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So unterscheidet sich das iPhone 7 vom iPhone 6S

13.09.2016 | 15:24 Uhr |

Im Vorfeld wurde viel um das neue iPhone 7 spekuliert - seit vergangenem Mittwoch gibt es nun endlich Gewissheit. Revolutionäre Neuerungen gibt es nicht viele, dennoch hat Apple im neuesten Smartphone einige Veränderungen vorgenommen.

Vor fünf Tagen verfolgten Millionen Menschen die Keynote des neuen iPhone 7 (Plus) . Seither musste das Unternehmen viel Kritik einstecken: das neue Smartphone sei zu teuer, es unterscheide sich optisch nur minimal vom Vorgänger und natürlich - wie konnte es Apple nur wagen - es fehlt der traditionelle 3,5mm-Klinkeneingang. Laut des Wirtschaftsmagazins Forbes wird sich das iPhone 7 aber aller Voraussicht nach deutlich besser verkaufen als sein unmittelbarer Vorgänger - in den letzten beiden Quartalen musste Apple erstmals rückläufige Verkäufe berichten. Für wen lohnt sich aber der Sprung auf die nächste Generation überhaupt? Und woran erkennt man auf den ersten Blick, ob es sich um ein neues iPhone handelt, mit dem das Gegenüber hantiert? Ein Vergleich der Generationen.

Design und Größe: Neuer Wein in alten Schläuchen?

Für gewöhnlich konnte man die neuen iPhone-Generationen stets an ihrem Design unterscheiden, zumindest dann, wenn Apple die Nummer erhöhte und nicht einfach ein "S" hinter die Zahl setzte. Während das iPhone 3G und 3GS noch etwas runder waren, verpasste Apple dem iPhone 4 ein kantiges, gläsernes Aussehen. Auch das iPhone 5 ließ sich leicht vom iPhone 4S unterscheiden: Der Bildschirm wurde länglicher, dessen Diagonale maß 4 Zoll anstatt zuvor 3,5 Zoll. Genauso leicht ist das iPhone 6 von iPhone 5S zu unterscheiden, den Screen vergrößerte Apple auf 4,7 Zoll und brachte sogar noch ein größeres Plus-Modell mit 5,5 Zoll Diagonale.

Beim iPhone 7 (Plus) muss man nun etwas genauer hinschauen, um es vom iPhone 6S (Plus) unterscheiden zu können. Dennoch ist die Befürchtung in den langen Monaten der Gerüchte und Kolportagen, dass Apple das neue iPhone quasi ununterscheidbar zum Vorgänger macht, nicht eingetreten. Wie auch beim Fall des iPhone 6S bringt Apple immerhin neue Farbe ins Spiel. Identifiziert man ein rosegoldenes iPhone der sechsten Generation sofort als 6S, würde nun das Schwarz oder gar Diamantschwarz ein deutliches Distinktionsmerkmal ergeben: Das Space Gray der Vorgängergeneration war bei weitem nicht so dunkel. Bleiben aber die Varianten in Gold, Silber und Roségold, die zumindest aus der Entfernung nur schlecht als neu zu erkennen sein dürften.

Auffällige Merkmale und deren Folgen

Beim iPhone 7 Plus tut man sich leichter: Die Dualkamera an der Rückseite ist auffällig genug für die Identifizierung. Etwas weniger auffällig hat sich beim iPhone 7 das äußerliche Erscheinungsbild der Kamera geändert. Beiden Modellen gleich ist der nicht mehr vorhandene 3,5-mm-Klinkenausgang. Doch fällt der Blick nicht sofort auf die Unterseite des iPhone, vor allem dann, wenn es gerade in Gebrauch ist. Womöglich erkennt man aber aus der Ferne, ob da ein etwas dickerer Kopfhörerstecker genau in der Mitte oder nicht seitlich versetzt in das Telefon eingestöpselt ist. Der Lightning-auf-Klinke-Adapter sollte aber auf alle Fälle ins Auge fallen.

Hat man das Telefon selbst in der Hand, ist die größte sichtbare Veränderung aber tatsächlich die fehlende Audiobuchse. Bereits im Vorhinein wurde darüber spekuliert, ob Apple diesen Schritt wagen würde. Und tatsächlich: auf der Keynote stellte Phil Schiller das neue iPhone ohne Klinkeneingang vor. Apple begründet dies mit einer Platzersparnis, die vor allem der Taptic Engine, der Kamera und dem Akku zu Gute kommen.  Das Geschrei über die Nachteile war indes groß. Man könne nicht mehr sein Handy aufladen und gleichzeitig Musik über die mitgelieferten Kopfhörer hören, weil diese per Lightning-Kabel ans Smartphone angeschlossen werden müssen, merkten Kritiker an.

Was ein klassischer Fall von: „Wenn es keine Probleme gibt, dann mache ich mir selber welche“ sein dürfte. In wie vielen Fällen wurde denn in der Vergangenheit das iPhone aufgeladen und gleichzeitig über den Klinkeneingang Musik gehört? Leider gibt es dazu keine empirischen Studien, aus eigenen Erfahrungen halten wir die Fallzahlen für einstellig – über die gesamte Nutzungsdauer eines iPhone.

