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iPhone-Designer sagt vor Gericht aus

07.04.2014 | 08:16 Uhr |

Greg Christie, Entwickler und Vize-Präsident bei Apple, beschreibt im Patent-Gerichtsprozess gegen Samsung die Entwicklung des iPhones von ersten Ideen bis hin zur Vorstellung in 2007.

Greg Christie, Vize-Präsident bei Apple, war beim iPhone von Anfang an dabei. Er ist einer der Entwickler, die auf dem Apple-Patent für die Entsperrung des iPhones durch Streichen gelistet sind, und genau deswegen wurde er jetzt im Patentstreit um diese Funktion des iPhones gegen Samsung zur Aussage vor Gericht vorgeladen.

Christie nutzte die Gelegenheit, einen kompletten Abriss der iPhone-Geschichte vorzustellen und gab Einblick in die Entwicklungsgeschichte, die sich größtenteils in fensterlosen Sicherheitsräumen auf dem Apple-Campus in Cupertino abspielte.

Die Geburt des iPhone -Projektes war für Christie der Tag, an dem Steve Forstall in sein Office kam, die Tür schloss und Christie fragte, ob er an der Entwicklung eines Handys teilnehmen will. Forstall war damals Leiter von einigen Mac-OS X-Design-Projekten. Christie war sofort enthusiastisch und Forstall weihte ihn umgehend in einige grundlegenden Design-Elemente ein, wie der Einsatz von Touchscreen-Technologie und ein für ein Handy ungewöhnlich großer Bildschirm. Das Projekt startete für Christie mit sofortiger Wirkung und innerhalb der nächsten Monate entwickelte sein Team Ideen für Komponenten der iPhone-Software, die alle zwei Wochen dem OS-X-Design-Team vorgestellt wurden.

Über die nächsten Monate wurde die Sicherheit um das iPhone-Projekt kontinuierlich verschärft, der gesamte Korridor für Angestellte außerhalb des Teams abgeriegelt, und ein abhörsicherer Konferenzraum mit speziellem Zugangscode und ohne Fenster für die Treffen zur Verfügung gestellt.

Christie erinnert sich, dass die ersten Monate reibungslos verliefen, aber der Druck auf das Projekt nach der Macworld-Konferenz im Januar 2005 enorm anstieg. Steve Jobs zeigte sich über den langsamen Fortschritt des Projektes frustriert und stellte Christie ein Ultimatum: Bis zum nächsten Meeting mit dem Mas-OS-Design-Team soll Christies Team eine überzeugende Demo zusammenstellen, wie die bisher vorgestellten Ideen zusammenarbeiten, oder das Projekt wird an ein anderes Apple-Team weitergereicht.

Christie beschrieb vor Gericht die eigene Frustration. Er war überzeugt, dass sein Team Beachtliches geleistet hat und wollte keinesfalls das Projekt verlieren. In den folgenden zwei Wochen haben alle Teammitglieder fast pausenlos an der Demo gearbeitet und sie Jobs dann vorgestellt. Der erste Entwurf war ein Mac Pro für die Softwaresimulation mit einem kleinen Touch angeschlossen, um Jobs einen ersten echten Vorgeschmack zu liefern, was innerhalb der nächsten zwei Jahre das iPhone werden sollte.

Es war ein voller Erfolg. Jobs zeigte sich begeistert und lobte das Team. Die folgenden beiden Jahre waren für alle Projekt-Mitarbeiter gleichzeitig aufregend und erschöpfend, beschreibt Christie. Von Beginn 2005 bis zur Vorstellung des iPhones im Juni 2007 arbeiteten alle Team-Mitglieder fast ununterbrochen und alle mussten jederzeit darauf vorbereitet sein, über den aktuellen Projektstand zu berichten. Die Sicherheitsmaßnahmen um das iPhone wurden kontinuierlich auf weitere Apple-Teams ausgeweitet, sobald diese Komponenten für das iPhone entwickelten.

Am Tag der Vorstellung des iPhones saß Christie im Macworld Expo 2007 -Publikum in San Francisco. Zu dem Zeitpunkt lief die Gerüchteküche um das iPhone bereits seit Monaten auf Hochtouren und Christie und sein Team waren total angespannt, ob die Kunden das iPhone mit Begeisterung aufnehmen werden oder nicht.

Er hätte sich nicht so viele Sorgen machen müssen: Das iPhone war ein sofortiger Erfolg . Sobald es im Handel verfügbar war, bildeten sich vor fast jedem AT&T-Laden Warteschlangen, die oft mehrere Häuserblöcke weit reichten. Das iPhone-Team hat diesen Tag ausgiebig gefeiert, von Champagner im Büro bis hin zu einem Ausflug zu einigen AT&T-Läden um die Kunden zu sehen, die alle "ihr" iPhone wollten. Christie beschreibt das Gefühl des unglaublichen Erfolges; alle Teammitarbeiter schätzen, dass sich ihr riesiger Arbeitsaufwand echt gelohnt hatte.

Christie begann seine Karriere bei Apple im Jahr 1996. Einigen Vorstandsmitglieder von Apple fiel er als Entwickler auf, als er Software für Apples Newton Messagepad veröffentlichte. Nach einigen Zeitverträgen mit Apple wurde er schließlich dauerhaft als Angestellter übernommen. Programmieren lernte er bereits mit acht Jahren, als das Dartmouth-College in Hanover im US-Staat New Hampshire ihm Zugang zu ihrem Mainframe-Computer via öffentliche Terminals gewährte. Erst mit dreizehn hörte er von Apple, aber war nicht an deren Computern interessiert, da es keine Mainframe-Rechner waren.

Christies erster Computer war während College ein selbst-zusammengebauter PC. Zu der Zeit war ein Apple-Computer für ihn noch unerschwinglich. Der Zeitpunkt kam erst in 1991, als er ein Powerbook 140 kaufte, aber echter Enthusiasmus stellte sich erst bei der Ankündigung des Newton ein, für den er über 200 Kilometer weit zur Macworld Expo 1993 in Boston fuhr und für die jeweils 700 US-Dollar für den Newton und das Software-Entwicklungs-Kit das Bankkonto plünderte. Der Rest ist jetzt Teil der Apple-Erfolgsstory.

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