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tvOS: Neues Betriebssystem für Apple TV

14.09.2015 | 16:36 Uhr |

Aus Apples einstigem Hobby (Steve Jobs) wird ein neues Kerngeschäft. Das Apple TV wird etwas größer und schwerer, kommt mit schnellerem Prozessor und mehr Speicher. tvOS hat aber einige Haken.

Wir haben bereits einen kurzen Überblick in Sachen Handhabung und Neuerungen gegeben . Nicht alles ist gold, was glänzt: Einigen Anwendern fehlt der Audio-Ausgang (Toslink), aber auch die Software des Apple TV einige Tücken. Wie Entwickler berichten, bekommen Apps keine Berechtigung, Daten auf dem Gerät zu speichern.

Kein lokaler Speicherplatz für Apps

Die erste Speicherbegrenzung ist die für lokale Daten. Das heißt also Highscores, Benutzer-Informationen, Dokumente et cetera: Alle Daten müssen sich entweder in Apples iCloud oder auf einem  Server des App-Anbieters gespeichert sein. Für Entwickler hat Apple hierfür eine eigene Mini-Speichervariante parat , die für weniger als 1 MB Nutzerdaten ausreichend ist.

Der Nachteil hierbei: Diese Daten können mit keinem anderen Nutzer geteilt werden. Für diesen Fall wird Entwicklern geraten, Apples iCloudKit zu verwenden. Anwendungen können außerdem auch Daten von einem eigenen Server laden. Diese Option ist dann für alle Anwendungen, die mehrere MB oder gar GB an lokalen Daten benötigen.

Für  Nutzer hat dies einen entscheidenden Nachteil: Es wird eine konstante Internetverbindung benötigt. Bei jedem Aufrufen einer App wird diese mit einem Server kommunizieren wollen, um die gewünschten Daten bereit zu stellen. Nicht alle Haushalte in Deutschland sind so gut an das Netz angeschlossen, dass das immer ohne Ruckeln funktionieren würde.

Apps selbst haben begrenzte Größe

Doch nicht nur der lokale Speicher ist begrenzt: Eine Anwendung selbst darf 200 MB nicht übersteigen. Hersteller von Spielen mit aufwendigen Grafiken kommen hier sicher ins Schlucken. Einen Ausweg gibt es über die sogenannte  “On-Demand-Ressources” API, die Apple zur Verfügung stellt. Über diese kann eine App Inhalte bei Bedarf nachladen.

Ein Autorennspiel kann also Level 1 und 2 mit der App direkt mitliefern. Hat der Anwender das erste abgeschlossen, lädt im Hintergrund automatisch Level 3. Auch hier: Nutzer mit einer begrenzten Anzahl an Datenvolumen oder Internetgeschwindigkeit dürften auf große Probleme stoßen.

Apple verdeutlicht die neuen “Auf-Bedarf-App” in deren Entwicklerdokumenten. Eine traditionelle App hat alle Inhalte bereits integriert. Um Speicherplatz zu sparen, können die Inhalte ausgelagert werden (iCloud oder eigenen Server), und die App lädt diese Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt herunter.
Vergrößern Apple verdeutlicht die neuen “Auf-Bedarf-App” in deren Entwicklerdokumenten. Eine traditionelle App hat alle Inhalte bereits integriert. Um Speicherplatz zu sparen, können die Inhalte ausgelagert werden (iCloud oder eigenen Server), und die App lädt diese Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt herunter.
© Macwelt

Apples Vorstellung vom Wohnzimmer

Klar, nicht immer kontrolliert Apple alle Inhalte. Die Hersteller selbst können Dateien vorhalten und ausliefern. Doch mit der puren Internetlösung treten mehrere Probleme auf: Der iCloud-Speicher wird noch mehr beansprucht, was zu mehr Abo-Verkäufen auf Seiten Apples führt. Auf Nutzerseite fallen zusätzliche monatliche Kosten an.

Das Apple TV kann man auch nicht einfach zu einem Freund mit schnellerer Internetverbindung bringen, um Filme, Musik und Apps herunterzuladen. Denn alles wird gestreamt. Zu beachten gilt dies also vor allem für Personen, die mit einem Apple TV liebäugeln, aber nur über einen schlechten oder Volumen begrenzten Internetzugang verfügen.

Ein Vorteil ist sicherlich: Auch große Anwendungen können innerhalb kürzester Zeit angespielt werden. Denn die ersten 200 MB sind schnell heruntergeladen. Wenn die nächsten Level aber jeweils mehrere Stunden zum Herunterladen dauern, so schlägt dies sicherlich auf das Gemüt der Spieler. Schlechte App-Store-Kritiken sind also vorprogrammiert.

Apple bindet dadurch nicht nur Hersteller extrem an die eigene Plattform, auch Anwender werden immer mehr an die iCloud gebunden. Neben dem puren Anschaffungspreis muss man dies also außerdem berücksichtigen.

Fazit

Die Möglichkeiten, die Apple Entwicklern schon mit der ersten tvOS Version bietet, sind enorm. Es dürfte eine Fülle an guten und intuitiven Anwendungen auf den Markt bringen. Jedoch sind die zusätzlichen Hürden wie monatliche iCloud-Kosten und dauernde Online-Bereitschaft zu bedenken.

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