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OS X El Capitan, iOS 9, Watch OS 2 und Apple Music

08.06.2015 | 18:18 Uhr |

Apple zeigt zum Auftakt der WWDC OS X 10.11, iOS 9 und Watch OS 2 - und den Musikstreamingservice Apple Music

Auf drei Säulen wird der Vortag von Tim Cook beruhen, das ist schon im Vorfeld klar: OS X, iOS und Watch OS, dem Betriebssystem für die Apple Watch. Zu "One more thing" wurde schließlich der schon länger vermutete Musikstreamingservice, den Apple seinerseits auf drei Säulen stellt.

Launig der Beginn der Show, in einem aufwändig produzierten Video nimmt sich Apple ein wenig selbst auf die Schippe. Die WWDC-Keynote habe man Wochen und Monate im Voraus geplant und geprobt, es ist dann leider alles schief gegangen und man sei doch wieder zur einfachen Präsentationsform mit lediglich Macbook und Wasserflasche auf der Bühne zurück gekehrt.

80 Prozent der Entwickler aus 70 Ländern seien zum ersten Mal hier in San Francisco, auf der 26sten Ausgabe von Apples weltweiter Entwicklerkonferenz, erzählt Tim Cook zum Einstieg. Mehr als 1000 Apple-Entwickler werden sich den Fragen der Programmierer stellen, unter denen auch 350 Gewinner eines Schüler- und Studentenprogramms sind.

OS X bleibt im Yosemite-Nationalpark

Die neuen Betriebssysteme für Mac und iOS stellt der Softwarechef Craigh Federighi vor. Yosemite bekommt einen Nachfolger, es hat sich als bisher am besten angenommene Betriebssytem erwiesen. Auf 55 Prozent aller Macs läuft OS X 10.10 - weshalb der Nachfolger quasi im Yosemite-Nationalpark verbleibt und nach dem markanten Berg El Capitan benannt ist.

Erneut bekommt das Update nur evolutionäre Verbesserungen - vor allem bei der Bedienung. Safari-Tabs lassen sich im Programmfenster nun auf Icon-Breite zusammenschrumpfen, Apple nennt das Pinned Sites. Verbesserungen bekommt die Suchmaschine Spotlight die sich aus noch mehr Quellen bedient und auch besser natürliche Sprache versteht. Der Mail-Client bekommt vor allem in der Vollbildschirmansicht einige neue Bediengesten, so lassen sich Mails auch in Tabs zusammenfassen.

Mission Control soll intuitiver werden, einzelne Fenster lassen sich bequemer von Desktop zu Desktop verschieben oder in ein Vollbild verwandeln. Neu ist Splitview, in dem zwei Apps in ein Fenster packen lassen.

Entscheidender als die wenigen neuen Funktionen dürften aber Apples Versprechungen zur Performance des Systems sein. Den Geschwindigkeitszuwachs soll vor allem der Grafiklayer Metal erreichen, den Apple vor einem Jahr für iOS 8 eingeführt hatte. Metal soll direkten Zugriff auf die GPU geben und alle Aufgaben schneller erledigen.

Vor allem Spieleentwickler dürften von den neuen Möglichkeiten begeistert sein, die Metal bietet. entsprechend euphorisch fällt die kurze Präsentation von Epic Games aus. Aber auch in der Videoproduktion und bei CAD  ist ein derartiger Performancesprung relevant.

Entwickler bekommen schon heute die erste Vorschau auf OS X El Capitan, im Juli soll eine öffentliche Beta folgen, "Im Herbst" kommt dann die finale Fassung. Mehr zu OS X 10.11 El Capitan lesen Sie hier.

iOS 9 wird Proactive

Siri bearbeitet bereit eine Milliarde Anfrage pro Woche und ist laut Apple in einem Jahr um 40 Prozent akkurater geworden. In iOS 9 bekommt Siri eine neue Oberfläche und versteht sich noch mehr auf natürliche Sprache ("Zeige mir alle Fotos, die ich letztes Jahr im Juni in San Francisco aufgenommen habe"). Proactive nennt Apple eine neue Form des intelligenten Assistenten, der sich automatisch an die aktuellen Bedürfnisse des Nutzers anpasst und dabei etwa erkennt, wenn er in sein Auto einsteigt. Die Suche hat Apple ausgebaut, Siri greift auf mehr Quellen zurück, Apple bietet Entwicklern auch eine API dafür an.

Steckt man einen Kopfhörer ein, erscheint automatisch die Musiksteuerung auf dem Lockscreen, die Suche gibt schon vor dem ersten eingetippten Buchstabe Vorschläge je nach Zeit und Ort aus. Proactive meldet etwa auch, wenn die Verkehrssituation den vorzeitigen Aufbruch zu einem Termin erfordert. Die Intelligenz von Proactive soll sich aus anonymen Datenerhebungen speisen, der Anwender behält alle Kontrolle. Daten werden nur auf dem Gerät gespeichert und nicht an Dritte weiter gegeben. Mehr Details zu iOS 9 finden Sie in Kürze hier.

