1896385

iOS in the Car: "In der Warteschleife"

03.02.2014 | 16:17 Uhr |

Zahlreiche Autohersteller wollen das iPhone ins Fahrzeug integrieren. Bisher passiert dies aber nur sehr langsam.

Immer noch gibt es kein Auto auf dem Markt, das die neue Auto-Integration von iOS 7 unterstützt. Dabei ist das clever im Auto genutzte Smartphone eigentlich ein Trend bei den Herstellern, weil es die junge Zielgruppe umschmeichelt, die sich in den letzten Jahren vermehrt scheut, überhaupt Autos zu kaufen. Doch die Autofabrikanten hadern mit den vielen verschiedenen Systemen und Schnittstellen. "Die hängen alle in der Warteschleife", sagt Jörg Grabner, Professor für Fahrzeugtechnik an der Hochschule München gegenüber Macwelt.

Als virtuelle Entwicklerversion gibt es iOS in the Car bereits, nur in freier Wildbahn ist davon noch nicht zu sehen.
Vergrößern Als virtuelle Entwicklerversion gibt es iOS in the Car bereits, nur in freier Wildbahn ist davon noch nicht zu sehen.

Die Hersteller warten ab

Apple hatte iOS in the Car auf der WWDC 2013 vorstellt. Damals schon zeigte das Unternehmen ein Praxisbeispiel, bei dem der Bildschirm dem typischen Touchdisplay mit sieben Zoll Größe entspricht, den verschiedene Marken von General Motors verwenden. Mehrere Dutzend Autohersteller sollten laut Apple an der Umsetzung arbeiten. Passiert ist bislang nichts. Auf Nachfrage sagt GM-Tochter Chevrolet auf der CES gegenüber Macwelt, dass 2014 erste Autos mit iOS in the Car kommen werden. Details gibt es nicht. Doch inzwischen tauchen Screenshots und Videos von der iOS in the Car auf, die zeigen, dass die Umgebung zumindest schon bei den Entwicklern angekommen ist.

WWDC 2013: Diese Autohersteller sollen laut Apple bald Siri und iOS in the Car unterstützen.
Vergrößern WWDC 2013: Diese Autohersteller sollen laut Apple bald Siri und iOS in the Car unterstützen.

Der Markt für Automobile und deren Technik ist international sehr unterschiedlich. In den USA hätten Autofahrer durch weitläufige Straßen Automatikgetriebe und Tempomat mehr Ruhe, um mit der Bordelektronik zu spielen, so Jörg Grabner. In Deutschland sei das Fahren dagegen aktiver, hektischer und mehr Arbeit. Dazu seien die Deutschen im Vergleich etwas technikfeindlicher. Ganz anders ist die Lage dagegen in Asien. Dort müsse neue Technik zwingend sofort etabliert werden, das werde dort erwartet. Kein Wunder, dass Neuheiten wie Apples erste Version der Autointegration, die Sprachsteuerung Siri Eyes Free (seit 2012), in den USA beinahe Standard sind, in Deutschland dagegen noch die Ausnahme.

Konkurrierende Systeme

Neben iOS in the Car gibt es andere Ansätze wie Mirrorlink oder Googles neues Konsortium Open Car Alliance. Wo früher eine Freisprecheinrichtung mit dem richtigen Bluetoothprofil ausreichte, um das Handy rudimentär im Auto zu nutzen, ist die Zusammenarbeit zwischen Auto und Smartphone deutlich enger geworden. Der Bildschirm im Armaturenbrett zeigt die Navigation, die auf dem Handy läuft, spielt Medien ab, als kämen sie direkt von der Entertainmentanlage im Auto und vieles mehr.

Das Interesse der Anbieter an moderner Kommunikation ist groß, nur die Richtung noch nicht klar. Sie experimentieren mit Informationen zum Auto, die auf Smartwatches angezeigt werden oder machen gleich das Auto selbst zum "Smart Device", indem es eigene App Stores für moderne Fahrzeuge gibt, über die der Fahrer sich Funktionen nachinstallieren kann. Diese Form der Personalisierung sei vor allem für Jüngere wichtig, sagt Professor Grabner. Smartphones können jedoch auch bei den aktuell erprobten Lösungen für automatisiertes Fahren helfen. Schon mehrere Autohersteller haben Konzepte präsentiert, bei denen der Fahrer sein Auto beispielsweise per Smartphone vor der Fahrt zu sich rufen kann.

Fahrer der neuen Corvette können Info-Funktionen via Apps nachinstallieren.
Vergrößern Fahrer der neuen Corvette können Info-Funktionen via Apps nachinstallieren.

Das ist komplex und durch die verschiedenen Ansätze viel Arbeit für die Autobauer: "Die Hersteller schwimmen, sie wollen nicht auf Apple alleine setzen, aber auch nicht nur auf Google. Microsoft ist derzeit noch zu klein", so Professor Grabner. Dazu kommt, dass die Produktzyklen bei Autos ganz andere sind als bei Smartphones. Während bei letzteren eine Generation maximal ein Jahr lebt, sind Automodelle viele Jahre auf dem Markt. Wesentliche Änderungen gibt es nur anlässlich von Modellpflegemaßnahmen, die alle paar Jahre stattfinden. Da kommt die Industrie der Unterhaltungselektronik kaum hinterher.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1896385