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Von Panagiotis Kolokythas, Maximilian Gaub - 24.08.2010, 09:33

iPad verspeist Netbook

Tablet-Alternativen zum iPad

Drei Millionen verkaufter Geräte in 80 Tagen: Apple hat mit dem iPad den Grundstein für einen neuen Markt gelegt. Welche Konkurrenten wie reagieren - und welche Unternehmen unter dem iPad leiden.
Es gibt Propheten, deren Visionen überholen sich manchmal selbst. 2003 zum Beispiel orakelt der Messias der Computerbranche: „Tablets werden scheitern.“ Apple-Boss Steve Jobs war das. Die Prognose war damals nicht aus Luft gegriffen: Marktanalysten notierten Talfahrt um Talfahrt der Flachbildschirme mit integriertem Computer. Kaum jemand wollte auf einem Screen mit einem Stiftchen navigieren.
Marktmotor iPad: von null auf sechs Prozent in vier Monaten
Sieben Jahre später veröffentlicht Apple einen Tablet-PC: das iPad – ohne Stift und mit gigantischem Erfolg: Apple schafft mit dem Gerät einen neuen Markt. Bis Ende August 2010 verkauft das Unternehmen weltweit fast 3,5 Millionen Geräte. Das iPad nimmt damit im zweiten Quartal des Jahres bereits sechs Prozent der gesamten mobilen Computerbranche ein. Mit deutlich steigender Tendenz: Analysten rechnen mit über sechs Millionen verkauften Exemplaren bis Ende des Jahres.
Fast 13 Millionen Stück wird der Tablet-PC-Markt dann insgesamt groß sein, schätzen Marktbeobachter. Fast jedes zweite Gerät also hätte ein Apfel-Logo. Eine Zahl, die als untere Grenze gelten darf: Andere Analysten erwarten, dass Apples Anteil am Tablet-Markt Ende 2010 bei 85 Prozent liegen wird. In jedem Fall bleibt das Unternehmen aus Cupertino noch eine Weile dominant. „Apple wird seinen Vorsprung bis mindestens Ende 2011 halten“, schreiben die Analysten von Canalys, die das Wachstum des Marktes auf 66 Millionen Geräte bis zum Jahr 2014 taxieren. Und prophezeien, dass 2012 mehr Tablets als Netbooks verkauft werden.
Folge: Einige dutzend Anbieter werden auf den Tablet-Zug aufspringen
Denn die Tablet-Konkurrenz wacht auf und beginnt zu reagieren. Microsofts Chef Steve Ballmer zum Beispiel kündigte im Juli an, "mit donnernden Kanonen zu kommen" - ohne konkret zu werden. Samsungs Galaxy Tab wird wohl auf der IFA enthüllt, LG soll an einem Pad arbeiten und die eher unbekannte Firma E-noa veröffentlicht im Herbst das Interpad.

Manche sind also bereits auf dem Markt oder werden bis zum Frühjahr 2011 in den Boommarkt einsteigen (Wer, wann, mit was? Siehe Galerie). Und das manchmal aus purer Not heraus. Denn viele haben nun ein Problem mit Apples Erfolg: Ihre alteingesessenen Produkte bleiben in den Regalen. Hersteller von Laptops und Netbooks melden Einbrüche ihrer Verkäufe. Hewlett-Packard zum Beispiel. Das Unternehmen gibt jüngst bekannt, dass die Verkäufe seiner Notebooks abnehmen – trotz der traditionell starken Verkaufszeit vor dem Start eines neuen Schuljahrs. Schuld sei das iPad.
Attacke auf Apple:Welches Unternehmen wann mit welchem Gerät kontern will
Beispiel Asus: Weniger Netbooks, mehr Pads
Ähnliches berichtet Asus. Der Hersteller der Eee-Netbooks will im dritten Quartal 2010 weniger Kleinstrechner auf den Markt bringen – die Geschäftsführung fürchtet Einbrüche aufgrund Apples Tablet. Stattdessen wird Asus wohl einer der Hersteller, die bis zum Frühjahr 2011 einen eigenen Flachbildschirmcomputer mit Fingersteuerung veröffentlichen – mit Funktionen, die Kritiker beim iPad vermissen. Darunter: integrierte Webcam, USB-Anschlüsse und die Fähigkeit Flash darzustellen.
Apples Reaktion: Update und neue Modelle
Aber Apple ist hellwach. Steve Jobs hat,für den Herbst Version vier des iPad-Betriebssystems angekündigt. Insider vermuten, dass das Gerät dann mehrere Programme gleichzeitig laufen lassen kann, zudem eine Ordnerfunktion für die Applikationen kommen soll. Experten spekulieren zudem über das Erscheinen eines iPad deluxe im kommenden Jahr – dann wohl mit Kamera. Zudem soll Apple eine Miniaturfassung auf den Markt bringen. Jobs' Prophezeiung aus dem Jahr 2003 könnte demnach doch stimmen: Tablets werden scheitern – solange sie nicht von Apple sind.
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