Apple Pay vor Ausbau

Apple hat weitere Handelsketten für Apple Pay gewonnen, zuletzt etwa Trader Joe's und JC Penney. Auch in den NBA-Stadien der Cleveland Cavaliers und der Golden State Warrios kann man ab sofort mit Apple Watch und iPhone bezahlen. Kommenden Monat wird man in den USA an einer Million Terminals Apple Pay nutzen können. Dazu kommen dutzende neue Apps, die Apple Pay akzeptieren. Ebenfalls ab Juli kommt Apple Pay nach Großbritannien, etwa mit dreiviertel aller im UK ausgebenen Kreditkarten wird man bezahlen können. Auch für die Tube in London kann man sein Ticket künftig mit Apple Pay bezahlen können. Wann Apple Pay nach Deutschland kommt, bleibt weiter fraglich.

Passbook heißt jetzt Wallet: Apple Pay weiß automatisch, welche Rabattkarten in welchen Geschäften akzeptiert werden und zieht diese zum Bezahlvorgang hinzu. Apple benennt seine App Passbook in Wallet um - das iPhone soll immer mehr zur Brieftasche werden.

Bessere Apps

Apples Karten-App bekommt nun endlich auch Informationen zum öffentlichen Personennahverkehr (Transit), die Notizen-App baut Apple nun über ein per iCloud synchronisierte Informationssammlung à la Evernote aus. In Karten will Apple aber nicht nur die Abfahrtszeiten der nächsten Züge und Busse ausgeben, auch Fußwege und ihre Auslastung gehen in die Berechnung ein. Als bisher einzige deutsche Stadt wird Berlin mit Transit versorgt. Maps bekommt auch auf dem Mac eine entsprechend angepasste Version.

News sammelt Nachrichteninhalte

Das Prinzip ist von Flipboard bekannt. In der neuen App News kann der Anwender aus vorgegeben Nachrichtensites oder Themenkomplexen ein persönliches Magazin mit seinen Interessensgebieten zusammenstellen. News zieht sich aus den Quellen Texte, Bilder und Videos und stellt sie hübsch animiert zusammen "Die beste mobile Leseerfahrung bisher," schwärmt Apple. News findet anhand der Interessen des Anwenders weitere Quellen mit passenden Geschichten. News wird es vorerst nur in den USA, UK und Australien geben, noch sind die Algorithmen anscheinend an die englische Sprache gebunden. Publisher wie die New York Times, Condé Nast und ESPN stellen ihre Inhalte zur Verfügung, beliebig sollen aber auch Lokalzeitungen oder Blogs ihre Inhalte für News zur Verfügung stellen dürfen.

iOS 9 verbessert das iPad mit Quicktype und Multitasking

Das iPad hat zuletzt im Verkauf ein wenig geschwächelt, Apple zieht Konsequenzen und bringt in iOS 9 einige speziell für das Tablet angepasste Funktionen. Quicktype soll die Geschwindigkeit beim Schreiben erhöhen, der Screen lässt sich optional als Trackpad nutzen. So werden auch neue Gesten zum Markieren und Auswählen möglich. Neu angefasst hat Apple aber die Multitaskingfähigkeiten des iPad. Der Programmwechsel ist leichter zu bewerkstelligen, vor allem lassen sich in einem Splitview auch zwei Programme auf einmal anzeigen und bedienen. Videos kann man als Bild in Bild laufen lassen - und während der Sportübertragung etwa seine E-Mails bearbeiten. Hardwarevoraussetzung für die fortschrittlichen Funktionen ist jedoch das iPad Air 2. iOS 9 bekommt zudem einen Energiesparmodus, auf Knopfdruck lassen sich alle Prozesse reduzieren und so die Akkulaufzeit verlängern. iOS 9 kommt als Gratis-Update im Herbst dieses Jahres, vermutlich Ende September und wird alle Geräte unterstützen, auf denen bereits iOS 8 läuft: ab iPhone 4S und iPad 2 aufwärts. Mehr Details zu iOS 9 in Kürze hier.

Swift 2 wird Open Source

Nur ein Jahr nach seiner Vorstellung bekommt die Progrmmiersprache Swift eine wesentliche Änderung: Apple veröffentlicht den Quellcode, Compiler und Libraries bsi zum Ende des Jahres. Die versammelten Entwickler sind begeistert.

