wiedergeben kann. So entsteht der Eindruck einer flüssigen Darstellung, falls der Nutzer benachbarte Kartenausschnitte mit einer App anfordert. Bei den vektorbasierten Karten handelt es sich nicht um fertig heruntergeladene Ausschnitte der Karten, sondern eher um Anweisungen an die Karten-App, wie sie die konkreten Bereiche darstellen soll. Diese Anweisungen sind die genauen geografischen Angaben in Form von Punkten und Linien, die einen Bereich auf der Karte definieren. Vektorbasierte Kartenanwendungen stellen wesentlich höhere Anforderungen an die Leistung des Prozessors und Grafikchips in einem Smartphone, da die grafische Wiedergabe quasi direkt auf dem iPhone erfolgt. Im Vergleich zu den Bitmaps sind solche Karten deutlich effizienter, was den Daten-Download betrifft, da die Daten nicht als große Bilder, sondern als kleinere Textdateien heruntergeladen werden.


Im Übrigen bietet Google seit 2010  exklusiv für Android-Smartphones eine neue Version(5) von Google Maps , die vektorbasiert ist und tolle Funktionen wie eingebautes Navi, 3D-Ansichten, Offline-Zuverlässigkeit und zusätzliche Ebenen wie beispielsweise Angaben zu den öffentlichen Verkehrsmitteln bietet.
 

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