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iPhone: Was 64 Bit wirklich bringt

17.12.2013 | 12:38 Uhr |

Der 64-Bit-Prozessor beim iPhone ist weder Marketing-Gag, noch braucht das iPhone mehr als 4 Gigabyte Speicher, um davon zu profitieren.

Erstmals im iPhone 5S hat Apple mit dem A7 eine 64-Bit-CPU verbaut. Wir haben uns bei Florian Albrecht erkundigt, was der Schritt bedeutet. Albrecht gehört zum Entwicklerteam der deutschen Firma Elgato: "Eine 64-Bit-CPU bietet eine Registerbreite von 64 Bit, doppelt so breit wie eine 32-Bit-Version. Register sind die Verarbeitungsspeicher in der CPU, die bei jedem Prozessor-Takt eingelesen, bearbeitet und ausgelesen werden können. Wenn man das beim iPhone 5S geschickt nutzt, kann die CPU pro Verarbeitungsschritt also doppelt so viele Daten bearbeiten und damit doppelt so schnell 'rechnen'. Im Fall des Apple-A7-Prozessors gibt es zudem doppelt so viele Register wie im A6, Theoretisch lassen sich also sogar viermal so viele Daten 'durch die CPU schieben'."

Ob und wie spürbar dieser Effekt ist, hängt von der Anwendung ab. Apps, die viele mathematische Berechnungen enthalten, werden mehr profitieren als ein Twitter-Client. Dagegen steht, dass man sich je nach Anwendung mehr Gedanken um Speicherausnutzung machen muss. Apple weist darauf hin, dass Apps in einigen Fällen mehr Speicher benötigen als unter 32 Bit.

In vielen Foren finden sich Aussagen zu Hauptspeicher-Voraussetzungen, das iPhone 5S kommt weiterhin mit einem Gigabyte. Auch hier erläutert Florian Albrecht: "Mehr Hauptspeicher (RAM) hilft grundsätzlich der Performance. Demgegenüber steht jedoch der Stromverbrauch. Speicher 'aktiv' zu halten kostet relativ viel Energie, was der Hauptgrund sein dürfte, warum Apple relativ wenig Arbeitsspeicher verbaut. Es ist richtig, dass man einen 64-Bit-Prozessor braucht, um (sinnvoll) 4 GB und mehr Speicher adressieren zu können. Ein 32-Bit-Prozessor kann maximal 2^32 Adressen ansprechen, das sind 4 GB. Das be­deutet aber nicht, dass man 4 GB braucht, um die grundsätzlichen Geschwindigkeitsvorteile einer 64-Bit-CPU ausnutzen zu können."

Auch Desktop-Systeme, die bis heute traditionell größere Datenmengen verarbeiten, kommen häufiger an die Grenze, wo man gern mehr als 4 GB ansprechen würde, ohne auf langsamere Speicher zuzugreifen. Insofern hat eine 64-Bit-CPU für den Fall, dass man große Datenmengen verarbeiten will, zwei Vorteile.

Fazit

Sind Apps als 64-Bit-Version programmiert und sehr rechenintensiv, können sie auf dem iPhone 5S mehr als doppelt so schnell arbeiten wie auf dem iPhone 5 – auch dank 64-Bit-Architektur. Allerdings bremsen parallel neben 64-Bit-Apps laufende 32-Bit-Apps das iPhone indirekt aus, da in dem Fall sowohl die 32-Bit- als auch die 64-Bit-Sys­tembibliotheken von iOS geladen werden müssen. Es ist deshalb möglich, dass Apple in Zukunft, beispielsweise unter iOS 8 nur noch 64-Bit-Apps erlaubt.

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