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iTunes zu liberal für Hollywood - Universal möchte an iPod-Verkäufen beteiligt werden

30.11.2006 | 10:50 Uhr |

Wer pro Jahr 40 Millionen MP3-Player verkauft wie Apple mit seinen iPods, der weckt Begehrlichkeiten in der Musikindustrie. Und wenn Universal Music mit Microsoft einen Deal abschließt und pro verkauften MP3-Player einen US-Dollar einstreicht, dann ahnt man schon, wohin die Reise geht: Universal-Chef Doug Morris wünscht sich eine Ertragsbeteiligung an den iPod-Verkäufen

iTunes 7 Movies
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© Apple

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters machte er klar, dass das Ein-Dollar-pro-Player-Konzept auch bei den kommenden Verhandlungen mit Apple auf der Agenda stehen wird. Derweil werden aus der Filmbranche die Forderungen lauter, das bislang liberale iTunes-DRM strenger zu fassen.

Einem Bericht der Londoner Finacial Times zufolge haben Universal, 20th Century Fox, Paramount und Warner Bros große Bedenken, Spielfilme über den iTunes Store zum Download anzubieten, wenn Apple an der bestehenden Rechtepolitik nichts ändert. Gegenwärtig können Mediendateien aus dem iTunes Store auf insgesamt fünf Computern zur Wiedergabe vom Lizenznehmer freigeschaltet werden und von diesen fünf Computern an an eine unbegrenzte Anzahl von iPods weitergegeben werden. Die Zeitung zitiert einen Verhandlungsteilnehmer mit der Forderung, dass Apple ein neues Lizenzmodell für die Auslieferung von Spielfilmen entwickeln müsse. Bei durchschnittlichen Produktionskosten eines Blockbusters in Höhe von 100 Millionen US-Dollar hätte die Filmindustrie mehr zu verlieren als die Plattenlabels. "Wir wollen das Geschäft gerne machen, aber wir sind erpicht auf Zugeständnisse seitens Apple, die den Werteunterschied zwischen Musik- und Fernsehinhalten einerseits und Spielfilmen andererseits ausgleichen." Bislang können US-Kunden im iTunes Store Spielfilme zum Kauf erwerben - für 10 bis 15 US-Dollar und nur aus dem Disney-Konzern. Microsoft hat für Xbox-Besitzer eine Alternativangebot: Der Download eines Spielfilms kostet hier knapp vier US-Dollar - dafür erlischt die Lizenz zum Schauen allerdings auch nach 24 Stunden. Apple-Chef Steve Jobs hat sich stets gegen ein Miet-Modell beim iTunes-Angebot - insbesondere in der Musikabteilung - gewehrt: In seinen Augen will der User Musik besitzen, also eine dauerhafte Lizenz erwerben. Zu verlockend wäre sonst das Angebot aus illegalen Tauschbörsen, in denen längst auch Spielfilme in großer Auswahl zu finden sind. Wer sich dort bedient, hat auch kein Verfallsdatum auf der Datei. Völlig offen bleibt das Rennen um das größere Angebot und das liberalere Rechtemanagement: Beides - so scheint es nach diesen Berichten - wird es in Zukunft nicht gleichzeitig geben. Ein für die Medienindustrie beruhigendes Signal kommt derweil aus Russland: Der Musikdienst AllofMP3.com steht vor der Auflösung. Damit haben die Vereinigten Staaten ein Ziel im Kampf gegen Musikpiraterie erreicht. Die russische Regierung statuiert an der Abschaltung des Musikdienstes ein Exempel, um eine der Forderungen auf dem Weg zur Vollmitgliedschaft in der Welthandelsorganisation zu erfüllen.

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