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iPod Nano mit Radio für 61 Euro - als Produktkopie

22.11.2006 | 16:20 Uhr |

Endlich ist er da: der iPod Nano mit integriertem UKW-Radio und voller Kompatibilität zu Windows Media. Außerdem ist er auch viel billiger geworden: Knapp 61 Euro kostet das 2-GB-Modell - ohne Versand und Zoll allerdings. Da stört es auch nicht, dass der Händler als Mindestabnahme zehn Stück fordert. Schließlich gibt es den Player und seinen kleineren Bruder mit einem Gigabyte Speicher in fünf hübschen Farben. Willkommen im Reich der Produktpiraterie.

Gestatten Sie uns einen Ausflug ins Königreich Malaysia: Dort findet sich ein Forum, in dem neben technisch Interessierten sich auch Händler finden - und als Zwischenhändler Produktkopien zum Kauf anbieten - in diesem Fall Kopien des iPod Nano der zweiten Generation, in allen fünf Farben, mit oder ohne Aufdruck, aber ganz sicher nicht von Apple lizensiert. Wären sie es, dann hätten die Geräte wohl auch den Original-Dock-Connector und keinen Mini-USB-Anschluss. Auch die Displaydarstellung ist ungewohnt bonbonbunt und von der schlichten Eleganz des Originals weit entfernt.

Wo diese Kopie ihren Ursprung hat, bleibt im Dunkeln. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Apple von Produktpiraten belagert wird. Der taiwanesische Hersteller Luxpro geriet vor anderthalb Jahren in die Schlagzeilen, als er auf der Cebit 2005 einen iPod-Shuffle-Klon namens "Super shuffle" präsentieren wollte und damit Apples Rechtsabteilung auf den Plan rief. Mittlerweile machen aber die "Piraten" nicht einmal mehr vor europäischen Küstenstädten Halt. Die ARD-Tagesthemen berichteten am Montag über aus dem Boden gestampfte Vorstädte von Shanghai, die eine so frappierende Ähnlichkeit mit europäischen Ortschaften haben, dass sich sogar deren Bewohner über die chinesische Kopierwut beschweren. Mittlerweile gehen Schätzungen davon aus, dass ein Zehntel des Welthandelsvolumens Fälschungen und Nachahmungen ausmachen. Dadurch entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden von 200 bis 300 Milliarden Euro, Experten taxieren den Schaden allein in Deutschland auf 29 Milliarden Euro und sehen 70.000 Arbeitsplätze pro Jahr in Gefahr. Neben fehlendem Umsatz sind auch Fälle von - ungerechtfertigter - Produkthaftung Jobkiller, denn längst nicht nur Konsumgüter werden im großen Stil kopiert. Nach einem Kaufhausbrand in Hongkong hatte die Versicherung an einer Elektroklemme des Hersteller Adels-Contact aus Bergisch-Gladbach den eigentlichen Brandstifter ausgemacht. Doch Untersuchungen des Herstellers ergaben im Anschluss, dass das Bauteil in China gefälscht worden war.

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