App Store erreicht neuen Meilenstein

Erst vor sieben Jahren eröffnet, zählt der App Store 100 Milliarden App-Downloads. Nicht alle sind gratis, Apple hat an die Entwickler insgesamt 30 Milliarden US-Dollar ausbezahlt. Kaum sei je eine Industrie so schnell gewachsen wie die der Apps, Apple widmet daher seinen Entwicklern ein ausführliches Imagevideo. Darin kommen auch sehr prominente Entwickler und Kreative zu Wort, etwa der Regisseur JJ Abrams.

Native Apps für die Apple Watch

Tim Cook vergleicht die Öffnung der Plattform für native Apple-Watch-Apps mit der Eröffnung des App Stores. WatchOS soll völlig neue Apps am Handgelenk ermöglichen. Kevin Lynch zeigt die Erweiterungen. Aus Bildern, Alben oder Zeitraffern kann man sich Ziffernblätter (Watch Faces) bauen, auch individuell angepasste Complications - also Mini-Informationen aus anderen Apps - sind möglich. Die digitale Krone erlaubt sogar eine Art Zeitreise durch die Complications. Was steh in zwei Stunden an, was war vor drei Stunden? - diese soll ein Drehen an der Krone anzeigen. Der Screen kann sich nun auch um 90 Grad drehen - praktisch, wenn die Watch über Nacht zum Laden auf der Seite liegt. Watch OS 2 unterstützt nun auch Facetime Audio, Mails lassen sich auch gleich auf der Uhr beantworten. Trainings stellt Siri ohne Berührung der Uhr ein, und zeigt an, wann die geplante Fünf-Kilometer-Runde durch den Park vorbei ist. Wallet und Transit kommen natürlich auch auf die Uhr.

Die Apple Watch stellt Entwicklern nun ihr Mikrophon und ihren Lautsprecher zur Verfügung, Homekit ist auf der Apple Watch ebenso vertreten wie Healthkit. Der Beschleunigungsmesser stellt ebenso die erhobenen Messewerte für Apps zur Verfügung, mit der digitalen Krone kann man Parameter in nativen Apps steuern. Entwickler können ab sofort die Beta-Version von Watch OS 2 laden und mit der Entwicklung neuer Apps beginnen. Apple will ebenfalls im Herbst die finale Version des neuen Betriebssystems veröffentlichen. W eitere Details zu Watch OS 2 lesen Sie hier.

One more thing: Music

Der Musikstreamingdienst heißt in der Tat Apple Music. Die Details stellt Jimmy Iovine vor, den Apple zusammen mit Beats Music vor gut einem Jahr übernommen hat. Apple Music bringt Streaming der kompletten iTunes Musik-Bibliothek, ein Sender namens Beats 1 spielt ein Musikprogramm für 24 Stunden am Tag, hinzu kommen empfohlene Wiedergabelisten. Einzelne Künstler lassen sich wie in sozialen Netzwerken verfolgen. Apple Music ist ein "revolutionärer Musikservice, der den richtigen Song, zur richtigen zeit zur richtigen Stimmung bringt." Beats 1 ist ein "24/7 global radio", das sich nicht auf Genre oder Rhythmen verlässt, sondern "nur einen Meister kennt: Die Musik selbst. " Und zudem soll das Ökosystem Apple Music Künstler und Fans miteinander verbinden, es scheint, als kehre Ping zurück.

Der Startpunkt von Musik ist laut Eddy Cue die eigene Bibliothek: "For You" empfiehlt Playlisten anhand der zuletzt geladenen Songs und Alben, die Paylisten seien "von Leuten zusammengestellt, die Musik lieben" und basieren nicht nur auf bloßen Algorithmen.

Anchorman des Programms Beats 1 wird der renommierte DJ Zane Low. Der Sender strahlt in mehr als 100 Länder aus und wird in New York, Los Angeles und London produziert. "Connect" nennt Apple den Bereich, in denen sich Musiker mit ihren Fans verbinden können, die Beiträge lassen sich weiter auf Facebook, Twitter und Co teilen. Für noch unbekannte Künstler könnte Connect ein Sprungbrett werden, da auch sie ihre Musik darüber teilen können.

Siri hilft dem Anwender, seine Lieblingslieder zu finden und spielt etwa auf Befehl die aktuellen Alternative-Charts ab oder die Top Ten aus dem Jahr Schnee.

Apple Music wird am 30. Juni in über 100 Ländern mit iOS 8.4 an den Start gehen, zugleich kommen neue iTunes-Versionen für OS X und Windows. Die ersten drei Monate werden kostenlos sein, dann kostet Apple Music 9,99 US-Dollar im Monat. Ein Familienzugang für bis zu sechs Personen kostet 14,99 US-Dollar im Monat.  Mehr zu Apple Music lesen Sie hier.

Hier nochmals den Ticker nachlesen: ticker.macwelt.de

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