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Apples Radiodienst: iTunes Radio

10.06.2013 | 22:37 Uhr |

iTunes Radio stellt Sender nach dem eignen Musikgeschmack zusammen. Der Dienst orientiert sich auch an Titeln aus iTunes Match

Auf der WWDC 2013 hat Apple einen neuen kostenlosen Internetradiodienst namens iTunes Radio vorgestellt, der allerdings erst ab Herbst 2013 verfügbar sein wird und vorerst auf die USA beschränkt bleibt. Bei iTunes Radio handelt es sich um ein personalisiertes Internet-Radio. Beim Öffnen von iTunes bekommt der Nutzer Sender angezeigt, die aus der Musikrichtung zusammengesetzt sind, von denen er bereits Musiktitel besitzt beziehungsweise die er schon einmal bei iTunes gehört hat. Ähnliches kennt man schon von Genius, bei der sich die Vorschläge aus den gekauften Titeln zusammensetzen. Die Sender sind nach bestimmten Genres unterteilt. Der Nutzer kann nach Lieblingssongs, Genre oder Künstler suchen und iTunes Radio erstellt daraus eigene Sender. Gefällt einem der Song nicht, kann man ihn überspringen. iTunes Radio umfasst über 200 Sender und unterstützt den gesamten Musikkatalog aus dem iTunes Store.
 
Im Gegensatz zur Ankündigung eines neuen Mac Pro oder der Bezeichnung „Mavericks“ für das neue Apple-Betriebssystem war iRadio jedoch keine große Überraschung. Das Gerücht, Apple könnte einen eigenen Online-Radiodienst starten kam auf, als im Frühjahr 2013 einige Hacker beim Jailbreakvon iOS 6.1 in den Systemdateien der Musik-App spezielle Icons gefunden haben , die wie ein Sendemast mit Funkwellen aussahen. Der Markteintritt von „iRadio“ , wie die Medien diesen Musikdienst nannten, zog sich deshalb in die Länge, weil Apple sich noch in Verhandlungen mit den großen Plattenfirmen befunden hat. Nachdem seit einigen Tagen neben Universal und Warner jetzt auch Sony unterschrieben hat, war der Startschuss für iTunes Radio freigegeben. Sony hat unter anderem die Rechte an Songs von Michael Jackson, Lady Gaga oder den Beatles.

Das kann iTunes Radio

  • Streamen von sämtlichen Musiktiteln aus dem iTunes-Store

  • Kostenlos, mit Werbung

  • Werbefrei für iTunes Match-Kunden (24,99 Euro pro Jahr)

  • Musikempfehlungen nach gekauften und gehörten Titeln, Orientierung an Musikbibliothek in der iCloud

  • Überspringen von einzelnen Titeln

  • Integration in iTunes

  • Nutzung auch über den Webbrowser

  • Musiktitel direkt bei iTunes kaufen

iTunes-Match-Integration


Je öfter man Songs über iTunes hört oder kauft, verspricht Apple, desto ausgefeilter und genauer soll der jeweilige Sender an den eignen Musikgeschmack angepasst sein. Optimale Ergebnisse erhält man, wenn man iTunes Match nutzt, das für 24,99 Euro im Jahr zu haben ist. Da der Nutzer in iTunes Match seine gesamte Musiksammlung in die iCloud importiert und dazu auch Musikstücke gehören können, die nicht über iTunes gekauft worden sind, kann iTunes Radio die Playlisten noch individueller erstellen.
 
Siri ist in dem neuen Radio-Dienst ebenfalls integriert und lässt sich per Spracheingabe steuern. Der Nutzer kann mit „Wer spielt diesen Song?“ nach dem Künstler fragen, oder mit „Spiele Jazz Radio“ einen Sender starten.  Es ist auch möglich, per Sprachbefehl einen Song anzuhalten oder zu überspringen. Ob die maximale Anzahl des Vorspulens begrenzt ist, ist allerdings unklar.  
 
Neben der intelligenten Spracheingabe bietet iTunes Radio auch Vorab-Hörproben beziehungsweise Premieren von Künstlern.
 
iTunes Radio ist in die iTunes-App integriert und wird sowohl auf allen iOS-Geräten wie iPhone, iPad und Apple TV als auch auf Mac und PC zur Verfügung stehen. Über den Web-Browser lässt sich iTunes Radio nicht nutzen.
 

Käufe im iTunes Store ankurbeln  

Video-Streaming ist über Watchever längst möglich, nun bietet Apple mit iTunes Radio auch einen eigenen Musikstreaming-Dienst an. Im Gegensatz zum Download werden beim Streaming die Titel nicht auf dem Rechner gespeichert, sondern über dem Server des externen Anbieters abgespielt. Der Song bleibt nicht auf dem Gerät, wodurch es Raubkopierer deutlich schwerer haben.
Apple setzt nicht zuletzt deshalb auf Musik-Streaming, um die Verkäufe im iTunes Store anzukurbeln, denn selbstverständlich lassen sich alle Songs, die man gerade über iTunes Radio hört, auf Knopfdruck kaufen. 
 
Spotify , Rdio oder Simfy sind nur einige Beispiele von erfolgreichen Musikstreaming-Diensten. Im Falle von iTunes Radio sollten jedoch die Gerüchte recht behalten, denn Apples neuer Internetradiodienst lehnt sich stark an Pandora an. Pandora verfügt über 200 Millionen Nutzer-Accounts und ist der populärste Musikstreaming-Dienst in den USA. Er ist ähnlich wie Last.fm aufgebaut. Bei Last.fm und Pandora trägt man bei der Anmeldung seine Lieblingskünstler ein und legt Favoriten fest. Anhand dessen bestimmt das Programm die Auswahl der Musiktitel. Ein gezieltes Suchen nach einem bestimmten Song ist nicht möglich. Der Nutzer kann bei Pandora maximal sechs Titel pro Stunde überspringen.
 
Bei Rdio, Simfy oder Spotify kann der Hörer sämtliche Musiktitel seiner Wahl abspielen. Bei kostenlosen Accounts wird die Auswahl der Songs beschränkt und zwischen den einzelnen Titeln gibt es Werbeeinblendungen. Gegen Gebühr lassen sich die Songs auch auf anderen Geräten wie iPhone oder iPod abspielen.
 
Musik-Streaming ist unter den Künstlern selbst umstritten. Nichtsdestotrotz wird Streaming für die Musikbranche immer wichtiger. Laut Bundesverband der Musikindustrie werden etwa ein Fünftel aller Umsätze mit Downloads oder Streaming-Angeboten erzielt. 2012 haben die Einnahmen aus dem Online-Geschäft um 20 Prozent zugelegt, die digitalen Umsätze machen 20,5 Prozent aus. Der Umsatz mit speziellen Musikabos kletterte im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 36 Millionen Euro. Streaming-Angebote machen als Zusatzgeschäft 2,5 Prozent des Gesamtumsatzes aus und sollen den Verkauf weiter ankurbeln. Einige Musiker würden gern mehr vom Streaming profitieren, indem sie die Nutzerdaten der Käufer für Marketingzwecke zur Verfügung gestellt bekämen. Da aber nicht einmal mehr App-Entwickler diese Daten zur Verfügung gestellt bekommen ist es fraglich, ob Apple den Künstlern diesem Wunsch gerecht werden wird.

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