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iPhone: Und ewig lockt das SIM

06.11.2007 | 13:21 Uhr |

Während in Frankreich Apple ab Monatsende auch iPhones ohne SIM-Lock verkauft, kommt am Freitag das Apple-Handy in Deutschland nur von T-Mobile. Ob das Lösen der von Apple und seinen Mobilfunkpartnern errichteten Sperre rechtens ist, hat sich für Macwelt Rechtsanwalt Thomas Draudt im Detail angesehen.

Das Warten hat ein Ende, das iPhone ist ab Freitag dieser Woche im Telekom-Shop zu haben. Apple erntete viel Kritik für seine Entscheidung, das Gerät exklusiv mit Mobilfunkverträgen eines einzelnen Anbieters (in den USA AT&T, in Deutschland T-Mobile, in UK O2) zu vertreiben. Durch diese Maßnahme ist Apple in der Lage, die Telefone mit einem SIM-Lock zu versehen, also einer Sperre, die den Betrieb des iPhone mit einer fremden SIM-Karte, etwa aus einem bereits bestehenden Vertrag mit einem anderen Netzanbieter unmöglich macht.So verhindern Apple und Konsorten effektiv verhindert, dass das iPhone über Grauimporte quasi durch die Hintertür in anderen Ländern erhältlich ist oder betrieben wird, bevor Apple das Gerät dort offiziell eingeführt hat. Daneben kann Apple so sicherstellen, dass alle iPhone-Besitzer über Daten-Flatrates, oder zumindest großzügige Volumentarife, für das Internet verfügen, ohne die die Benutzung des iPhone für Dienste wie Safari oder Google-Maps schnell und ungewollt zu Schwindel erregenden Telefonrechnungen führen würde. Und - last not least - hat Apple mit AT&T und den europäischen Providern Deals, wonach Apple an den laufenden Einnahmen des jeweiligen Netzbetreibers für iPhone-Verträge prozentual beteiligt ist. Nicht wenige machen Gedanken darüber, ob und wie man die SIM-Lock-Sperre umgehen kann - dies ist auch nach dem jüngsten Firmware-Update für das iPhone möglich. Grund genug für uns, einmal die rechtliche Seite eines solchen Eingriffs zu beleuchten.

Mit SIM-Lock versehene Mobiltelefone sind seit Jahren in erheblichem Umfang zusammen mit Prepaid-Verträgen auf dem Markt: Der Kunde erwirbt eine SIM-Karte mit Aufladefunktion und einem Startguthaben. Dazu bekommt er ein kostenloses, oder zumindest sehr preiswertes Handy. Da sich dies für den Netzbetreiber nur dann lohnt, wenn der Kunde auch ausreichend mit dem Gerät telefoniert, sind die Geräte mit einem SIM-Lock versehen, einer elektronischen Sperre, die verhindert, dass man mit SIM-Karten anderer Netzbetreiber telefoniert.Den SIM-Lock zu entsperren ist im Wesentlichen auf zwei Motive zurück zu führen: Zum einen gibt es Endkunden, die einen Laufzeitvertrag haben, deren Telefon aber kaputt oder verloren ging. Um sich nicht ein teures, unsubventioniertes Gerät kaufen zu müssen, erwerben sie für kleines Geld ein Prepaid-Paket, entsperren das Handy und telefonieren über ihren Laufzeitvertrag weiter. Zum anderen gibt es Händler, die solche Pakete im großen Stil kaufen, die Handies entsperren und dann – oft ins Ausland – weiterverkaufen. Das beiliegende Startguthaben wird dabei meist dazu verwendet, eigene, eigens hierfür eingerichtete 0900-Nummern anzurufen und damit den überwiegenden Teil des investierten Geldes direkt wieder einzuspielen.In Internetforen stößt man zum Teil auf die naive Auffassung, wenn man ein Telefon gekauft habe, könne man damit machen, was man wolle, also auch den SIM-Lock entsperren. Man sollte aber lieber nicht alles glauben, was man im Internet lesen kann.Welche Straftatbestände demjenigen, der einen SIM-Lock knackt, genau vorgeworfen werden können, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Der genauen Tatbegehung (Auslesen des Entsperrcodes, Errechnen des Entsperrcodes aus der IMEI und dem Netzbetreibercode, Manipulation der Betriebssoftware über Softwaretools, Aufspielen einer neutralen Betriebssoftware, Hardwaremanipulation), dem vertraglichen Hintergrund (bietet der Hersteller/Netzbetreiber die entgeltliche Entsperrung des SIM-Lock an?), der Frage, ob der Täter nur sein persönliches Telefon manipuliert hat oder ein gewerblicher Zweck, also Wiederverkauf der entsperrten Handies dahintersteht, sowie dem entscheidenden Gericht. Im Hinblick auf die Verwirklichung einzelner Straftatbestände kann durchaus unterschiedlicher Meinung sein, es fehlt in Deutschland bislang an einer einheitlichen Rechtsprechung.

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