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iPhone 6S (Plus), iPad Pro und Apple TV

09.09.2015 | 21:00 Uhr |

Gleich für drei Produktkategorien bringt Apple wesentliche Updates: Ein Riesen-iPad, ein völlig neues Apple TV und weiterentwickelte iPhones.

Mit Vorreden hat sich Apple heuer nicht lange aufgehalten und langatmige Präsentationen und Produktviseos auf das Wesentliche reduziert. Gleich drei seiner Produktkategorien hat Apple einer teils intensiven Überarbeitung unterzogen und jede Minute der über zweistündigen Keynote mit neuen Informationen gefüllt. Fast neuen, denn von den meisten Innovationen hat man schon im Vorfeld erfahren. So wie Bundestagswahlen manchmal nur die Vorhersagen der Demoskopen bestätigen, führte Apple heute seine Keynote vor, will man beinahe meinen. In den Details finden sich auch einige Überraschungen.

Konkret zeigte Apple nicht nur das evolutionär weiterentwickelte iPhone 6S (Plus), das mit 3D Touch eine neue Art der Interaktion bringt und mit einer Art Serienbildfunktion für animierte Fotos überrascht, sondern auch das iPad Pro, das dem schwächelnden Tablet-Sektor auf die Beine helfen soll. Das Apple TV schließlich definiert nach Wunsch Apples das Fernsehen neu, mit einer Fernbedienung, die gleichzeitig als Gamecontroller Einsatz findet, Sprachsteuerung und vor allem einem App Store. Die Apple Watch bekommt zudem einige neue Designs. Kein Wort verloren hat Apple zum Mac und zu OS X El Capitan (hat aber auf seiner Website bekannt gegeben, dass das neue Mac-Betribessystem am 30. September zum Download bereit steht), eine eigene Veranstaltung dafür scheint nach der reichlich vollgestopften Keynote von heute aber eher unwahrscheinlich. Im Folgenden die Chronologie der Ereignisse und Verweise zu den detaillierten Betrachtungen der neuen und überarbeiteten Produkte.

Größte Keynote der Geschichte

Für seine Keynote hatte Apple in diesem Jahr das Bill-Graham-Auditorium in San Francisco gemietet, 7000 Gäste sind zur bislang größten Liveveranstaltung der Unternehmensgeschichte erschienen. Apple überträgt die Keynote in diesem Jahr nicht nur über Apple TV und seine Website weltweit, sondern erstmals auch für Nutzer von Windows XP. Die Hintergrundmusik vor Beginn des Events steuert diesmal der eigene Sender Beats 1 bei, nicht mehr Coldplay oder John Mayer oder U2 tönen aus den Boxen. Zum Ende der Veranstaltung wird dann mit One Republic eine Band auftreten, die wohl kein Gehemtipp mehr ist aber auch kein etablierter Superstar, der Kontroversen auslöst wie U2 im vergangen Jahr.

Tim Cook hält sich heuer aber nicht lange mit Vorreden auf und geht gleich in medias res. "Monster-Ankündigungen über alle unsere Produktlinien" habe man vor. COO Jeff Williams darf zu Beginn ein wenig über die Apple Watch erzählen, die mit dem neuen Betriebssystem Watch OS 2 erstmals Apps von Dritten nativ ausführen kann. Vorbereitet für die Apple Watch hat etwa Facebook seinen Messenger oder die Hersteller der GoPro eine App, mit der man das Bild der Action-Cam kontrollieren kann. Für die Apple Watch haben aber auch Gesundheitsexperten Lösungen entwickelt - diese Apps können nun auch auf Daten der Sensoren, insbesodere des Pulssensors zugreifen.

Armbänder von Hermes

Apple sieht die Apple Watch aber nicht nur als Gesundheitsapparat, sondern auch als Modeaccessoire. Zusammen mit Hermes hat Apple einige neue Uhren entwickelt - also das Design der Apple Watch erweitert. Hermes steuert dazu Armbänder bei, Apple liefert mit dem Watch OS die jeweils passenden Zifferblätter mit. Damit aber nicht genug: Die Apple Watch Sport bekommt zwei neue Aluminiumgehäuse in goldener und rosegoldener Farbe. Der Preis für die Uhr bleibt unverändert, das gleiche kostet auch eine Apple Watch als Product Red. Die neuen Uhren sind ab sofort in 24 Ländern erhältlich, Watch OS 2 kommt am 16. September.

