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iTunes öffnet sich

28.07.2004 | 16:19 Uhr |

Zumindest im Musikmarkt scheint Apple sich auf eine ungewohnte Strategie einzulassen. Statt stur auf die Produkte aus dem eigenen Hause zu setzen, generiert Steve Jobs positive Signale durch taktische Kooperationen mit alten Bekannten.

Noch vor wenigen Monaten gab es aus Fachkreisen harsche Kritik an Apples Zwangskombination aus iTunes und iPod. Wer seine Musikbibliothek mit iTunes auf einem Mac oder Windows-PC verwaltet, kann diese derzeit nur auf Apples mobilen Musikplayer kopieren. Mit digitalen Medien-Jukeboxen anderer Hersteller kann iTunes seit Existenz des iPods nichts anfangen. Einige Geräte lassen sich unter Mac-OS oder Windows nach der Verbindung wie ein gewöhnliches Wechsellaufwerk ansprechen, allerdings muss der Benutzer in diesen Fällen eine MP3- beziehungsweise AAC-Dateien mühsam manuell auf den Player kopieren.

Mit der neuen Kooperation zwischen Motorola und Apple weicht diese Vorgabe erneut auf. Nicht nur der kommende iPod-Klon von Hewlett Packard, der offiziell auf der Apple-Hardware basiert, soll mit iTunes zusammen arbeiten, auch alle kommenden Consumer-Mobiltelefone von Motorola bekommen über eine spezielle Handy-Version von iTunes Kontakt zur digitalen Musikjukebox von Apple. Details zu dieser Software gibt es derzeit noch nicht, aus dem aktuellen Handy-Angebot von Motorola lassen sich jedoch einige Dinge ableiten.

Motorolas A840 hat bereits eine MP3-Player-Software eingebaut, auf Basis von Symbian OS.
Vergrößern Motorolas A840 hat bereits eine MP3-Player-Software eingebaut, auf Basis von Symbian OS.
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Motorola setzt im aktuellen Portfolio vor allem auf das Betriebssystem Symbian OS, das auch bei Sony, Nokia und Konsorten zum Einsatz kommt. Einige wenige Modelle, wie das neue MPx200, basieren auf Microsofts "Windows Mobile"-System, richten sich mit ihrem Funktionsumfang allerdings eher an die Business-Kunden. Mit eingebautem MP3-Player sind derzeit die Modelle E365 sowie A835 ausgestattet. Auf ähnlichen Mobiltelefonen soll auch die "iTunes Mobile"-Software von Apple laufen, wobei die Daten-Synchronisation über USB oder Bluetooth ablaufen soll. Bei der Windows-Variante (MPx200) steckt der Windows Media Player 9 in einer speziellen Variante zum Video- und Audio-Playback an Bord. Theoretisch muss Apple nun eine Applikation für Symbian OS entwickeln. Obwohl Suns plattformübergreifende Programmiersprache Java auch für dieses Betriebssystem verfügbar ist, scheint dieser Weg technisch keine Lösung zu sein - die Hardware-Auslastung beim Decodieren von MP3- oder AAC-Dateien in Echtzeit treibt die heutigen Handy-Hauptprozessoren an den Rand des Machbaren, Java würde sich in diesem Fall als unerwünschte Bremse erweisen. Aber auch eine Portierung auf "Windows Mobile" ist denkbar: Microsoft Programmierumgebungen sind für einen solchen Fall bestens gerüstet, der Weg von "iTunes für Windows" zu "iTunes Mobile" sollte für erfahrene Windows-Entwickler nicht schwierig sein.

Analysten und Brancheninsider sehen in der neuen Kooperationsbereitschaft von Apple zumindest einen guten Weg, Apple endgültig aus dem Nischenmarkt zu katapultieren. Durch die neue Offenheit können wesentlich mehr Benutzer iTunes vernünftig einsetzen, ohne sich an die Musikplayer-Hardware aus Cupertino zu binden. Auf diesem Wege ist es durchaus möglich, dass bei vielen Anwendern das "Apple-Erlebnis" weitere Kaufwünsche in Sachen Hardware auslöst. Schon beim Erscheinen von iTunes für Windows sprachen Insider vom "trojanischen Pferd" in der Windows-Welt - die Zusammenarbeit von Apple mit Motorola im Bereich Mobiltelefone ist ein weitere Schritt, um mittelfristig mit dieser Strategie Erfolge zu sichern.

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