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iOS: Apples Design ist out

31.05.2013 | 14:08 Uhr |

Auf der WWDC werden wir einen ersten Blick auf iOS 7 erhalten. Vor allem bei der Optik hat Apple hier viel zu tun. Apples Stil steckt im Jahr 2007 fest.

Die Metapher ist die stärkste Waffe des Designers. Virtuelle Knöpfe sehen wie echte aus, wir sortieren Dateien in "Ordner" auf dem "Schreibtisch" und dass ein E-Mailprogramm einen Briefumschlag als Symbol trägt, ist selbstverständlich. Mit diesen Analogien ist Apple inzwischen aber zu weit gegangen. Apple verwendet Design-Metaphern, die dem Nutzer ins Gesicht schreien und übertreibt mit Effekten und visuellen Spielereien.

 
Mit dem nächsten Update wird alles anders. Nicht mehr Scott Forstall sitzt auf dem Fahrersitz von iOS, sondern Apples Design-Chef Jony Ive und Apples Internetzauberer Eddy Cue. Forstall musste Apple verlassen. Ive soll sich um ein neues Design von iOS kümmern, Eddy Cue soll Apples Kartendienst und Siri voranbringen.

Trend-Wende

Apples Designstil bei der Hardware ist Vorbild für viele andere. Edle Aluminiumhaut ohne Schnörkel, so wenige Verzierungen und störende Tasten wie nur möglich. Bei der Software sieht dies jedoch ganz anders aus. Besonders iOS ist optisch inzwischen ein Relikt früherer Tage. Glänzende iOS-Icons mit Spiegelungen und starker 3D-Anmutung: so sahen die Logos von hippen Internetunternehmen im Jahr 2006 aus.

Windows Phone gegen iOS 6: Bei Apple glänzt und reflektiert die Oberfläche in allen Farben, Microsoft ist schlichter und liegt damit im Trend.
Vergrößern Windows Phone gegen iOS 6: Bei Apple glänzt und reflektiert die Oberfläche in allen Farben, Microsoft ist schlichter und liegt damit im Trend.

Es ist etwas passiert, was früher unvorstellbar schien: Apples Designstil ist out, zumindest bei Software. "Bislang waren viele Designer von Apple getrieben" sagt Constanze Langer, Professorin für Visual Interface Design an der FH Potsdam . Was Apple machte, machten andere Designer nach. Jetzt gibt es einen Gegentrend: Flat Design. Ausgerechnet Apples alter Erzrivale Microsoft ist hier der Vorreiter. Windows Phone ist in vielen Belangen das Gegenstück zu iOS. Keine glänzenden 3D-Icons mit Schattenwurf und keine Oberflächen mit Lederimitat. Stattdessen wenige Farben, kaum Effekte. "Der Trend geht in Richtung Flat Design", sagt Langer. Unter anderem zeigen die neuen Wetter-Apps wie Haze oder Yahoo Wetter, wie moderne Anwendungen aussehen. Auch in modernem Webdesign zeigt sich der Umbruch. Google ist seit jeher Verfechter schlichter Designelemente.

Info: Skeuomorphismus

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Skeomorphismus ist der Ansatz, "die analoge Welt so nah wie möglich ins Digitale zu übertragen", sagt Constanze Langer. Dies soll eine Metapher erreichen. Es funktioniert über den Wiedererkennungswert: zum Beispiel ein echt aussehender Kalender mit Ledereinband.
 
Die Entwicklung beim Icondesign hat diesen Stil vorangetrieben: immer bessere Technik mit hoher Bildschirmauflösung, großem Farbraum und Rechenleistung hat zu hyperrealistischer Darstellung geführt: aus abstrakten Symbolen wurden farbenprächtige Icons mit Schatten, Glanzeffekten und 3D-Anmutung.