"Die größte News für den iPad seit dem iPad"

Apple unternimmt etwas gegen den Umsatzrückgang im Tablet-Segment und erweitert das Portfolio. Das iPad bekommt einen großen Bruder, das iPad Pro. Phil Schiller erklärt die Details des Riesendings: Was soll vor allem das größere Display? Die Erklärung: Ein Tablet muss nicht in die Tasche passen. Das größere iPad beschert nicht nur ein besseres Erlebnis beim Betrachten von Filmen und Fotos, die größere Flächerermöglicht auch einen besseren Zugang zu allen anderen Funktionen. Die virtuelle Tastatur bekommt mehr Platz und das Format von 12,9 Zoll erlaubt es, zwei für das iPad Air gedachte Apps nebeneinander laufen zu lassen. 5,6 Millionen Pixel hat Apple auf dem Bildschirm untergebracht. Im Inneren arbeitet der 64-Bit-Chip A9X, der 1,8 mal schneller sein soll als der A8X - "Desktop-Klasse", jubelt Schiller. Auch die Grafikleistung ändert sich sprunghaft und habe mittlerweile das 360fache des originalen iPads von 2010 erreicht. "Das iPad Pro ist schneller als 90 Prozent aller Mobilrechner," behauptet Apples Marketingchef. Die höhere Leistung erfordert auch eine stärkere Batterie, diese soll zehn Stunden lang durchhalten. Erstmals bekommt ein iOS-Gerät auch Stereosound für seine Lautsprecher, von denen das iPad Pro in seinem 6,9 Millimeter dünnen Gehäuse vier untergebracht hat, die sich nach der Orientierung des Gerätes richten.

Zwar soll die virtuelle Tastatur einen besseren Zugang zu Texten ermöglichen, Apple bringt aber noch passendes Zubehör für Vielschreiber. Das "Smart Keyboard" ist im Wesentlichen eine Tastatur, die in einem Samrt Cover untergebracht ist. Daten und Strom tauscht das Smart Keyboard über eine neue Schnittstelle aus, mit der sie magnetisch koppelt und über die Verbindung Daten und Strom überträgt. Bluetooth ist hier nicht im Spiel, die Peripherie benötigt keine eigene Batterie. Mehr zum iPad Pro lesen Sie hier .

"Who wants a stylus?" - "Phil!"

Achteinhalb Jahre nach dem ersten iPhone bricht Apple mit einem Paradigma. Für das iPad Pro bringt Apple mit dem Apple Pencil einen Eingabestift (Stylus), den Steve Jobs seinerzeit mit großem Spott abgelehnt hatte. Der Apple Pencil versteht sich auf den ausgeübten Druck und misst auch die Orientierung im Raum. Ab Werk sind Apples eigene Apps wie Notizen oder Mail für den Pencil vorbereitet, Entwickler haben nun die Gelegenheit, Lösungen dafür zu programmieren. "Eine der fortschrittlichsten unserer Entwicklungen und eine unglaublich hübsche Form," schwärmt Schiller über den Stift, den Kirk Koenigsbauer, Produktchef für Office bei Microsoft, als Erster vorführen darf.

Microsofts Office-Anwendungen verstehen sich auch schon auf den Stift, mit dem man Menüs aufrufen kann und Notizen handschriftlich in Tabellen, Texte und Präsentationen setzt. Viel weiter geht Adobe mit seinen für das iPad Pro angepassten Apps, wie Adobes Eric Snowden zeigt. Ein neues Layoutprogramm namens Adobe Comp erstellt Layouts auf dem iPad Pro, in Photoshop Fix und Photoshop Sketch sind komplexe Bildbearbeitungen und Zeichnungen möglich. Aufladen lässt sich der Pencil über einen in die Kappe integrierten Lightning-Connector. 15 Sekunden lang so an das iPad angeschlossen, soll die Ladung für 30 Minuten halten, ein voll aufgeladener Stift hält laut Apple 12 Stunden lang durch.

Das iPad Pro kommt in silber, gold und sapcegray für 799, 949 und 1079 US-Dollar (32 GB und 128 GB Wi-fi, 128 GB Wi-Fi + Cellular), ist aber erst im November zu kaufen. Der Eingabestift Apple Pencil ist nicht inklusive, sondern kostet 99 US-Dollar, genau so wie das Smart Keyboard. Zugleich bringt Apple das iPad Mini 4, das nichts weiter ist als ein geschrumpftes iPad Air 2 und ab 399 US-Dollar kostet. Als Einsteigermodell bleibt das iPad Mini 2 im Angebot. Mehr zum iPad Pro lesen Sie hier .

