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iPod-Prozess: Löschvorwürfe gegen Apple - Klage ohne Grundlage

05.12.2014 | 10:23 Uhr |

Apple soll jahrelang Musik-Dateien auf iPods gelöscht haben, die von anderen Musik-Diensten stammten. Insgesamt steht der Prozess jedoch vor der Einstellung

In einem aktuell laufenden Kartellverfahren haben Anwälte Apple am Mittwoch vorgeworfen, in den Jahren 2007 bis 2009 Musik-Dateien auf iPods gelöscht zu haben, ohne die Nutzer darüber zu informieren. Das berichtet das Wall Street Journal.

Betroffen waren Musik-Dateien, die die Nutzer bei mit iTunes in Konkurrenz stehenden Musik-Diensten erworben hatten. Beim Versuch, den iPod mit der iTunes-Musik-Bibliothek zu synchronisieren, habe Apple eine Fehlermeldung eingeblendet, die die Anwender aufforderte, die Einstellungen zurückzusetzen. Dabei wurden dann die Songs von fremden Musik-Diensten gelöscht.

In dem seit Jahren schwebenden Verfahren geht es darum, ob Apple den Wettbewerb für Musik-Player und Musik-Downloads gestört hat. Die Kläger vertreten die Ansicht, dass Apple durch sein Verhalten höhere Preise für iPods verlangen konnte. Damit sei ein Schaden von über 350 Millionen US-Dollar für die Konsumenten entstanden.

Ein Apple-Vertreter sagte bei dem Verfahren aus, dass Apple den Nutzer nicht zu viele Informationen geben müsse, weil man sie nicht verwirren wolle. Hacker wie "DVD Jon" und "Requiem" seien der Grund dafür gewesen, warum Apple sich zu der besagten Zeit um den verstärkten Schutz von iTunes kümmerte. Die Updates, die die Nicht-Apple-Musik-Dateien löschten, sollten die Nutzer vor Angriffen auf das System schützen.

Der Prozess könnte schneller zu Ende gehen als gedacht. Die mit dem Fall betraute Bezirksrichterin Yvonne Gonzalez Rogers bezweifelt, ob überhaupt irgendeiner der Kläger zu Zeiten des DRM einen iPod gekauft habe. Apple hatte dem Gericht Dokumente vorgelegt, aus denen hervorgeht, dass die beiden Kläger keinen der in der Klage erwähnten iPods gekauft hatten. Die Anklage solle nun schnellstens neue Dokumente vorlegen: "Was erwarten Sie von mit zu tun, wenn ich keine Kläger habe?", seufzte die Richterin in der gestrigen Anhörung.

In seiner Zeugenaussage erklärte Apples heutiger iTunes-Chef Eddy Cue, wie wichtig das Digitale Rechtemanagement (DRM) namens Fair Play für Apples Erfolg war. Den Kopierschutz, dessen Nebenwirkung das Aussperren anderer Anbieter war, habe Apple selbst verabscheut. Man habe das DRM aber einführen müssen, um die Musikindustrie zum iTunes Music Store zu überreden. Fünf Firmen hätten seinerzeit 80 Prozent des gesamten Geschäfts bestimmt.

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