Zudem kommt Apple den Kritikern entgegen und hat eine Lösung für Nutzer parat, die sich an ihrem Kopfhörer derart begeistern, dass sie keinen neuen wollen. Lightning-Kopfhörer gibt es bisher zwar nur in überschaubaren Stückzahlen, Apple liefert ein Exemplar mit. Dafür gibt es auf dem Markt jede Menge taugliche Bluetooth-Kopfhörer . Wer aber nicht drahtlos Musik hören möchte, kann den beigelegten Adapter nutzen, um mit seine präferierten Kopfhörer Musik zu hören.

Fast identische Maße

Nichtsdestotrotz ist es unbestreitbar, dass das iPhone 7 (Plus) von seinem Design her sehr seinem Vorgänger ähnelt. Dies wird noch deutlicher, wenn man beispielsweise deren Abmessungen miteinander vergleicht:

  • iPhone 7 – 138.3 x 67.1 x 7.1 mm, Gewicht: 138 g

  • iPhone 6S – 138.3 x 67.1 x 7.1 mm, Gewicht: 143 g

Das iPhone 7 (Plus) bietet jedoch ein Feature, welches seine Vorgänger in der Form noch nicht besaßen. Zwar war schon das iPhone 6S (Plus) deutlich wasserabweisender gegenüber früheren iPhone-Modellen, die neuste Generation ist jedoch in Maßen wasserdicht und staubresistent. Somit kann das iPhone 7 (Plus) bis zu 30 Minuten unter Wasser überstehen, ohne einen Schaden davon zu tragen. Als Unterwasserkamera beim Schnorcheln taugt das iPhone freilich nicht, aber ungewollte Tauchgänge im Uferbereich des Badesees, ins Waschbecken, die Badewanne oder die Toilette wird das Telefon unbeschadet überstehen. Wasserschäden sind aber auch weiterhin nicht von der Garantie abgedeckt, ein einmal in den Matsch oder das Wasser gefallene iPhone 7 (Plus) sollte man aber einige Stunden lang trocknen lassen, bevor man es wieder an das Netzteil anschließt. Die verbleibende Lightningbuchse braucht ein wenig Zeit um zu trocknen. Wenn Ihnen also ein iPhone kurz ins Wasser fällt, sollten sie erst nachsehen, ob es eine Kopfhörerbuchse an der Unterseite hat und erst dann in Panik ausbrechen, wenn Sie eine entdecken...

Wenig offensichtlich, dafür aber deutlich spürbar ist eine weitere Innovation: Apple hat in der 7er-Serie den Home-Button überarbeitet, dieser besitzt nun eine Touch-sensitive Oberfläche und gibt haptisches Feedback. Wie weiter oben erwähnt: Die fehlende Klinkenbuchse lässt der Taptic Engine mehr Platz und damit Möglichkeiten. Der Verzicht auf die Mechanik des Druckknopf mag dazu führen, dass weniger Probleme mit dem Home-Button auftauchen und App-Entwickler mit diesem Feature neue Möglichkeiten der Bedienung entwickeln können. Zudem entfällt eine weitere Stelle, an der potentiell Wasser eindringen könnte.

Ein weiteres Merkmal, für Leute, die genau hinschauen: Die Antennen-Bänder, die im iPhone 6S (Plus) noch auf der Rückseite des iPhone zu finden sind, verschieben sich jeweils ein Stück weiter nach oben und unten, das gesamte iPhone wirkt in der Formensprache etwas stimmiger.

Nur im Betrieb zu erkennen: Wenige Veränderungen im Display

Das Display hat sich nicht viel verändert.
Vergrößern Das Display hat sich nicht viel verändert.
© Apple

2010 revolutionierte Apple die Smartphone-Industrie mit der Einführung des Retina Displays auf dem iPhone 4. Auch wenn die Konkurrenz seitdem 1080p, 2K und sogar 4K-OLED Displays entwickelt hat, bleibt Apple seinen Grundsätzen treu, hier die Daten der Screens im Vergleich:

  •         iPhone 7 – 4.7-Zoll  LED-backlit IPS LCD, 1334 x 750 pixel (326 ppi), 65.6% Screen-to-Body-Ratio

  •         iPhone 6S – 4.7-Zoll LED-backlit IPS LCD, 1334 x 750 pixel (326 ppi), 65.6% Screen-to-Body-Ratio

Apple hat aber nach eigenen Angaben die Helligkeit des iPhone 7 (Plus) um bis zu 25 Prozent erhöhen können, das wird man aber vor allem dann merken, wenn man zwei Modelle unterschiedlicher Generationen vor sich liegen hat.

