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Surface Pro 4 tritt als iPad-Killer an

08.10.2015 | 09:33 Uhr |

Microsofts neues Tablet Surface Pro 4 ähnelt in seinen Spezifikationen dem iPad Pro. Welches Gerät die besseren Marktchancen hat.

Android-Tablets werden immer billiger, für 59 Euro bekommt man das Einstiegstablet Fire von Amazon geradezu nachgeworfen. Die Hersteller werden damit kaum noch Geld verdienen. Microsoft und Apple gehen mit dem neuen Surface Pro 4 und iPad Pro einen anderen Weg. Erst ab 900 Euro bekommt man eins der edlen Geräte, beim Surface fängt die Preisliste gar erst bei stolzen 1000 Euro an. Für diesen Betrag bekäme man eigentlich schon ein Macbook Air oder einen iMac ! Beide Geräte zielen also weniger auf Heimanwender als auf professionelle Nutzer und Unternehmenskunden. Bei Preisen wie für ein Business-Notebook von HP oder Lenovo darf man hohe Systemleistung und erstklassige Bildschirme erwarten. iPad Pro und Surface Pro 4 haben zwar viele Gemeinsamkeiten, bei näherer Betrachtung sind sie aber doch grundverschieden.

Was iPad Pro und Surface Pro 4 gemeinsam haben

Erstklassige große Bildschirme bringen beide Geräte mit: 12,3 Zoll und 2736 x 1824 Pixel sind es beim Surface Pro 4, kaum größere 12,9 Zoll bei 2732 x 2148 Pixeln bietet das iPad Pro. Knapp unter 13-Zoll ist für enge ICEs und Flugzeugkabinen wohl die passende  Bildschirmgröße. Große Excel-Dateien oder Grafiken und mehrere Fenster haben dank hoher Auflösung noch genug Platz. Für Couchsurfer sind sie mit diesen Abmessungen aber nicht nur etwas zu teuer, sondern auch etwas zu schwer. 720 Gramm wiegt das iPad Pro, das Surface bringt 786 Gramm auf die Waage. Für bequeme Bedienung am Feierabend ist das zu schwer.

Touchscreens sind komfortabel für Konsumieren und Sichten. Für Produktivarbeiter, die zehn Stunden pro Tag Daten in eine Excel-Datei hämmern wollen, genügt eine Bildschirmtastatur aber einfach nicht. Sowohl für iPad Pro als auch Surface gibt es eine passende Cover-Tastatur - die laut Herstellern so gut wie Notebook-Tastaturen sein sollen und sowohl bei Apple als auch bei Microsoft fast 200 Euro extra kosten. Für Touchscreen-Eingaben per Stift gibt es alternativ den Apple Pencil und von Microsoft einen neuen Surface Stift (65 Euro, ab November). Laut Microsoft-Manager Panos Panay sollen 53 Prozent der Surface-Nutzer ihren Stylus verwenden. Ein exklusiver Zugriffschutz sorgt für Datensicherheit, bei beiden Geräten kann man sich per Fingerabdrucksensor anmelden.

Surface Book

Microsoft hat neben dem neuen Surface Pro 4 auch sein erstes Notebook vorgestellt, das Surface Book. Dieses zielt auf das High-End-Segment und hat somit Apples Macbook Pro im Visier. Was die beiden Geräte unterscheidet, was sie gemeinsam haben und wie die Marktchancen stehen, haben unsere Kollegen der PC-Welt genauer untersucht .

Die Unterschiede der beiden Tablets

Auffallend sind die Unterschiede bei den Anschlussmöglichkeiten. Das Surface hat einen vollwertigen USB-Port, einen Micro-SD-Kartenleser und per USB-Adapter kann man eine Netzwerkschnittstelle nachrüsten. Mehrere Monitor-Adpater und ein Dock bietet Microsoft ebenfalls an. Bis zu 1 TB Speicher, 16 GB RAM und ein Core-i7-Prozessor sind verfügbar. So soll sich das Tablet mit i7-Prozessor laut Microsoft für Videoschnitt mit Adobe Premiere CC eignen und um 50 Prozent schneller sein als ein Macbook Air. Ein „hybrides Kühlsystem“ schützt vor Überhitzung, lautlos ist das Surface aber unter Last wohl nicht. 8,4 mm ist das Gehäuse dünn, noch dünner kann es durch den USB-Port nicht werden. Ein optionales Dock unterstützt beim Surface sogar 4K-Displays, selbst mit Dock wird das iPad dagegen nicht zum vollwertigen Desktop-Rechner. Der Hauptunterschied ist aber das Betriebssystem, das Surface Pro bietet ein vollwertiges Windows 10 Pro. Jedes Windows-Programm läuft auch auf dem Surface, sowohl die in Access entwickelte Firmen-Datenbank als auch das teuer entwickelt Firmen-CRM. Bei iOS geht dies nicht immer ohne Komplikationen ab. So muss selbst dieser Artikel schließlich in ein Redaktionssystem geladen werden, das nur mit Firefox kompatibel ist und per Touchscreen kaum zu bedienen ist.

