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Reich werden im App Store

09.03.2009 | 10:29 Uhr |

Mit über 500 Millionen Downloads ist der App Store für iPhone und iPod Touch längst auch eine gigantische Geldmaschine. Wer hier mitmachen will, sollte Mac-Programmierkenntnisse und Ideen mitbringen

Es ist die klassische Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte: Chaum Nyong, der siebenjährige Sohn einer mittellosen koreanischen Einwandererfamilie, der schon im dritten Lebensjahr auf dem Schoß des Vaters den PC bediente, entdeckt das iPhone, schreibt seine erste Applikation, stellt sie in den App Store, wo sie niemand beachtet, bis plötzlich über Nacht jemand sie dort entdeckt, eine positive Rezension schreibt, andere auf sie hinweist, bis sie eine Woche später auf den Hitlisten ganz oben steht. Dort hält sie sich mehrere Wochen, der nun steinreiche Junge wird von der Presse entdeckt, seine Eltern geben Interviews im Fernsehen und erzählen, wie großartig es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zugeht. Das Beste dran: Die Geschichte ist - fast - wahr.

Mehr Erfolg im App Store

Damit man in Apples App Store unter der Masse hervorsticht, sollte man ein paar Regeln beachten. Oft zählt das "Drumherum" nämlich mehr als die eigentliche Applikation.

Apples Softwarestore für iPhone und iPod Touch hat eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt: Über 20 000 Programme haben freie Entwickler innerhalb weniger Monate programmiert und in den App Store eingestellt. Über eine halbe Milliarde Mal haben Anwender sich bislang dort eine App heruntergeladen. Doch der Erfolg hat auch einen Preis: In der schieren Masse an Programmen ist es schwierig, überhaupt noch aufzufallen. Selbst wenn es gelingt, eine Software zu entwickeln, die alle anderen in den Schatten stellt - wie macht man dies den Anwendern klar?

Gute Beschreibungstexte

Regel Nummer 1 Verwenden Sie Sorgfalt beim Erstellen der Beschreibung. Nicht zu lang, nicht zu knapp und in richtigem Deutsch sollte sie schon sein. Wer in mehreren Sprachen entwickelt, sollte in den jeweiligen Landessprachen auch seine Beschreibungstexte einstellen. Aussagefähige Bilder dürfen ebenfalls nicht fehlen.Da der App Store nur wenig Platz bietet, die eigene Applikation ins rechte Licht zu rücken, sollte man zusätzlich eine Internet-Seite mit mehr Informationen erstellen. Diese verlinkt man mit seiner Store-Seite. Auf der eigenen Seite kann man neben Bildern und Beschreibungen auch noch erklärende Filme einstellen. Alles, was dazu beiträgt, dass der Anwender die Applikation versteht, hilft.

Hilft garantiert: eine Gratisversion

Regel Nummer 2 Wenn Sie eine kostenpflichtige Software anbieten, sollten Sie eine zweite Variante gratis einstellen. Im App Store gibt es keine Möglichkeit, Demos zu verteilen. Deshalb ist der einzige Weg, dass Anwender Ihr Programm vor dem Kauf ausprobieren, eine kostenlose Version. Die sollte nicht alle Funktionen enthalten. Bei Spielen kann man die Anzahl der Level beschränken, bei anderen Programmen die Zahl der Funktionen. Da Gratissoftware häufiger geladen wird, sollte man nicht vergessen, mit der Gratis- auf die Vollversion hinzuweisen.

Webmarketing

Regel Nummer 3 Je nachdem, wie es mit dem eigenen Budget bestellt ist, sollte man zusätzliche Maßnahmen zur Popularitätssteigerung durchführen. Die wenigsten dürften die Mittel haben, große Agenturen mit Kampagnen zu beauftragen (obwohl sich auch das schnell auszahlen kann, wenn es die App erfolgreich macht). Wer die Web-2.0-Klaviatur beherrscht, kann sich über die einschlägigen Community-Sites bekannt machen (Flickr, Facebook und Co. sind Pflicht). Zudem sollte man sich Pressematerial zusammenstellen: Ein Anschreiben mit kurzer Beschreibung und Bildmaterial sowie ein Freischalt-Code im App Store reichen aus. Dies kann man an die Verantwortlichen solcher Websites schicken, die sich für die eigene App interessieren könnten. Die "New York Times" und den "Spiegel" kann man sich hier meist sparen, bei kleineren Seiten mit klarerem Fokus sollte man es aber ruhig probieren. Eine Mail ist schnell verschickt - und wer weiß, vielleicht schafft man es, das Interesse der Website-Betreiber zu wecken.

Teller waschen im App Store In Wirklichkeit heißt der Junge Lim Ding Wen, ist neun Jahre alt und lebt in Singapur. Seine Geschichte verbreitete Anfang Februar die Nachrichtenagentur Reuters und versüßte sie noch mit dem Zusatz, eigentlich habe Lim das Fingermalprogramm Doodle Kids für seine beiden kleinen Schwestern geschrieben. Nur einen kleinen Haken hat die Sache: Zwar verzeichnete Lim über 4000 Downloads in den ersten zwei Wochen, reich wird er, wie es vielfach dargestellt wurde, durch die Sache aber nicht. Doodle Kids ist nämlich kostenlos im App Store zu haben.

20 000 Dollar - am Tag

Doch auch wenn Lim Ding Wen noch etwas auf seinen kommmerziellen Durchbruch warten muss - andere können mehr als achtbare Erfolge vorweisen. 10 000 Downloads verzeichnete das Spiel iShoot pro Tag, als es in den Top-Listen stand - und das zu einem Preis von drei Dollar. Längst ist der App Store, der Anfang des Jahres die Marke von 500 Millionen Downloads überschritt, eine gigantische Geldmaschine. Selbst mit Apps, die nur 79 Cent kosten, lässt sich eine Menge Geld verdienen - die Masse machts. Bleibt die Frage, wie man selbst daran partizipieren kann.

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