Fernsehen: Apple TV mehr als ein Hobby

Mehr und mehr Inhalte werden heute für das Fernsehen produziert, die Zukunft des TV sei aber die App, meint Tim Cook. Schon heute würden viele Inhalte auf mobilen Geräten wie iPhone und iPad konsumiert, das zentrale Gerät im Wohnzimmer hat aber nicht ausgedient. Von daher bringt Apple dafür eine leistungsfähige Hardware mit "modernem OS". Das neue Apple TV bringt eine neue Benutzerführung, bei der Siri und eine tochfähige Fernbedienung die wesentlichen Rollen spielen. Hinzu kommen ein App Store und eine Entwicklungsumgebung. Mit der sich nicht nur Medien-Apps erstellen und anpassen lassen, sondern vor allem auch Spiele.

Eddy Cue zeigt die Details: Die neue Fernbedieung erinnert in ihrer Form und Farbe entfernt an den ersten iPod Nano, hat aber in ihrer oberen Hälfte eine berührungsempfindliche Glasfläche, mit deren Hilfe man präzise über die Oberfläche auf dem entfernten TV-Gerät streichen kann. Sogar die Lautstärke des Fernsehapparates kann man damit steuern. Die Spracherkennung Siri hilft dabei, neue Shows oder bestimmte Serienfolgen schneller aufzurufen und ist nicht nur in den Apps von Apple zu verwenden, sondern auch denen von Netflix und Co. Eine App für Apple Music ist auf dem neuen Apple TV nun auch integriert.

Siri kann auf Befehl auch innerhalb von Sendungen hin und her springen und sogar Untertitel oder andere Informationen zu den Filmen und TV-Shows zeigen. Siri verfeinert sogar die Suche nach James-Bond-Filmen und listet nur die mit Sean Connery als Geheimagent ihrer Majestät auf. Erste Entwickler haben bereits Zugriff auf das neue tvOS erhalten und etliche Apps in Vorbereitung. Guitar Hero kommt auf das Apple TV, wie auch ein neues Star-Wars-Spiel oder eine Fitness-App, die mit der Apple Watch zusammenarbeitet.

Das neue Apple TV könnte die Renaissance des Fernsehapparates einleiten, als zentrale Medienstation und gleichzeitig Spielkonsole für Casual Games. Auch Multiplayerspiele sind mit tvOS möglich, man benötigt eben weitere Fernbedienungen. Diese reagiert auch auf Bewegungen, wie das Spiel "Beat Sports" zeigt, eine wilde Mixtur aus Rückschlag- und Musikspiel. Noch in diesem Herbst wird man in Wohnzimmern zum Takt von Musik virtuelle Tennisbälle auf virtuelle Monster schleudern. Auch iPhone und iPod Touch sind für die Spielesteuerung gedacht.

Mit Apps wie GIlt wird das Apple TV zudem zum virtuellen Kaufhaus. Mittelfristig wird man mit dem Apple TV alles machen können, was auch mit iPhone oder iPad geht. Nur eben auf einem viel größeren Bildschirm, den viele Personen gleichzeitig einsehen.

Live-Sport auf dem Apple TV

Schön und gut, aber was ist mit Events, die Liveübertragungen erfordern und im Nachklapp weniger spannend sind, also etwa Sport? Die Baseballliga NBL zeigt ihre App. Die Live-Spiele sieht man natürlich nur gegen Bezahlung, bekommt auf dem Aple TV aber so viele zusätzichen Statistiken wie nirgends sonst. Die UEFA Championsleague wird man in Cupertinao aber nicht so auf dem Schirm haben, fürchten wir. Dabei böte die Infrastruktur eine einmalige Gelegenheit, einzelne Spiele zu vermarkten. In Deutschland muss man immer noch Sky abonnieren, für einen hohen Preis. A propos Preis: Mit 32 GB Speicher kostet das neue Apple TV 149 US-Dollar, mit 64 GB 199 US-Dollar. Ab Ende Oktober ist das Gerät im Handel, bis dahin sollten auch mehr Entwickler ihre Lösungen beisammen haben. Mehr zum Apple TV lesen Sie hie r.

