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Bloomberg und WSJ rechnen mit 7-Zoll-iPad Mini

05.07.2012 | 09:02 Uhr |

Die Gerüchte um ein kleineres iPad zum günstigeren Preis haben neue Nahrung erhalten. Angeblich wird das iPad Mini bereits produziert.

Sowohl der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg als das im Allgemeinen gut informierte Wall Street Journal (WSJ) berichten, dass Apple in wenigen Wochen ein iPad mit 7,85-Zoll-Dildschirm und einer Auflösung von 1024 x 768 Pixel auf den Markt bringen würde. Entwickler müssten ihre Apps also nicht an eine neue Bildschirmgröße anpassen, auf dem " iPad Mini " hätten sie genau so viel Platz wie auf dem iPad und dem iPad 2. Bloomberg erwartet einen Preis von 300 US-Dollar für ein 7-Zoll-iPad mit 8 GB Speicher, Apple werde im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres - vulgo Weihnachtsgeschäft - zehn Millionen Stück davon verkaufen und im gesamten Geschäftsjahr 35 Millionen.

Ein Gerücht wird nicht wahrer, je mehr davon berichten erfahrungsgemäß ist das Wall Street Journal bestens informiert - vermutlich aufgrund der meist wohlwollenden Apple-Berichterstattung von Walt Mossberg. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Produktion des neuen "iPad Mini" bereits begonnen hat, wie es das Wall Street Journal berichtet. Displays beziehe Apple von LG und AU Optronics.

Im 7-Zoll-Segment hat sich bereits Amazon mit seinem recht erfolgreichen Kindle Fire eingerichtet, Apple hat das Tablet aus Seattle bisher eher als Zubringer neuer Kunden denn als Konkurrenz angesehen, zumindest in öffentlichen Statements. Mit dem Tablet Nexus bringt sich jedoch auch der ungeliebte Rivale ein, Apple will den Android-Tablets anscheinend den Markt doch nicht kampflos überlassen. Steve Jobs hatte 7-Zoll-tablets stets abgelehnt, sie seien ein im Markt chancenloses "Zwischending" aus Smartphone ud Tablet. Der Erfolg des von Amazon kräftig subventionierten Kindle Fire könnte seinen Nachfolger Tim Cook jedoch zum Umdenken gebracht haben.

Für wen?

Die Frage könnte also nicht mehr lauten, ob Apple ein kleineres iPad bringen wird, sondern allenfalls wann und für wen. Das Dogma von Steve Jobs, Siebenzoll-Tablets seien „Dead on Arrival“ hat Amazon mit dem Kindle Fire bereits Lügen gestraft. Apple betonte stets, das vom Internethändler hoch subventionierte Tablet würde das iPad nicht kannibalisieren, sondern ihm allenfalls neue Käufer zuführen, wenn diese auf ein „richtiges Tablet“ umsteigen wollen, doch kann man das auch als Pfeifen im Walde oder geschicktes Ablenkungsmanöver betrachten.

Das iPad hatte Apple seinerzeit als Lückenschluss zwischen Smartphone und Notebook betrachtet, in der Tat hat sich das iPad als der perfekte Zweitrechner etabliert, auf dem meist konsumiert und nur selten produziert wird. Es hat sich aber eine neue Lücke aufgetan, die zwischen Smartphone und Tablet. Während es die einen mit überdimensionierten Smartphones versuchen, die kaum noch in die Anzugtasche passe, schrumpfen die anderen das Tablet auf sieben Zoll zurecht. Der Formfaktor hat seine Reize: So hält das Lesevergnügen auf einem leichteren Siebenzöller länger an. Denn trotz aller Beteuerungen bei der Premiere des iPad vor zweieinhalb Jahren hat sich das Apple-Tablet nicht als erste Wahl für Ebooks erwiesen. Apples im Januar gestartet Offensive in Sachen Schulbüchern würde ein Siebenzoll-iPad zudem unterstützen: Je leichter und günstiger ein Gerät, desto eher findet es den Weg in den Schulranzen.

Die von Bloomberg und dem WSJ ins Spiel gebrachten 8 Gigabyte Speicher wären für den angedachten Zweck als Lesegerät für unterwegs, in Schule und Universität vollkommen ausreichend. Wer auf seinem iPad Mini zu Hause Musik und Videos genießen will, kann diese aus seiner iCloud-Mediathek beziehen. Zu guter Letzt würde sich ein kleineres iPad auch besser in Frauenhandtaschen machen als der aktuelle Zehnzöller. So könnte Apple seine Zielgrupp erweitern, ohne sich wie andere Konsumgüterhersteller plump mit rosa Blinkdingern anzubiedern, die bei der Zielgruppe ohnedies nur auf Unverständnis stoßen.

Die Zwickmühle mit der Bildschirmauflösung

Bei einem Siebenzoll-iPad ergibt sich allerdings ein technisches Problem: Würde Apple die Retina-Auflösung des iPad 3 (2048 mal 1536 Pixel, 264 dpi, Seitenverhältnis 4:3) auf ein Siebenzoll-Modell runterbrechen, müsste dieses rein rechnerisch mindestens 1440 mal 900 Pixel aufweisen (243 dpi), eher noch 1680 mal 1050 (283 dpi), weil man das kleinere iPad etwas näher an die Augen halten würde. Beide Werte wären aber komplett neue Auflösungen, die es unter iOS bislang nicht gab. Die Entwickler müssten ihre Apps anpassen und eine weitere Weiche einbauen, um die neue Auflösung nativ zu unterstützen. Besonders bei Spielen wäre das eine aufwändige Angelegenheit.
Apple würde durch eine neue Auflösung den iOS-Markt zudem weiter fragmentieren, was Steve Jobs als einen der größten Schwachpunkte beim Android-System zu Recht immer kritisiert hatte. Die scheinbare Lösung: Apple nimmt einfach ein Display mit der Pixel-Anzahl des iPad 2. Diese liegt bei 1024 mal 768 und ist damit eine bekannte Größe. Alle Apps würden ohne Modifikation ein zu eins auf dem Display dargestellt werden, gerade so wie auf einem iPad 2. Allerdings liegt die Auflösung dann nur bei mageren 183 dpi. Von Retina-Auflösung kann dann keine Rede mehr sein. Außerdem wäre es fraglich, ob die Bedienelemente, wie Icons, Buttons Textfelder etc. auf einem Siebenzoll-Bildschirm noch groß genug sind, um sie noch problemlos per Touch bedienen zu können.

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