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iPhone: Ein bischen unlocked

27.11.2007 | 11:45 Uhr |

Wer sich bei T-Mobile für 999 Euro ein offiziell vom Sim-Lock befreites iPhone kauft und auf Reisen geht, kann sich auf böse Überraschungen gefasst machen - das iPhone lässt sich etwa mit einer ausländischen Simcard weder zum Telefonieren, noch für SMS nutzen.

Sicher wurden T-Mobile und Apple von Vodafones Vorstoß überrascht und mussten schnell reagieren, das Ergebnis ist ein Simlock-freies iPhone für 999 Euro in Deutschland. Wer nun allerdings glaubt, sich mit dem Kauf eines solchen "Schnäppchens" aller Probleme entledigt zu haben, kann ein blaues Wunder erleben. Reist der Käufer etwa in die Schweiz, nach Schweden, Belgien, Dänemark oder ein anderes Land außerhalb der von Apple aktuell unterstützten Länder USA, Canada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Japan oder China und erwirbt dort eine Sim-Karte (Pre-Paid), um preiswert telefonieren, streikt das iPhone. Weder Telefon- noch Sim-Funktion lassen sich nutzen, die iPhone-Programme stürzen einfach ab.

Grund ist eine recht lausig durchdachte Unterstützung der nationalen Caller-IDs (Anruferkennung, Anruf-ID) und zugehöriger Dateien zur Unterstützung der Provider (Carrier) im jeweiligen Land, die das iPhone zum Anlass nimmt, ob hier überhaupt telefoniert beziehungsweise SMS genutzt werden darf. Hier hat sich Apple offenbar von amerikanischen "Telefon-Spezialisten" beraten lassen, die zwar den lokalen US-Markt, aber nicht das viel weiter entwickelte und im Rest der Welt längst zum Standard erhobene GSM kennen. Auch konnte sich dort offensichtlich niemand vorstellen, dass jemand eine Pre-Paid Simkarte in einem anderen Land erwirbt und nutzt, um die teilweise enormen Roaming-Gebühren zu meiden.

Im iPhone ist ein Binary (Programm-Datei) namens AppSupport dafür verantwortlich, dass das iPhone nationale Telefonnummer-Kombinationen kennt und auf Grund dessen Anrufererkennung erlaubt. Dabei handelt es sich jeweils um Kombinationen aus der Landeskennung (etwa de für Deutschland), dem Wert für die internatinale Vorwahl (49 in Deutschland), der international und national vorangestellten Ziffer Vorwahl (00 und 0 in Deutschland) und der Ziffernzahl für die Vorwahl und die Rufnummer. Ein Beispiel wäre
"de", "49", "00", "0", 2, 8
für eine achtstellige Rufnummer in Hamburg. Die genannten Werte sind sind jeweils in einer Zeile untergebracht. Insgesamt bietet das iPhone Platz für 32 solcher Werte-Kombinationen, sie sind fest in der von Apple gelieferten Software (Firmware 1.1.2) verankert. Deutschland benötigt ob der diversen unterschiedlichen Vorwahl- und zugehörigen Rufnummernlängen allein 12. Und hier haben T-Mobile und Apple sogar noch mindestens eine vergessen. Die Eltern des Autoren wohnen in einem Ort mit etwa 30.000 Einwohnern, in dem etwa bei der Hälfte der Telefonnutzer eine vierstelligen Vorwahl und ebenfalls vierstellige Rufnummer zum Einsatz kommt. Die Kombination gibt es nicht in der Datei, die Rufnummern-Erkennung klappt nicht. Auch wenn der Teilnehmer im iPhone-Adressbuch verzeichnet ist, erscheint beim Anruf nur die Telefonnummer, nicht der Name.

Was bei einem T-Mobile-Kunden mit Vertrag höchstens ärgerlich ist, wird zum Fiasko, hat ein anderer Kunde ein freigeschaltetes iPhone für 999 Euro erworben und setzt - bei einem Geschäftsbesuch in der Schweiz etwa - eine lokale Prepaid-Karte in sein iPhone. Was bei jedem preiswerten Nokia- oder Motorola-Handy funktioniert, klappt beim iPhone nicht. Wählt er eine Telefonnummer über die Tastatur oder aus den Adresskontakten, stürzt die Telefon-Applikation ab. Auch SMS lassen sich nicht nutzen. Schuld daran ist die Datei AppSupport, in der ein Eintrag für die Schweiz (ch) ebenso komplett fehlt, wie für Dutzende anderer populärer Länder.

Auch die schon genannten Carrier-Files gibt es im iPhone nur für die Apple-Partner. In den Dateien werden unter anderem "MCC & MNC Network Codes from Service Providers", Kennzahlen für jeden weltweiten Provider, dazu Zugangsdaten zu EDGE und GPRS, Roaming-Voreinstellungen und mehr festgelegt und über ein Alias mit einer eindeutigen Zahl referenziert. Erst wenn das geschehen ist, kann der Benutzer sicher sein, die Netzwerkdienste seines Simcard-Providers zu nutzen und nicht am Ende der Reise vor einem Berg an Roaming-Kosten zu stehen. Diese benötigten Dateien stehen nur für Apples Partner zur Verfügung, fehlen sonst.

Wer nun sein 999-Euro-iPhone wie ein normales GSM-Telefon nutzen will und ins Ausland reist, hier Prepaid-Karten nutzt, der muss sein iPhone hacken. Genau die von Apple als Hacker bezeichneten und Geschmähten Dev Teams (http://iphone.fiveforty.net/wiki/index.php?title=Main_Page) und aktive Nutzer im Forum von Hackint0sh (http://hackint0sh.org/forum/forumdisplay.php?f=123) haben nicht nur das Problem erkannt und herausgefunden, sondern auch Lösungen dafür. Statt eines Katz-und-Maus-Spiels hätte Apple vielleicht hier einmal nicht auf seine selbsternannten Spezialisten in den USA, sondern auf die "Hacker" hören, sich bei ihnen bedanken und entsprechend nachbessern sollen.

Die Problematik betrifft übrigens aller Voraussicht nach ab dem 29. November in Frankreich Käufer des 999-iPhone, jedenfalls solange, bis Apple hier erheblich nachbessert. Von einem iPhone mit Unlock, wie es Vodafone verlangt und per Landesgerichts-Urteil zugesprochen bekam, kann hier nicht wirklich die Rede sein. Für Käufer ist das ganze mehr als ärgerlich.

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