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Mobilfunkanbieter stöhnen unter dem iPhone-Traffic

11.05.2009 | 14:34 Uhr |

Benutzer des iPhones nutzen das mobile Internet intensiver als alle anderen Handybesitzer. Die Anbieter ächzen nun unter dem mobilen Internet, dessen Siegeszug kaum mehr aufzuhalten ist.

iPhone-Nutzer surfen mit ihrem Handy im Schnitt deutlich intensiver im Netz als alle anderen Besitzer von Smartphones. Sie laden Programme aus dem App Store , Podcasts und Musik aus dem iTunes Store und surfen nicht zuletzt per Safari durch das Web. Dadurch verursachen sie vier mal so viel Datenverkehr wie vergleichbare Geräte. Laut einem Bericht des Wall Street Journals kommt dies die Mobilfunkanbieter teuer zu stehen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Daten von Comscore.

Intensivnutzer

Der Anbieter AT&T , der das iPhone in den USA exklusiv vertreibt, soll unter den ausgiebigen Surfgewohnheiten der Kunden leiden. iPhone-Kunden zahlen ebenso wie alle anderen Nutzer 30 US-Dollar für eine Datenflatrate. Gleichzeitig nutzen sie den Dienst deutlich stärker. Eine Limitierung des Datenverkehrs gibt es bei AT&T nicht - anders als in Deutschland. Mit einfachen SMS oder Telefonaten sind die Margen der Anbieter deutlich höher als mit Datendiensten. Statistiken des Anbieters Alcatel-Lucent zeigen, dass US-Handybesitzer etwa ein Drittel ihrer Online-Zeit mit Surfen verbringen, dies allein jedoch mehr als zwei Drittel des Datenaufkommens erzeugt. E-Mails nutzen die Anwender etwa genau so lange, dies erzeugt jedoch nur vier Prozent des gesamten Datenverkehrs.

Das iPhone stellt die Mobilfunkanbieter vor neue Herausforderungen. Der stark steigende Datenverkehr in den Netzen der Anbieter wird mittelfristig Investitionen erfordern, um die geforderte Datenmenge transportieren zu können. Noch arbeiten die Provider eher restriktiv. Mit Klauseln in den Verträgen schränken sie besonders intensive Nutzer ein. T-Mobile behält sich beispielsweise vor, die Übertragungsgeschwindigkeit nach 300 MB oder maximal fünf Gigabyte drastisch zu bremsen.

Mobilfunkanbieter werden Internetprovider

UMTS-Modems wie dieses machen jeden Laptop internettauglich - an fast jedem Ort.
Vergrößern UMTS-Modems wie dieses machen jeden Laptop internettauglich - an fast jedem Ort.
© Nova Media

Langfristig werden die Anbieter ihre Zügel lockern müssen. In wenigen Jahren könnten Mobilfunkanbieter zu reinen Internetprovidern für Mobilgeräte werden. Smartphones, Netbooks und Laptops; bald werden deutlich mehr Nutzer Flatrates für ihre tragbaren Geräte verlangen als heute. Klassische GSM-Technik und auch die traditionellen Tarife des Mobilfunks werden dann vielleicht völlig an Bedeutung verlieren. E-Mails statt SMS, VoIP statt Mobilfunkgespräch. Die Nutzer müssen von dieser Veränderung nicht einmal etwas merken.

Statt Grund- und Gesprächsgebühren zahlen zu müssen bleibt für die Nutzer bald vielleicht nur noch eine mobile Internetflatrate. Dazu müssten die Anbieter jedoch ihre Netze und ihre Tarifstruktur umbauen. Die Technik wäre längst so weit. UMTS-Sticks für Laptops kann man in jedem Elektrohandel kaufen, laut Gerüchten sollen die nächsten Macbooks das UMTS-Modem sogar bereits eingebaut haben. Der Internetzugang muss längst nicht mehr auf einen stationären Computer oder das heimische WLAN begrenzt sein. Die Kunden wissen das bereits, während die Anbieter noch über darüber klagen, dass die Kunden ihre Datendienste tatsächlich nutzen.

Info: Wall Street Journal

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