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Wirbel um angebliches iPhone HD

20.04.2010 | 07:31 Uhr |

Der in einer Bar im Silicon Valley verloren gegangene Prototyp eines neuen iPhone-Modells ist wohl echt. Der Blog Gizmodo hat sich das Gerät einiges kosten lassen und wird es nun an Apple zurück geben..

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© Gizmodo

Gawker Media, Herausgeber des Technikblogs Gizmodo, hält den in einer Bar im Silicon Valley aufgetauchten Prototypen eines kommenden iPhones für echt. Wie der Geschäftsführer des Unternehmens Nick Denton unseren Kollegen der Computerworld erklärte, zahlte Gawker 5.000 US-Dollar für den Zugriff auf das iPhone. "Nach unserem Verständnis wurde das iPhone verloren", Gawker zahlte den Betrag an die Finder, die es in einer Hülle fanden, die das iPhone als iPhone 3GS tarnte. Den unglücklichen Ingenieur, der es dort habe liegen lassen, hätte man ebenso identifizieren können.

Mittlerweile nennt Gizmodo mehr Details zum Verlust des Prototypen . Ein Software-Ingenieur namens Gray Powell (27) habe am Abend des 18. März das iPhone HD in dem auf deutsche Biere spezialisierten Biergarten Gourmet Haus Staudt in Redwood versehentlich auf einem Barhocker liegen lassen. "Ich habe unterschätzt, wie gut deutsches Bier ist", sei das letzte von diesem iPhone aus gesandte Status-Update seiner Facebook-Seite gewesen. Powell, der laut Gizmodo an der Baseband-Software des iPhones arbeitet, habe das iPhone HD clever als iPhone 3GS getarnt und es für Feldversuche außerhalb des Apple Campus genutzt.

Der Finder hatte das iPhone mit nach Hause genommen und wollte es an den Besitzer zurückgeben, dessen Facebook-App noch aktiv war. Zur Überraschung des Finders sei das iPhone am nächsten Tag jedoch via Mobile Me deaktiviert gewesen, neugierig öffnete der Finder daraufhin die Tarnhülle und entdeckte zu seiner großen Überraschung den Prototypen darin. Die Kontaktaufnahme mit Apple, um über die Rückgabe zu sprechen, sei nach mehreren Versuchen gescheitert, niemand habe ihn ernst genommen.

Wochen später sei das iPhone schließlich bei Gizmodo gelandet, das schließlich Kontakt zu Gray Powell aufnehmen konnte. Powell, weiterhin bei Apple beschäftigt, habe bestätigt, das Gerät in einer Bar verloren zu haben.

Mittlerweile hat sich Apples Rechtsvorstand Bruce Sewell per Brief an den Gizmodo-Redaktionsdirektor Brian Lam gewandt. Darin schreibt Sewell, dass Gizmodo im Besitz eines Gerätes von Apple sei, das der Hersteller gerne zurück hätte. Lam sieht darin eine Bestätigung, dass Apple das iPhone verloren ging und es nicht gestohlen wurde. In der Antwort an Apple bat der Gizmodo-Redakteur Jason Chen darum, Apple möge mit dem unglücklichen Ingenieur nicht zu streng sein.

Skeptiker sehen in dem Rührstück jedoch einige Hinweise darauf, dass die Geschichte lanciert sein könnte. Powell ist auch heute, gut fünf Wochen nach dem Verlust, angeblich noch bei Apple beschäftigt. Die restriktive Verfolgung von Lecks, für die Apple berühmt ist, hätte Powell an sich sofort den Job kosten müssen, denn er handelte mindestens fahrlässig. Auch scheint es unwahrscheinlich - oder zumindest eben fahrlässig - dass Powell auf dem Prototypen das Löschen aus der Ferne ermöglichte, nicht aber via "Find my iPhone" den Aufenthaltsort ermitteln konnte - erst so konnte Gizmodo Wochen später das Telefon erhalten. Dass die Kollegen es schließlich nicht zum Laufen brachten, muss ebenso verwundern. Die Beta-Version von iPhone-OS ist leicht erhältlich, die Installation auf dem vermeintlichen Prototypen hätte so gelingen können, wenn dies nicht eine bisher unbekannte Sperrtechnologie verhinderte. Das von Gizmodo veröffentlichte Anwaltsschreiben ziert schließlich ein Apfel in lila - dass Apples neuer Rechtsvorstand altes Briefpapier aufbracht, kann man ebenso anzweifeln.

Bleibt die Frage: Cui bono? Wer an der Echtheit der Ausführungen von Gizmodo zweifelt, ist schnell mit einem Schlagwort bei der Hand: Virales Marketing. Apple hätte mit einer lancierten Geschichte die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen und denen in dieser Woche herausgekommenen Smartphones von Microsoft das Interesse entzogen. Möglicherweise habe Apple auch die Reaktion des Publikums auf die berichteten neuen Features testen oder die Konkurrenz verwirren wollen. Ein neues iPhone, das Spekulationen zufolge am 22. Juni in San Francisco Premiere haben könnte, würde mit ganz anderen Features herauskommen.

Wie bei jeder Verschwörungstheorie dürfte aber auch hier gelten: Die einfachste Erklärung entspricht meist der Wahrheit. Und dass ein junger Ingenieur beim Feldversuch mit einem Prototypen aufgrund von Alkohol den ein oder anderen schweren Fehler begeht, klingt gar nicht einmal abwegig.

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