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Wie Apple sich in China durchsetzt

11.05.2015 | 16:32 Uhr |

Der chinesische Markt hat Deutschland als zweitgrößten Apple-Markt längst überholt. Das iPhone ist jetzt Smartphone Nummer eins in China.

Das Kaufverhalten in China hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Die Zeiten von Produktkopien und Billigprodukten ist dort längst vorbei. Der aktuelle Marktführer in China bei Smartphones heißt nicht Xiaomi oder Huawei, nicht einmal Samsung, obwohl die Koreaner dort lange den Smartphonemarkt dominierten. Nein, das meist verkaufte Smartphone ist dort zurzeit das iPhone! Konkurrent Samsung hat dagegen mit dramatischen Rückgängen seiner Verkaufszahlen zu kämpfen.

China hat sich von der "Werkbank der Welt" zu einem der wichtigsten Märkte für teure Alltagsprodukte und Luxus hochgearbeitet. Hunderte Millionen Menschen sind dort in den vergangenen Jahren sozial aufgestiegen, viele haben es zu bescheidenem Auskommen, manche zu beträchtlichem Reichtum gebracht. Deshalb ist das Reich der Mitte inzwischen auch zum zweitwichtigsten Absatzland für Apple-Produkte geworden - nach dem Heimatland USA.

iPhone Nummer eins - Samsung verdrängt

Vor einigen Jahren war Deutschland noch der zweitgrößte Absatzmarkt für Apple. Börsenanalysten gehen davon aus, dass China noch 2015 Apples insgesamt wichtigster Markt wird. Tim Cook setzt bereits seit 2012 einen starken Fokus auf den chinesischen Markt und ist mehrmals im Jahr selbst vor Ort. Die Verhandlungen mit dem größten chinesischen Provider , China Mobile, sollen sich ganze sechs Jahre hingezogen haben.

19 Apple Stores gibt es in China aktuell. Bald sollen es 40 chinesische Apple Stores sein, kündigte Apples Retail-Chefin Angela Ahrends Anfang 2015 an. Dies entspricht zudem in etwa der Zahl der Millionenstädte in China. Apple investiert massiv in sein Wachstum in der neuen Wirtschaftsgroßmacht. Neue Retail-Stores zu bauen ist jedoch nur ein kleiner Teil der Strategie, mit der Apple in China weiter Fuß fassen will.

Apple sucht aktuell mehrere neue Schnittstellen zum chinesischen Markt. So soll sich das Unternehmen in Gesprächen mit der größten Online-Handelsplattform Alibaba befinden und dabei über die Einführung von Apple Pay verhandeln. Apples Wachstum und Engagement in China geht jedoch damit einher, dass sich das Unternehmen ein Stück weit den dortigen Bedingungen anpasst. So hat das Unternehmen in der Vergangenheit mehrmals Musik oder Apps im iTunes Store geblockt , die sich um Tibet drehten. Gleichzeitig hat das Unternehmen aber auch die Staatszensur umgangen , indem es nur noch verschlüsselte Verbindungen für den Store nutzt.

Was das für Europa bedeutet

Apples Fokus verschiebt sich mehr und mehr in Richtung ferner Osten. Beispielsweise soll Apples frühere Entscheidung, ältere Geräte wie das iPhone 4 besonders lange im Programm zu halten, in Hinblick auf die aufstrebenden Märkte geschehen sein. Das iPhone 4 wurde als "Restposten" zum ersten verbreiteten iPhone in China. Auch produktpolitische Entscheidungen wie die Farbe "Gold" bei iPhone, iPad und Macbook stehen angeblich in direktem Zusammenhang mit asiatischen Vorlieben .

Umwelt- und Arbeitsschutz

Heftiger Kritik an den Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben begegnet Apple mit regelmäßigen Untersuchungen in den Fabriken, über die das Unternehmen in seinem Supplier Responsibility Report berichtet . Apple will vor allem Überstunden in Grenzen halten und Sicherheitsvorkehrungen bei der Produktion verbessern. Zulieferer, die sich nicht an die vereinbarten Richtlinien halten, kündigt Apple. In Sachen Umweltschutz hat Apple erst in dieser Woche einen weiteren Schritt genommen und angekündigt, auch bei der Fertigung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien zu setzen und Verpackungsmaterial aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu gewinnen. Tim Cook hat die Neuigkeiten selbst über seinen neue eingerichteten Account beim sozialen Netz Weibo verkündet . Cook zeigt damit einmal mehr, wie wichtig China für Apple geworden ist.

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