Info: Flat Design

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Flat Design ist die aktuelle Gegenbewegung zu Skeuomorphismus, erklärt die Design-Professorin. Keine Schatten, weniger Farben, kein 3D. Dazu "klare Flächen und eine klare Typografie". Visuelle Zurückhaltung, weil es – dank der Vernetzung und Masse an Informationen – genug Bewegung schon innerhalb der Inhalte gebe, die auf dem Bildschirm erscheinen. Vorbild ist hier ausgerechnet Konkurrent Microsoft mit seiner Oberfläche für Windows Phone. Der Trend geht aktuell klar in Richtung "Flat".

Design ist jedoch kein Selbstzweck, sondern hat eine klare Aufgabe: es soll dem Nutzer die Funktionen des Systems visuell erklären. Bei den Designrichtungen gibt es aus Sicht des Nutzers kein grundsätzliches "besser oder schlechter". Der Nutzer muss es lediglich verstehen können. Es gelten immer die gleichen Grundregeln: "Interaktionsflächen müssen gut erkennbar sein", erklärt Constanze Langer. Dazu müsste ein Designer beachten: "Was ist der Nutzungskontext, wie erfahren ist der Nutzer?"

Apple designt gerne übertrieben eindeutig und unmissverständlich.
Vergrößern Apple designt gerne übertrieben eindeutig und unmissverständlich.

Metaphern können helfen, einen Zugang zu einer virtuellen Oberfläche bekommen und intuitiv zu verstehen, was wie funktioniert. Ob Schreibtisch, Briefumschlag-Icon oder Notenschlüssel: seit jeher erklärt sich Technik uns über Analogien zu Bekanntem. "Metaphern sind immer noch wichtig" sagt die Designprofessorin, die Entwicklung gehe jedoch in Richtung etwas mehr Abstraktion.
 
Dass Apple jedoch alle seinen bisherigen Designansätze über Bord wirft, ist eher unwahrscheinlich: "Apple könnte die Imitierung von Materialität beibehalten, aber subtiler", sagt Langer. Apple liebt nachgeahmte Materialien wie bei der "Brushed-Metal"-Oberfläche in OS X 10.3. Nur ungerne lässt Apple eine Oberfläche einfach wie eine Fläche aussehen und nicht wie Metall, Glas oder Holz.

Viele Inkonsistenzen

Es deutet sich ein Umbruch bei iOS an. Erste Schritte hat Apple bereits gemacht. Beispielsweise ist die "Podcasts"-App inzwischen schlichter und weniger metaphorisch geworden. Wer genau hinschaut, findet bei iOS viele verschiedene Designs. Der Lockscreen hat einen anderen Rahmen als die Mitteilungszentrale, das Einstellungsmenü sieht seinerseits wieder vollkommen anders aus. Das kann Apple nicht gefallen.

Drei Ansichten, drei Designsprachen. Apple muss iOS einheitlicher und dezenter gestalten.
Vergrößern Drei Ansichten, drei Designsprachen. Apple muss iOS einheitlicher und dezenter gestalten.

Apple hat die grundlegende Anordnung des Systems seit dem ersten iPhone-OS nicht verändert. Diese stammt noch aus der Zeit, als es nicht einmal den App Store gab. Wer viele Apps installiert, steht irgendwann vor der Wahl, ob er viele Homebildschirme mit Icons füllt oder alles in viele Unterordner wegsortiert. Alternativen gibt es nicht.
 
An manchen Stellen wirkt iOS, als sei Apple nichts besseres eingefallen als die maximal größte Metapher zu verwenden. Eine Anwendung für Sprachmemos muss nicht wie ein einziges großes Mikrofon aussehen, damit der Nutzer versteht, dass er hier etwas hineinsprechen kann.

Alles Wichtige für iPhone-User

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Fazit

Apple muss iOS aufräumen und mit der nächsten Version einheitlicher und übersichtlicher machen. Es gibt dort aktuell etliche verschiedene Designsprachen, zu viele Gimmicks und keinen durchgängigen roten Faden. Wenn Apple dies umgesetzt bekommt, wird Apple auch wieder das Designvorbild sein, das es so viele Jahre lang war.

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