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iPhone 3G, Mobile Me: Apples Chaos-Wochenende

14.07.2008 | 16:51 Uhr |

Dieses Wochenende wird den Technikern bei Apple sicherlich noch länger im Gedächtnis bleiben. Der Start von iPhone 3G, App Store und Mobile Me verlief alles andere als reibungslos.

iPhone 3G
Vergrößern iPhone 3G
© Apple

Abgeschmierte Server, wütende Kunden: An diesem Wochenende hat Apple sich selbst seine Grenzen aufgezeigt. Steve Jobs wollte alles auf einmal: Ein neues iPhone, neue Software für die ersten iPhones, einen passenden Software-Store und einen neuen Webdienst. Millionen von Downloads, Millionen Aktivierungen und eine gigantische Umstellung von Infrastruktur. In der Praxis hat kaum etwas so geklappt wie geplant. Die Server, die Packesel dieser gigantischen Expedition, hielten nicht durch, die Planung des Wochenendes brach mitsamt der eines großen Teils von Apples Web-Infrastruktur wie ein Kartenhaus zusammen.

Zu hohe Vorsätze

Apple hatte sich viel vorgenommen: Aus .Mac wurde Mobile Me , iPhone und iPod Touch wurden 2.0 und gleichzeitig kam das iPhone 3G auf den Markt. Nebenbei wurde auch noch der App Store eröffnet. Offenbar ein zu kühner Plan, denn Apple hat sich dabei offenbar verschätzt. Schon am Donerstagmorgen ist soll der Übergang von .Mac zu Mobile Me innerhalb von drei Stunden über die Bühne gehen. Es dauert jedoch knapp zwei Tage bis der neue Dienst einigermaßen rund läuft. Die meiste Zeit werden Nutzer auf die Informationsseite zu Mobile Me umgeleitet. Nur selten kann man sich einloggen - nur um dann kurze Zeit später wieder vom Server geworfen zu werden. Einige Nutzer erhalten ein Update für Mobile Me - für das es am Tag darauf gleich wieder ein Update gibt - andere hingegen bis heute nicht. Die Einführung des App Stores im Laufe des Donnerstags verläuft dagegen deutlich reibungsloser - auch wenn es noch keine Endgeräte gibt, die die Programme nutzen können.

Am Freitagvormittag sieht alles zunächst ruhiger aus. Die ersten Kunden stürmen die Geschäfte , kaufen das neue iPhone 3G . Von der neuen Software 2.0 für die erste Generation des iPhones sowie den iPod Touch ist jedoch noch nichts zu sehen. Es dauert bis in den Nachmittag, bis das Chaos losbricht. Die Server sind überlastet. Hunderttausende Neukunden wollen ihr gerade gekauftes iPhone aktivieren, doch die Aktivierungsrechner am anderen Ende der Leitung bleiben stumm. Tausende warten darauf, ihr neues Elektrospielzeug endlich in Betrieb nehmen zu können.

Totalausfall

Das Update auf die Version 2.0 zeigt sich am Nachmittag erstmals. Doch dies führt nur dazu, dass die Rechner-Infrastruktur endgültig den Geist aufgibt. Tausende Nutzer laden das rund 220 MB große Update gleichzeitig. Zudem müssen auch sie ihr iPhone nach der Installation neu aktivieren - zusätzliche Last für die ächzenden Server. Kurze Zeit später geht nichts mehr. Keine Updates, keine Aktivierungen. dafür wechselnde Fehlermeldungen. Freitagnachmittag haben deshalb etliche Nutzer ihr funktionierendes iPhone temporär in einen iBrick verwandelt. Das Update ist installiert, sie können es aber nicht mehr nutzen, bis die Aktivierungsserver wieder funktionieren. Und das an einem Werktag. In den USA beginnt der Arbeitstag zu dieser Zeit erst langsam.

Sogar die Apple Discussions, das offizielle Supportforum Apples, werden vom Netz genommen. In Foren rund um den Globus veröffentlichen Nutzer minütlich den aktuellen Stand, auch wenn sich über Stunden nichts ändert. Erst am Samstag entspannt sich die Lage wieder. iTunes kann jetzt wieder Updates liefern und iPhones aktivieren. Mobile Me hat den schlimmsten Schluckauf ebenfalls hinter sich und funktionert - wenn auch mit gelegentlichem Protest in Form von Fehlermeldungen.

Ein Lehrstück für Apples Übermut

Es war ein hartes, aber sicher lehrreiches Wochenende für Apple. Überrannt vom eigenen Übermut und vom eigenen Erfolg: rund eine Million iPhones sollen beim Verkaufsstart über die Ladentheken gegangen sein. Mit dem Start in die neue Woche hat sich die Lage entspannt. Die Updates und Aktivierungen funktionieren mittlerweile. Mobile Me hakt ab und an noch an einigen Stellen. So dauert es einige Minuten, bis Änderungen vom Rechner auf anderen Geräten sichtbar sind. Der verzögerungsfreie Push-Dienst läuft noch nicht wie versprochen.

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