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iTunes 4-Bibliotheken über das Internet geteilt

13.05.2003 | 14:09 Uhr |

Programmierer haben die Rendezvous-Funktionen von Apples Jukeboxsoftware erweitert. Durch die Hintertür könnten so neue Tauschbörsen entstehen.

Eine der wesentlichen neuen Funktionen von iTunes 4 ist die Integration von Rendezvous in die Jukeboxsoftware. In einem LAN können damit Anwender auf Bibliotheken anderer an das Netz angeschlossener iTunes-4-Nutzer zugreifen. Die Songs lädt der Client dabei nicht vom Server herunter, iTunes 4 sendet lediglich einen Stream von einem zum anderen Rechner, ähnlich wie ein Web-Radio. Findige Programmierer haben nach einem Cnet-Bericht   nun tatsächlich Wege gefunden, die LAN-Beschränkung zu umgehen und iTunes-Bibliotheken auch über das Internet zu verbreiten.

So hat die Website Spymac einen auf iTunes 4 basierenden Sharing-Dienst aufgebaut , und die Software iTunes Tracker dient als Peer-to-Peer-Client und baut die Verbindung zu einem zentralen Server nur dann auf, wenn der Anwender seine eigene iTunes-Bibliothek für andere frei gegeben hat.

Der Haken an der Sache ist jedoch nicht nur technischer Natur. Die im Spymac-Dienst aufgelisteten Server glänzen meist durch Abwesenheit, gelingt es iTunes 4, eine Verbindung aufzubauen, ist die Datensatzrate des Streams oft zu niedrig, um dauerhaft Musik übertragen zu können. Den zentralen Server, mit dem sich iTunes Tracker zu verbinden versucht, haben wir trotz mehrerer Anläufe nicht erreichen können.

Schwerwiegender gestalten sich die rechtlichen und administrativen Probleme. Cnet gegenüber stellte ein Apple-Sprecher klar, dass iTunes zu "nichts anderem gedacht" sei als für den privaten Gebrauch. Eine Dokumentation der in iTunes integrierten Streaming-Technologie hat Apple nicht veröffentlicht, die Anstrengungen der Programmierer, diese für Web-Sharing einzusetzen, werde man in Cupertino "beobachten" aber nicht weiter kommentieren.

Gerade der iTunes Music Store hat die Plattenindustrie nachhaltig begeistert als ein Weg der legalen Distribution von Musik, nachdem Apple vor zwei Jahren mit dem Slogan "Rip. Mix. Burn." die Major-Labels nachhaltig verschreckt hatte. Peer-to-Peer-Filesharing durch eine Hintertür von iTunes 4 dürfte die Jobs-Company wenig erfreuen, zumal derzeit Verhandlungen über eine Ausweitung des iTunes Music Store außerhalb der USA mit der Industrie anstehen.

Schon einmal hatte Apple einen Versuch des Filesharings via iTunes unterbunden. Im Januar untersagte der Mac-Hersteller dem Shareware-Autoren James G. Speth die Verbreitung des Tools iCommune, mit dem man seine Bibliotheken im Internet zur Verfügung stellen konnte. Dabei konnte Apple anführen, der Programmierer habe missbräuchlich originale Apple-APIs verwendet. Speth hat daraufhin seine Applikation neu programmiert und bietet diese nun als Stand-Alone-Applikation an. Mit der derzeitigen Version von iCommune ist jedoch kaum ein die Musikindustrie provozierende Tauschbörse aufzubauen - eine Suchfunktion fehlt dem Programm, eine Verbindung zu einer Musiksammlung im Web gelingt nur, falls die genaue URL des Rechners bekannt ist.

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