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iPhone: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersfunkenden

28.11.2007 | 10:00 Uhr |

Am iPhone hängt, zum iPhone drängt doch alles: Kunden des "freien" 999-Euro-Telefons beklagen sich weiterhin über mangelnde Freiheiten - auch wenn es den Sprung nach Österreich genommen hat: Längst nicht jede SIM-Karte verträgt sich mit dem Apple-Handy, Schuld daran soll eine schlechte Implementierung von nationalen Caller-IDs sein.

Dafür nimmt in Cupertino die iPhone-Softwareentwicklung an Fahrt auf: Vorabversionen des SDK hat der Hersteller bereits an einige Entwickler ausgehändigt, die jetzt mit der Programmierung von nativen Applikationen für das Telefon und den iPod touch testweise beginnen können. Im Fortune-Interview nimmt Apple-Manager Greg Joswiak Stellung zu den seit fünf Wochen bekannten Plänen und wirft auch einen Blick auf den anders funktionierenden europäischen Markt.

Mit 999 Euro ist die Freiheit am iPhone teuer erkauft, funktioniert nicht reibungslos ( wir berichteten ) - und möglicherweise endet der Super-Deal, den T-Mobile aufgrund einer einstweiligen Verfügung des Mitbewerbers Vodafone anbieten muss, schon am Donnerstag. Dann treffen sich die Streithähne am Landgericht Hamburg, das eine Anhörung anberaumt hat , um nach dem Widerspruch durch T-Mobile zu klären, ob das Geschäftsmodell von SIM-lock und Netzbindung in Deutschland überhaupt zulässig ist. Doch so weit ist es mit der Freiheit nicht: Zwar hat es ein Satz von 50 iPhones zu Saturn nach Österreich geschafft, wie mehrere Leser berichten, aber selbst dort gibt es das offenbar grau importierte Telefon nur mit Vertragsbindung. Die Saturn-Media-Holding, eine Metro-Tochter, die mit Apple in Deutschland gute Geschäftsverbindungen pflegt, bietet das iPhone in Verbindung mit einem zweijährigen SIM-only-Vertrag des Providers A1 / Mobilkom Austria und einer 170-Euro-Rechnungs-Gutschrift an. Auch bei den Nachbarn kostet Apples Telefon trotz höherer Mehrwertsteuer 999 Euro - wenn es denn noch zu haben ist. Ironie am Rande: T-Mobile hat gestern bestätigt, kommendes Jahr auch in Österreich Apples Exklusiv-Provider zu werden.  

Funkstille mit ausländischen SIM-Karten

Offen bleibt, ob die Kunden in Österreich und anderswo wirklich glücklich werden mit dem "freien" iPhone. Denn nach einem Bericht von Spiegel online hapert es mit der Unterstützung ausländischer SIM-Karten. Dort berichtet Macwelt-Autor Volker Riebartsch , dass nicht alle Anbieter und nur bestimmte Länder unterstützt werden. "Weder Telefon- noch SMS-Funktion lassen sich nutzen, die iPhone-Programme stürzen einfach ab", so der Apple-Profi, wenn man etwa um Roaming-Gebühren zu sparen eine ausländische Prepaid-Karte verwende. Als Grund nennt Riebartsch eine schlecht implementierte Unterstützung so genannter nationaler Caller-IDs. Dieser Standard dient zur Überprüfung, ob ein Gerät überhaupt in einem bestimmten Netz funken darf. Der Kollege vermutet, dass die iPhone-Entwickler sich von Experten haben beraten lassen, die vom außerhalb der USA seit 1989/90 eingeführten Mobilfunkstandard wenig Ahnung haben.  

Bessere Software-Unterstützung durch Fremd-Entwickler

Auch angesichts dieser Neuigkeiten darf man sich fragen, ob Apple das iPhone-Geschäft nicht doch über den Kopf wächst. An anderer Front erwehrt sich das Unternehmen der Hacker, die mit weniger legalen Methoden das iPhone vom SIM-lock und der Netzbindung befreien und obendrein native Programme entwickeln, die die Leistungsfähigkeit von Apples Super-Handy deutlich erweitert. Zudem drängt mit dem Google-Projekt Android ein neuer Konkurrent in den Smartphone-Markt vor, der sich als Plattform deutlich offener präsentiert als das bislang abgeschottete iPhone. Mitte Oktober gab Firmenchef Steve Jobs persönlich die Entscheidung bekannt, ab Februar für das iPhone ein Software-Entwicklungskit (SDK) anzubieten, im Fortune-Interview steuert Greg Joswiak, Apples Vizepräsident für das iPod- und iPhone-Marketing, einige Details bei, etwa die Verwendung einer digitalen Signatur für Programme von Drittanbietern. "So hat man eine Möglichkeit zurückzuverfolgen, wenn mit einem Programm etwas schief läuft. Denn unser Bestreben bleibt es, das iPhone weiterhin sicher und zuverlässig zu machen - darum brauchen wir ein wenig Zeit für das SDK." Vom SDK profitieren iPhone und der iPod touch gleichermaßen, da sie mit einem OS X-Derivat auf demselben Betriebssystem basieren.  

iPod weltweit auf dem Vormarsch

Der Apple-Manager lässt in dem Gespräch auch einige Zahlen zum Marktanteil der iPod-Familie fallen: In den Vereinigten Staaten dominiert Apples Player mit 77 Prozent Marktanteil, Japan folgt mit 60, Großbritannien mit 58 Prozent. In Frankreich und Deutschland sieht Joswiak die lokalen Kampagnen aufgehen: Nach Jahren des bescheidenen einstelligen Marktanteils geht die Saat auf dem europäischen Kontinent auf: In Frankreich und Deutschland ist mit 28 Prozent Marktanteil mehr als jeder vierte verkaufte MP3-Player einer von Apple. "Dort haben wir unsere 'Silhouetten-Kampagne' gegen die aussagekräftigere '1000 Songs in deiner Tasche-Kampagne' ausgetauscht - und dann sprang der Marktanteil in die Höhe." Auch für andere Regionen sieht er Wachstumspotential: "Es ist leichter, sich gegen No-Name-Produkte durchzusetzen, als anderen Markenherstellern Marktanteile abzujagen." Bild: JonOakley, via Flickr.com , einige Rechte vorbehalten

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