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iPhone soll Mobilfunkern Schub bei Datendiensten bringen

01.09.2007 | 15:50 Uhr |

Über das neue Apple-Handy iPhone will Telekom-Chef René Obermann gar nicht reden. Darf er auch nicht, denn Apple hat seine Vertriebspartner - und dazu gehört laut Konzernkreisen auch die Telekom - zum Schweigen verpflichtet.

© Moritz Jäger

Auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin erwähnt Obermann das neue Gerät mit keinem Wort. Erst auf Nachfrage sagte er knapp, dass das iPhone für mobile Datendienste wie Handy-TV „wegweisend“ sein werde. In diesem Punkt geben ihm auch Experten Recht. Die Erwartung ist, dass das neue Handy die Branche mehr verändern wird als die meisten Mobiltelefone zuvor. Dabei kann das iPhone kaum mit neuen Anwendungen aufwarten. “Das iPhone hat keine, die es nicht schon bei einem anderen Anbieter gibt“, sagt Gregor Harter von der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Wie schon der iPod, kann das iPhone jedoch mit Design und Benutzerfreundlichkeit beim Kunden punkten. Wie ein Mobilfunk-Manager betonte, gebe es kaum eine Marke, die größere Begehrlichkeiten weckt als Apple . An einer exklusiven Vermarktung, wie sie nun die Telekom bekommt, sei daher die komplette Branche interessiert gewesen.

Neben dem aufpolierten Image hofft die Telekom auch auf höhere Datenumsätze. Der amerikanische Kollege AT&T , der als erster Telekomkonzern das iPhone in den USA vermarktet, verzeichnet bei den Nutzern des Handys deutlich höhere Datenumsätze. Davon profitiert auch Apple, da der Konzern rund zehn Prozent der Umsätze einstreicht - in diesem Umfang ein Novum. „Für die Branche wird das iPhone eine große Auswirkung haben, da die Umsatzbeteiligung einen Paradigmen-Wechsel mit sich bringt“, sagt Harter.

Andere Gerätehersteller hoffen nun auch auf eine Umsatzbeteiligung. „Eine gute Position haben dabei Nokia und Sony Ericsson.“ Beide Unternehmen verfügen über eine starke Marke und attraktive Mobiltelefone. Seine Lücken im Handy-Sortiment mit einem Touchscreen will Nokia im vierten Quartal schließen. Dann soll auch die neue Musikplattform des weltgrößten Handy-Herstellers starten, mit der Nokia den Apple-Shop iTunes herausfordern will.

Auch aus anderer Sicht könnte der Zuschlag für die Telekom-Führung ein Segen sein, denn das iPhone kommt ohne Subventionen in die Regale. Derzeit werden selbst Qualitäts-Handys oft mit hohen Zuschüssen für einen Euro angeboten, was die Margen der Anbieter belastet. Wie die Chefs von Vodafone, E-Plus und O2 bemüht sich auch Obermann darum, die Rabattschlacht zu beenden. Bislang vergeblich, denn einer der Konzerne steckt immer im Zugzwang, seine Kundenzahl mit Subventionen zu steigern. Mit dem iPhone könnte aus Sicht des Marketing-Experten Harter ein Umdenken bei Unternehmen und Verbrauchern einsetzen.

Einige Experten hingegen, warnen vor überhöhten Erwartungen. Der Absatz von AT&T blieb in den ersten Tagen hinter den Analysten-Prognosen zurück und auch das iPhone ist nicht frei von Kinderkrankheiten. Die Batterie sowie das Gewicht gelten als Schwachpunkte. In der zweiten oder dritten Generation sollten diese Mängel beseitigt sein, sagt Harter. Ein anderer Experte bemerkt zudem, dass mit dem iPhone nicht alle Probleme der Branche gelöst werden können. Ein Mobiltelefon könne nicht der Heilsbringer sein, sagt er.

Telekom-Chef Obermann kann dennoch zufrieden sein, auch wenn er den Deal mit Apple nicht selbst verkünden darf. Diesen Auftritt wird Apple-Chef Steve Jobs sich nicht entgehen lassen, voraussichtlich schon in kürze, damit das iPhone im Weihnachtsgeschäft in den Läden ist, wie es im Umfeld der Unternehmen heißt. Obermann kann dann das tun, was er zuletzt tat, als er auf das iPhone angesprochen wurde: Lächeln.

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