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iOS 9 auf Diät: So werden Apps schlanker

10.06.2015 | 15:28 Uhr |

Wir haben uns angesehen, wie der neue Stromsparmodus funktioniert und warum iOS 9 so viel Speicherplatz einspart.

Die vielleicht beste Nachricht der Keynote für iPad- und iPhone-Nutzer: iOS 9 sorgt für mehr Platz auf unseren Geräten! Apple hat sich einige Techniken einfallen lassen, die für weniger Speicherbedarf der Apps auf unseren iPhones und iPads sorgen.

Nur das Nötigste

Apple will mit iOS an gleich mehreren Stellen Platz schaffen und effizienter vorgehen. So sollen für das Update auf iOS 9 nur 1,9 Gigabyte freier Speicherplatz nötig sein. Statt 4,9 GB, die noch nötig waren, um auf iOS 8 zu aktualisieren. Während der Keynote wurde diese Angabe oft so interpretiert, dass die gesamte Systeminstallation von iOS 9 nur 1,9 GB Platz benötigt. Das ist nicht bestätigt, auch wenn iOS 9 möglicherweise tatsächlich deutlich schlanker wird als iOS 8.

Mit Slicing landen auf iOS-Geräten mit unterschiedlicher Speicher-Kapazität unterschiedlich große App-Varianten.
Vergrößern Mit Slicing landen auf iOS-Geräten mit unterschiedlicher Speicher-Kapazität unterschiedlich große App-Varianten.
© Apple

Stattdessen will Apple den Installationsprozess einfacher machen, so dass deutlich weniger Speicher frei sein muss, um überhaupt aktualisieren zu können. Dies will Apple dadurch erreichen, dass die Installation anders funktioniert. Bisher hat iOS (wie auch bei App-Updates) zunächst eine Installationsdatei heruntergeladen, diese dann entpackt und installiert, die Installationsdatei anschließend gelöscht. Dies hat dazu geführt, dass mindestens der doppelte Speicherplatz der eigentlichen Updategröße frei sein musste. Das Update auf iOS 9 soll dagegen eher als "Stream" heruntergeladen werden, wie Apple es nennt.

Apps werden zerstückelt

Besonders interessant in Sachen Speicherdiät: Mit iOS 9 will Apple weg von der klassischen App-Binary, die alle Dateien für alle iOS-Geräte enthält. Bisher haben App-Entwickler eine einzige Datei in den iTunes Store hochgeladen: eine von Xcode kompilierte .ipa-Datei. Diese enthielt alle Dateien und Assets, die für alle iOS-Geräte nötig sind: die Oberflächen für verschiedene iPhone- und iPad-Modelle, bei Spielen oft auch Texturen in unterschiedlichen Auflösungen und inzwischen gibt es sogar 32- und 64-Bit Versionen der App in einem. Dies alles hat in den vergangen Jahren dazu geführt, dass Apps immer größer wurden.

Dies alles will Apple in Zukunft ändern : Geräte sollen nur noch die Dateien installieren, die für dieses Gerät passen und nötig sind. Das bedeutet, ein 32-Bit-iPad lädt sich nur die Bestandteile des Pakets herunter, die dafür nötig sind und ignoriert alles weitere. "App Slicing" nennt Apple dies. Die Entwickler laden stattdessen ein Archiv in den App Store, das dort automatisch kompiliert wird. Der App Store kümmert sich darum, die passende Unterversion der App an das Gerät auszuliefern (siehe Bild oben).

Inhalte on demand: Eine App kann Dateien und App-Funktionen erst bei Bedarf herunterladen. Das hält App-Installationen klein.
Vergrößern Inhalte on demand: Eine App kann Dateien und App-Funktionen erst bei Bedarf herunterladen. Das hält App-Installationen klein.
© Apple

Level für Level laden

Dazu gibt es eine neue Technik , mit der Apps sogar noch weiter zerhäckselt werden können. Über "On-demand Ressourcen". Dies bedeutet, dass Entwickler ihre App segmentieren können. Inhalte werden erst dann aus dem App Store geladen, wenn der Nutzer sie benötigt. Dies können spätere Level in einem Spiel sein oder auch Bilder einer bisher nicht genutzten Unterkategorie in einer App. Ein weiteres Beispiel sind In-App-Käufe. Der Entwickler kann seine App so einrichten, dass die Inhalte eines In-App-Kaufes erst dann geladen werden, wenn der Nutzer diesen freischaltet.

Die On-demand-Ressourcen erlauben gleichzeitig mehr Komplexität, eine App kann potenziell mehr Inhalt bieten und dennoch ein schlanker Erstdownload bleiben. Einziger möglicher Haken: Die bei der Installation noch schlanke App wächst mit der Zeit immer mehr an und belegt mehr Speicher und benötigt immer wieder eine Internetverbindung. Nutzer werden sich an dieses Verhalten gewöhnen müssen. Dies alles funktioniert unter iOS 9 nicht automatisch, sondern der App-Entwickler muss diese entsprechenden Inhalte manuell markieren und gruppieren.

Fazit

Die neuen App-Wege, die Apple ab iOS 9 gehen will, klingen sehr viel versprechend. Updates, die nicht für Nutzer unverständlich viel freien Speicherplatz benötigen und Apps, die nicht mehr alle Ressourcen für alle Apple-Geräte enthalten, sind ein großer Fortschritt. Das lässt uns mehr von unserem teuer erkauften Speicherplatz für die Inhalte, die wir wirklich haben wollen. Auch das Herunterladen von benötigten Inhalten "On demand" klingt in der Theorie gut. Ob man damit aber nicht doch immer wieder mal vor eine virtuelle Wand läuft, weil man im Urlaub feststellt, dass beispielsweise der Großteil eines Spieles noch gar nicht installiert, muss er die Praxis zeigen.

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