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iPhone-Kuchen weckt Begehrlichkeiten

12.12.2007 | 09:38 Uhr |

Jeder will etwas vom iPhone-Kuchen abhaben - selbst Konkurrent Nokia: Der finnische Hersteller möchte neue Internet-Dienste für Handys anbieten und in Zukunft von den Mobilfunkprovidern am Datenumsatz beteiligt werden. Auch Gravis will sich das Geschäft nicht entgehen lassen und konkretisiert Versprechungen: In Berlin und München starte der iPhone-Verkauf in eigenen Geschäften noch vor Weihnachten.

T-Mobile liegt das Kuchenstück aber schwer im Magen. Nach Insidern verkauft Apple Exklusivprovider hierzulande bloß 700 Geräte am Tag, eine vergleichbar enge Partnerschaft will T-Mobile-Chef Humm mit anderen Anbietern vorerst nicht eingehen.

Man nehme folgende leckere Zutaten: Eine imageträchtige Technologiemarke als Boden, belege diesen mit innovativer Mobilfunkhardware und garniere mit Internetdiensten, die dem digitalen Menschen Orientierung, Unterhaltung und Information zu jeder Zeit und an jedem Ort verhelfen. Schließlich backe man in hitzigen Vertriebsverhandlungen diese Köstlichkeit für eine konsumfreudige Käuferschaft auf 399 Taler zusammen und verspreche für 24 Monate kommunikative Vollpension zum Vierfachen des eigentlichen Stückpreises als Himbeere obendrauf. Klingt nach einem Rezept aus Cupertinos Konditorei? Nun glühen die finnischen Öfen vor: Nokia will Teile des iPhone-Geschäftsmodell nachbacken und pickt sich als Rosine Datendienste wie Navigation, Musik und Games heraus: "Wenn wir neue Dienste bereitstellen", so Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung , "ist eine Umsatzbeteiligung durchaus möglich." Bereits heute bietet Nokia einen mit Goolge Maps vergleichbaren kostenlosen Kartendienst an, auch im Business der Download-Musik sind die Finnen tätig und wollen weitere Dienste-Anbieter aufkaufen. Der Kunde zahlt nach dem Willen von Kallasvuo nicht direkt an Nokia, sondern indirekt über Datennutzungs-Gebühren an seinen Mobilfunk-Betreiber. Ansonsten bleiben die Finnen sich aber treu und sehen das Hardware-Geschäft weiterhin als ihre Basis.  

700 Stück am Tag: iPhone-Verkauf in Deutschland eher schleppend?

Platz genug ist in den Mobilfunknetzen für solche Dienste: "Wir haben in unserem Netz noch reichlich freie Kapazitäten, die wir zu sehr niedrigen Kosten auslasten können", räumte T-Mobile-Chef Phillip Humm im Gespräch mit der Financial Times Deutschland ein. Das mobile Internet soll dem vom Preisverfall bei Telefonie gebeutelten Mobilfunk-Providern neue Einnahmen generieren - und das iPhone erscheint als ideales Endgerät für diese Strategie. "Ich sehe derzeit kein anderes Gerät mit einer ähnlichen Alleinstellung, das ein solches Vertriebsmodell ermöglichen würde", rechtfertigt Humm den engen Vertrag mit Apple, der vorerst ein "Einzelfall" bleibe. Bloß geht dieser Wunsch wohl nicht auf: Mit mutmaßlich 700 verkauften Apple-Handys pro Tag bleibt die große Nachfrage aus. Diese Zahl will die FTD in Erfahrung gebracht haben, T-Mobile darf ohne Apples Segen den Vertriebskanal nicht auf Elektronik-Märkte oder Wiederverkäufer wie Debitel, und Mobilcom ausdehnen. "Verkauft die Telekom selbst nicht genug iPhones?", fragt sich der Berliner Tagesspiegel - und Gravis-Chef Archibald Horlitz hat die Antwort: "Es war von Anfang an beabsichtigt, dass die Vertriebskanäle verbreitert werden. Die Distribution eines solchen Kult-Artikels muss breit sein, genau wie beim iPod. " Mit den Stores in München und Berlin wird dieser Kanal bis Jahresende um zwei Standorte verbreitert, verspricht der Gründer und Geschäftsführer der Fachhandelskette, die auch eine Partnerschaft mit dem Kaufhaus-Konzern Karstadt geschlossen hat.  

Wie kommt das iPhone zu Gravis?

Schon im Juli zeigte sich Horlitz zuversichtlich , Apples Telefon ins Sortiment aufnehmen zu können, irrte im vergangenen Jahr aber in der Annahme, Apple werde in Deutschland eigene Stores eröffnet haben. Bis auf eine Shop-in-Shop-Partnerschaft in einigen Saturn- und Media-Markt-Filialen ist aus der vermuteten Retail-Offensive aber noch nichts zu sehen. Doch das Shop-in-Shop-Konzept, auch von Gravis etwa an den Standorten Berlin/Tauentzienstraße (Hugendubel), Stuttgart/Marktstraße (Breuninger) und bald im großen Umfang bei Karstadt umgesetzt, könnte Apples Telefon in die 22 Gravis-eigenen Stores führen - mit der Deutschen Telekom als Untermieter. Vor drei Wochen gab das Berliner Unternehmen eine Vertriebspartnerschaft mit dem ehemaligen Staatsunternehmen bekannt und vermarktet bereits DSL-Produkte der Telekom. Wenn es bloß eines Tricks bedarf, die Gravis-Stores den Status eines Telekom-(Shop-in-)Shops zu erheben, erschließt sich T-Mobile mit den knapp zwei Dutzend weiteren Vertriebspunkten eine deutlich Apple-affinere Klientel als in den eigenen magentafarbenen Geschäften. Das Zubehör und den im Design passenden Computer verkauft dann der freundliche Mitarbeiter an der Kasse gegenüber. Bild: tracyhunter, via Flickr.com , einige Rechte vorbehalten

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