Bei den ersten Surface-Geräten hatte Microsoft noch auf Windows RT gesetzt, eine eigenständige Windows-Version für ARM-CPUs war ein totaler Misserfolg, der angeblich zu Verlusten von 1,7 Milliarden führte. Mit den aktuellen Modellen ist Microsoft aber erfolgreich, wenn auch Microsofts Satya Nadella vor einem Jahr seinen Kunden noch ausdrücklich die Weiterentwicklung der Surface-Produktlinie versprechen musste.

Microsoft hinkt noch hinterher

Das vor einem Jahr eingeführte Surface Pro 3 erzielte gute Verkaufszahlen, so kaufte etwa eine Fluggesellschaft das Gerät für ihre Piloten, ebenso gehören BMW, Coca Cola und Louis Vuitton zum Kundenkreis. Im Weihnachtsquartal 2015 erzielte Microsoft mit dem Surface-Geräten einen akzeptablen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar. Mit Apples iOS-Verkäufen kann Redmond aber nicht mithalten. Im gleichen Quartal verkaufte Apple iPads im Wert von neun Milliarden und iPhones für 51 Milliarden US-Dollar. Vor allem das iPhone sollte man nicht vergessen, wird die Plattform iOS doch vom iPhone zuverlässig gestützt. Wir denken, dass deshalb eine wichtige Aufgabe des iPad Pro der weitere Ausbau der Plattform ist  - so wie sie auch die Apple Watch in eine andere Richtung verlängert.

Dass auf den Surface-Geräten ein komplexes Windows-System läuft, hat aber auch Nachteile im mobilen Alltag. So ist die Notebook-Technik von Intel teurer als Apples hochintegrierte iOS-Hardware und war bisher weniger stromsparend. Mit denen im Surface Pro 4 verwendeten Skylake-CPUs soll sich aber zumindest der Energiebedarf verbessert haben. Nach unserer Meinung hat ein vollwertiges Windows-Betriebssystem im Alltag nicht nur Vorteile. Mies programmierte Apps von Drittherstellern machen Probleme, man benötigt Antivirensoftware bzw. Sicherheits-Lösungen und es gibt Probleme mit Gerätetreibern. Aus Sicht des IT-Supports hat ein abgeschlossenen System wie iOS da einige Vorteile. So suchte etwa im Microsoft-Forum unlängst ein Anwender um Rat, wie er sein USB-Superdrive von Apple am Surface Pro zum Laufen bringt (was kein Wunder ist, da dieses Speziallaufwerk nicht einmal an allen Macs läuft).

Aber auch Apple hat sich Mühe gegeben, iOS besser für Unternehmen tauglich zu machen. Bereits iOS 8 hat die Verwaltung von Geräten vereinfacht. Was man nicht vergessen sollte: Eines der wichtigsten Argumente für das iPad Pro ist die Verfügbarkeit eines riesigen Reservoirs von Apps im App Store - darunter viele Unternehmensanwendungen. Sogar Microsoft Office-Apps sind schließlich verfügbar, wenn auch nicht alle Programme der Windows-Version von Office. Offensichtlich sieht sich Microsoft immer noch vorrangig als Software-Hersteller - der weder auf die Einnahmen der iPad-Nutzer noch Umsätze der wichtigsten Mobil-Plattform verzichten will.

Wir bezweifeln, dass iPad Pro und Surface sich im Unternehmensgeschäft die Kunden streitig machen  - künftige Umsatzeinbußen könnten wohl eher zu Lasten herkömmlicher Notebook-Hersteller wie Dell und HP gehen.

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