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iPod-Touch-Update: Warum 18 Euro zu viel sind

17.01.2008 | 14:17 Uhr |

Das Software-Update für den iPod Touch soll rund 18 Euro kosten. Wer zukünftig die gleichen Programme wie Besitzer eines iPhones nutzen möchte, soll zur Geldbörse greifen. Meint Apple.

Sicher, wer sich einen Touch zugelegt hat, möchte gerne Google Maps an einem Hotspot aufrufen oder das mobile Mail nutzen. Das wertet den Player deutlich auf. Andererseits, iPod Touch und iPhone sind sich technisch so ähnlich, dass es ohnehin unverständlich war, dass der Player – vom Telefonieren abgesehen – weniger können sollte als der „große“ Bruder. Apple hätte den Player von Anfang an mit der gleichen Funktionalität ausstatten können. Das Unternehmen hat sich dagegen entschieden. Ein Grund dürfte im Marketing liegen: Man wollte zu Beginn so wenig potenzielle iPhone-Käufer wie möglich verlieren.

Die Buchhalter im Unternehmen, die Aktionäre dürften sich die Hände reiben. 18 Euro abzüglich Steuern kann Apple mehr oder weniger als Reingewinn verbuchen. Von gesetzlich vorgeschriebenen Abgaben wie noch beim Update für Draft-n ist keine Rede. Das ist ein erträgliches Geschäft, sollte ein Großteil der Käufer das Update erwerben.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Apple ist keine Nichtregierungsorganisation, die hehre Ziele verfolgt, oder ein gemeinnütziger Verein. Apple ist ein an der Börse notierter, gewinnorientierter Konzern. So weit, so gut.

Man hat allerdings den Eindruck, dass Apple in letzter Zeit den Verbraucher aus dem Auge verliert. Das iPhone hat den Konzern weltweit in die Schlagzeilen gebracht und markiert endgültig den Eintritt in den Massenmarkt. Der Medienrummel ist den Managern in Cupertino offenbar zu Kopf gestiegen.

Kurz nach Markteinführung senkt Apple in den USA den Preis für das iPhone. Erst als die Käufer der ersten Stunde aufschreien, gibt Apple nach und erstattet die Preissenkung in Form von Gutscheinen. In Europa setzt der Konzern seine Forderungen nach Umsatzbeteiligungen rigoros durch und erwirkt bei den Providern in Europa Mobilfunkverträge, die gelinde gesagt hochpreisig sind. Und jetzt das kostenpflichtige Software-Update für den iPod Touch.

Das Geschäftsgebahren scheint Methode zu haben. Aber hier lauern Gefahren für den in den jüngsten Jahren rasant gewachsenen Konzern. Im Massenmarkt sind die Kundenbindungen fragiler als zu Zeiten, als man fast ausschließlich loyale Fans bedient hatte. Und wer die Erfahrung macht, dass er nicht nur mit schnellen Preissenkungen, sondern obendrein mit kostenpflichtigen Updates rechnen muss, wird das nächste Mal mit dem Kauf eines iPods oder Rechners vielleicht warten. Oder gar zu einem Produkt der Konkurrenz greifen.

Und hier liegt die Gefahr. Wer die Kunden aus den Augen verliert für den schnellen Gewinn, gefährdet seinen langfristigen Erfolg. Das gilt auch für einen Konzern wie Apple. Und darum könnte die Updategebühr dem Unternehmen auf lange Sicht mehr schaden als nutzen. Weil 18 Euro zu viel sind für ein Gerät, das erst seit ein paar Monaten im Handel ist.

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