Neue iPhones: Auch in rosa und mit 3D Touch

Apple-CEO TIm Cook betont, dass das iPhone deutlich stärker wächst als der Gesamtmarkt, vor allem in China hat Apple im letzten Jahr stark zugelegt. Die iPhone-Kunden seien auch die zufriedensten. Wie erwartet heißt die neue Generation iPhone 6S und iPhone 6S Plus, die erwartete evolutionäre Entwicklung. "Wir haben alles geändert", betont Cook dennoch, "es handelt sich um die fortschrittlichsten Smartphones der Welt." Als vierte Farbe kommt rosegold hinzu, gold, silber und grau bleiben.

3D Touch nennt Apple wie zuletzt kolportiert die Erweiterung von Multitouch. Die neuen Telefone reagieren nun auch auf unterschiedlich starken Druck. Über den Homescreen kommt man damit etwa auf oft genutzte Funktionen, hält man eine Mail länger gedrückt, bekommt man eine Vorschau des Inhalts, drückt man weiter, ruft man diesen Inhalt auf. So muss man Apps nicht mehr verlassen und kommt nach Beenden des Drucks wieder zum ursprünglichen Zustand zurück. Den Wechsel zwischen Apps soll 3D Touch ebenso erleichtern.

Einige Dritthersteller haben bereits Lösungen entwickelt, etwa Dropbox, Facebook und Instagram, mit denen man gewisse Interaktionen direkt vom Homescreen aus erledigen kann. Aber besonders freuen sich Spielehersteller über die neuen Möglichkeiten von 3D Touch.

In den neuen iPhones arbeitet der 64-Bit-Prozessor A9, der eine 70-prozentige Geschwindigkeitserhöhung verspricht und sogar eine um 90 Prozent verbesserte Grafikleistung. Überarbeitet hat Apple zudem den M9-Koprozessor. Siri meldet sich nun auch dann auf den Anruf "Hey, Siri", wenn das Telefon nicht mit der Stromversorgung verbunden ist. Die iSight-Kamera löst nun mit 12 Megapixel auf, was die Optik und die Elektronik vor neue Herausforderungen stellt, damit die Pixel nicht überlappen. Apple hat die neuen iPhones bereits Profifotografen mitgegeben, deren Bilder hervorragende Farben und geringes Rauschen zeigen sollen. Die Kamera kommt auch bei schwierigen Lichtverhältnissen zurecht und zeigt beeindruckende Details. Selbst 4K-Videos kann die neue Kamera aufzeichnen. Selfies werden besser, dank einer 5 Megapixel fassenden Facetimekamera. Der "Blitz" der Facetimekamera wird nun auch deutlich heller: Das Display leuchtet stark auf, sobald man bei schlechten Lichtverhältnissen sich selbst ablichtet.

Live Photos ist eine neue, faszinierende Funktion, zwischen Foto und Film angesiedelt. Live Photos zeigen auf Druck kurze Animationen, die man schon bei der Aufnahme erstellt hat. In der Grundeinstellung nimmt das iPhone 6S (Plus) eine kurze Serie auf und dazu sogar den Ton. Das Bild ist nach wie vor als 12-Megapixel-Aufnahme enthalten, es handelt sich also nicht um einen Film. Vermutlich speichert das iPhone nur ein vollaufgelöstes Bild und die Änderungen zu den weiteren Frames. Etwa eine halbe Sekunde dauert die Animation, das sollten etwa zwölf Frames sein.

Die neuen iPhones kosten mit Zweijahresvertrag 199, 299 und 399 US-Dollar (6S) und 299, 399 und 499 US-Dollar (6S Plus). Die nunmehr alten iPhone 6 / Plus kosten jeweils 100 US-Dollar mit 16 GB, 64 GB und 128 GB. Weiter erhältlich bleibt das iPhone 5S, das mit Zweijahresvertrag bei den Providern gratis ist. Apple bietet nun auch über den eigenen App Store iPhones im Abo an. Für Preise ab 32 US-Dollar im Monat für das Gerät bekommt man jedes Jahr ein neues iPhone. Die neuen iPhones lassen sich ab Samstag vorbstellen, am 25. September kommen sie in den Handel. iOS 9 kommt schon am 16. September heraus. Interessantes Detail am Rande: Die Preise für den iCloud-Speicher hat Apple halbiert.

Mehr zu den neuen iPhones lesen Sie hier.

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