Erste Benchmarks: Die Leistung stimmt

Das iPhone 7 ist dank des A10 Fusion Chips sehr leistungsstark.
Vergrößern Das iPhone 7 ist dank des A10 Fusion Chips sehr leistungsstark.
© Apple

Während wir bei der Macwelt noch auf unser Testgerät warten müssen, tauchen erste Benchmarks auf. Apple hat messbar die Leistung gesteigert, der Prozessor A10 Fusion macht es möglich. Schon das 2015 erschienene iPhone 6S ist nach den handelsüblichen Messungen schneller als so manches Android-Modell aus dem Jahr 2016. Und dennoch toppt das iPhone 7 (Plus) dessen Werte:

  •         iPhone 7 – Apple A10 Fusion: Quad Core CPU, Six Core GPU, 2GB RAM

  •         iPhone 6S – Apple A9, CPU: Dual-core 1.84 GHz Twister; GPU: PowerVR GT7600, 2GB RAM

Im Vergleich zum iPhone 6S soll der Vierkern-Prozessor im iPhone 7 eine Leistungssteigerung von bis zu 50 Prozent bewirken. Ein RAM-Upgrade hat Apple nicht vorgenommen, allerdings scheint es derzeit für iOS auch nicht sonderlich notwendig zu sein.

Stark verbesserte Kamera

Die Kamera im iPhone 7 Plus ist die beste, die Apple bisher gebaut hat.
Vergrößern Die Kamera im iPhone 7 Plus ist die beste, die Apple bisher gebaut hat.
© Apple

Endlich ein optischer Zoom ohne aufsteckbares Zubehör: Besonders die neue Kamera im iPhone 7 Plus hebt das Fotografieren auf ein ganz neues Level. Doch auch die Kamera des iPhone 7 schneidet im Vergleich zu der des iPhone 6S besser ab, sieht man sich die technischen Daten an.

  • iPhone 7 : 12 Megapixel Sensor, f/1.8 Blende, Autofokus mit Focus Pixels, optische Bildstabilisierung, 4fach-LED True Tone Flash, 4K Videoaufnahme mit 30 fps. Facetime-Kamera: 7 Megapixel Fotos, 1080p HD Videoaufnahme, Retina Flash, ƒ/2.2 Blende

  • iPhone 6S : 12 Megapixel Kamera, ƒ/2.2 Blende, Autofokus mit Focus Pixels, Optische Bildstabilisierung (nur iPhone 6s Plus), True Tone Flash, 4K Videoaufnahme mit 30 fps. Facetime-Kamera: 5 Megapixel Fotos, 720p HD Videoaufnahme, Retina Flash, ƒ/2.2 Blende

Dank der optischen Bildstabilisierung und dem neuen LED-Flash sollte nun auch das Fotografieren in dunkleren Lichtverhältnissen gut möglich sein. Die größere Blendenöffnung f/1.8 bringt mehr Licht auf den Sensor, Fotos sollen annähernd DSLR-Qualität bekommen. Wir werden in unseren Tests besonders auf die Kamera und ihre Versprechen eingehen. Der optische Zoom ist zwar nur zweifach, doch verspricht der digitale Zoom eine bis zu zehnfache Vergrößerung. Auf die Ergebnisse sind nicht nur wir gespannt.

Der Akku hält länger

Die Batterie wurde minimal verbessert.
Vergrößern Die Batterie wurde minimal verbessert.
© Apple

Nicht nur die Taptic Engine hat dank der fehlenden Kopfhörerbuchse ("Ein Loch, voll mit Luft", sagte Apples Craig Federighi) in den 7ern mehr Platz, auch den Akku konnte Apple vergrößern, wenn auch nur minimal, was dessen Ausmaße und Ladung betrifft. Dennoch verspricht Apple bis zu einer Stunde längere Betriebszeiten, wir werden das genau überprüfen.

Auf induktives und damit drahtloses Laden hat Apple (noch) verzichtet, die optional erhältlichen AirPods zeigen aber, dass sich Apple mit dieser Technik beschäftigt. Die Generation mit der 8 im Namen könnte den Durchbruch bringen. Vorteil der Methode: Man legt das iPhone über Nacht einfach auf eine mit einer Steckdose verbundenen Matte ab und hat bis zum Morgen aufgetankt. Nachteil der Methode: Man wird auch große Teile der Nacht brauchen, um den Akku voll zu bekommen. Drahtloses Laden kann das über Lightning-Kabel nicht ersetzen, allenfalls ergänzen.

Speicherkapazität und Preise

Was an Akkulaufzeit fehlt, gleicht Apple durch die Speicherkapazität wieder aus: Das iPhone 7 gibt es mit einer Kapazität von 32 GB (759 Euro), 128 GB (869 Euro) oder 256 GB (979 Euro). Das iPhone 6S bietet Apple nur noch mit 32 GB (649 Euro) und 128 GB (759 Euro) an.

Das iPhone 7 Plus gibt es ebenfalls in den Größen 32 GB (899 Euro), 128 GB (1.009 Euro) und 256 GB (1119 Euro). Auch beim iPhone 6S Plus beschränkt sich Apple bei dem Angebot  auf die Modelle mit 32 GB (759 Euro) und 128 GB (869 Euro)-Modell.

Wer sich unbedingt mit 16 GB quälen will, muss zum iPhone SE greifen.

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