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Test: Cinema 4D R14

01.10.2012 | 10:51 Uhr |

Maxon bleibt bei den vollen Versionssprüngen und bringt die 3D-Animations- und Modelling-Software Cinema 4D R14 pünktlich nach Jahresfrist in den Handel. Wir haben uns angesehen, welche Programmvarianten am meisten von den neuen Funktionen profitieren.

Cinema 4D 14 ist wie gewohnt in den vier bzw. fünf Produktvarianten Prime, Broadcast, Visualize, Studio und Body Paint 3D verfügbar. Release 14 ist gespickt mit vielen praktischen Verbesserungen für die tägliche Arbeit, die spektakulären Neuheiten finden sich aber eher in den teureren Paketen.

Workflow und Snapping

Wirkt die Bedienoberfläche auf den ersten Blick fast unverändert, bemerkt man bei aktivem erweitertem Open GL schnell die erste Neuerung: eine Selektionsvorschau versieht ausgewählte Objekte mit einem orangen Rahmen und unter dem Mauszeiger befindliche Objekte mit einem weißen Rahmen. Besonders praktisch ist die Möglichkeit, Selektionen durch Aufmalen bei gedrückter rechter Maustaste zu erstellen, ohne dabei zu einem Selektionswerkzeug zu wechseln. Bei der Arbeit in den orthogonalen Ansichten ist nun auch das Drehen-Werkzeug funktionsfähig, der Wechsel zwischen verschiedenen Kameraperspektiven erfolgt fließend über eine Kamerafahrt.

Weitere Arbeitserleichterung versprechen die neuen Hilfslinien. Sie lassen sich mit einem eigens dafür vorgesehenen Werkzeug zeichnen und jederzeit wie normale Objekte bearbeiten. Dabei kann eine Hilfslinie auch als Fläche bzw. Ebene sowie als räumliche Hilfestellung wirken. Im gleichen Zuge wurden in Version 14 die Arbeitsebenen verbessert. Sie verhalten sich nicht mehr als starre, verschiebbare Rasterflächen, sondern legen sich über automatische Arbeitsebenenmodi wahlweise planar, kamera- und achsenspezifisch sowie interaktiv auf das nächstliegende Element. So ist es jetzt zum Beispiel ein Leichtes, Objekte senkrecht auf der Oberfläche eines anderen Körpers zu platzieren.

Cinema 4D R14

Hersteller: Maxon

Preise:

Gesamtnote: 1,4 sehr gut

Funktionsumfang (30%) --- 1,7

Geschwindigkeit (30%)--- 1,4

Bildqualität (30%)--- 1,2

Bedienung (10%)---  1,2

Vorzüge: Verbesserte Modelling-Werkzeuge, neues Snapping mit dynamischen Hilfslinien, Sculpting für detailliertere Modelle, neue und verbesserte Shader, Kamera-Matching per Kamera-Kalibrierung, umfangreiche Motion-Kamera sowie Kamera-Morph für Kamerafahrten, erweiterte Dynamics, schnelleres Rendering mit Radiosity Maps, Anbindung an Adobe Photoshop und The Foundry Nuke.

Nachteile: Hohe Systemanforderungen, stärkste neue Funktionen nur in den teureren Cinema 4D-Varianten, Ausdruck der Online-Hilfe als Handbuch schwierig

Alternative: Maya, Lightwave 3D

Systemanforderungen: Ab Mac OS X 10.6.8, Mac mit Intel Core 2 Prozessor

Internet: www.maxon.de

Abgerundet wird der gelungene Workflow durch das neue Snapping. Über eine eigens dafür vorbereitete Palette wählt man die Komponenten (etwa Punkte, Kanten, Polygone, Splines, Hilfslinien und Arbeitsebenen) aus, die beim Einrasten berücksichtigt werden sollen, und kann zusätzlich über die Quantisierung die gewünschten Schrittweiten für die Modifikation vorgeben. Raffiniert ist das Snapping über dynamische Hilfslinien. Dabei ernennt man durch Überfahren mit dem Mauszeiger gezielt Punkte zu Trägern virtueller Hilfslinien und kann anschließend auf der dynamisch eingeblendeten Hilfslinie die eigentliche Aktion zielgenau durchführen.

Wer die vielen Menüs mit Werkzeugen und Befehlen nicht nach einer bestimmten Funktion durchforsten möchte, hat in Version 14 die Möglichkeit, auf den Commander zurückzugreifen, der am rechten oberen Rand per Suchzeile alle Befehle vorhält.

Produkt

Preis in €

Preis in CHF

Prime R14

833 EURO

1007 CHF

Broadcast R14

1547 EURO

1870 CHF

Visualize R14

1904 EURO

2301 CHF

Studio R14

3570 EURO

4314 CHF

BodyPaint 3D R14

952 EURO

1151 CHF

Upgrade Prime von R13

309 EURO

374 CHF

Upgrade Broadcast von R13

536 EURO

648 CHF

Upgrade Visualize von R13

655 EURO

792 CHF

Upgrade Studio von R13

893 EURO

1080 CHF

Maxon Service Agreements (jährlich):

MSA Prime

183 EURO

222 CHF

MSA Broadcast

309 EURO

374 CHF

MSA Visualize

381 EURO

461 CHF

MSA Studio

595 EURO

719 CHF

Sculpting und neue Kamerafunktionen

Zu den wichtigsten neuen Funktionen zählen sicherlich das Sculpting aus der Studio-Variante sowie Body Paint 3D. Mit verschiedenen Pinseln formt man dabei ähnlich der Modellierung mit Ton die gewünschten Formen aus dem Rohmodell. Für diese Arbeit ist in Cinema 4D eine eigene Umgebung vorgesehen, die neben einer Vielzahl von Pinseln auch alle Unterteilungs- und Bearbeitungsfunktionen bereithält. Neben der interaktiven Bearbeitung im Editor bieten die Sculpting-Pinsel spezielle Funktionen wie Symmetrie, Stempel, Masken und Schablonen, um die Form so exakt wie möglich auf das Objekt zu malen.

Über einen eigenen Ebenen-Manager lässt sich die Formung auf beliebigen Ebenen verteilen, miteinander kombinieren und einstellen, das Basis-Objekt bleibt dabei unversehrt. Je höher die Unterteilung der jeweiligen Ebene ist, desto feinere Details lassen sich per Pinsel auf das Sculpting-Objekt auftragen. Um bei späteren Projektphasen nicht dauerhaft mit derart hochunterteilten Objekten arbeiten zu müssen, „backt“ Cinema 4D die endgültige Form selbsttätig in Materialien mit den notwendigen Displacement- und Normalen-Texturen, sodass die hochdetaillierte Form erst beim späteren Rendering erscheint.

Eine ähnliche Funktionalität bietet der neue Normalizer-Shader, mit dem sich herkömmliche Bump-Texturen in Normalen-Maps umwandeln lassen, um sie im Normalen-Kanal für hochwertige Oberflächen zu nutzen. Neu ist zudem der Verwittern-Shader, der Texturen künstlich altern und verwaschen aussehen lässt.

Viel Augenmerk wurde bei Version 14 in die Kameras gesteckt. Unterstützung bei der Platzierung von Objekten und der Einstellung der Kameraperspektive bietet die Bildaufbauhilfe. Neben Gittern, Dreiecken, Diagonalen und Fadenkreuzen lassen sich auch klassische Gestaltungsmittel wie der Goldene Schnitt oder die Goldene Spirale einblenden und einrichten. Eine komfortable Lösung zum Erstellen von Kamerafahrten bieten Kamera-Morphs. Sind die Stationen durch das Platzieren verschiedener Kameras einmal eingerichtet, reicht der Aufruf einer Morph-Kamera, um daraus automatisch eine Kamerafahrt zu generieren. Im zugehörigen Kamera-Morph-Tag kann man dann die Überblendung steuern und nachbearbeiten. Damit die Kamerafahrten nicht zu eintönig wirken, lässt sich per Motion-Kamera ein virtueller Kameramann verpflichten, der anatomisch korrekt Pfade abschreitet, Objekte verfolgt und auch dynamische Eigenschaften zulässt.

Um beim Kamera-Matching 3D-Objekte stimmig in Bilder oder Filme einzubinden, muss man die für die Aufnahme verwendete Kameraposition, -brennweite und -ausrichtung ermitteln. Dieses sogenannte Kamera-Matching ist über das Kamera-kalibrieren-Tag integriert. Mit X-, Y- und Z-Achsenlinien, die man zusammen mit einem Nagel für den Ursprung in das Referenzbild einarbeitet, berechnet Cinema 4D über die Fluchtpunkte und eine vorgegebene Distanz alle benötigten Werte. Auch hier nimmt ein Automatismus dem Anwender viel Arbeit ab, indem für Hintergründe und Szenenobjekte gleich Materialien und Textur-Tags mit den korrekten Projektionseinstellungen erzeugt werden. 

Animation, Rendering und Zusammenarbeit

Die grafische Programmierumgebung Xpresso präsentiert sich mit aufgehübschter Oberfläche und geschwungenen Verbindungslinien nicht allein in einem neuen Gewand. Ports lassen sich nun gezielt per Drag-and-Drop aus dem Attribute-Manager anlegen. Per Xpresso gesteuerte Parameter sind dort optisch hervorgehoben und werden beim Überfahren mit dem Mauszeiger in einem Hilfekasten eingeblendet. Character-Animatoren werden sich über die verbesserten Charaktervorlagen sowie über die Möglichkeit freuen, Joint-Wichtungen durch Speichern und Laden übertragen zu können.

Bei den Dynamics hat die Aerodynamik Einzug gehalten, mit der Luftströme und Winde auf fallende Objekte wirken. Im zugehörigen Dynamics-Body-Tag definiert man dabei für jedes Objekt den Luftwiderstand und die Anhebekraft; neben der global wirkenden Luftdichte lassen sich zusätzliche Wind-Objekte installieren. Die Dynamics sind außerdem durch brechende Federn und Konnektoren erweitert. Ab einer bestimmten Kraft bzw. einem Drehmoment ist es möglich, Federn zu überspannen und zu zerreißen oder feste Verbindungen durch Kraftausübung zu brechen und zusammenfallen zu lassen. Auch Soft-Body-Federn von elastischen Objekten haben diese Eigenschaften geerbt und können sich nun plastisch verformen.

Für die komfortable Bildausgabe hat Maxon dem Bild-Manager ebenfalls einige Verbesserungen spendiert. So wählt der Bild-Manager nun automatisch die optimale Bildgröße für ruckfreies Abspielen einer Animation und hält über seine Filter Gradationskurven bereit, um Renderings nachträglich besser bearbeiten zu können. Dank einer Überarbeitung des Samplings bei der Berechnung von globaler Illumination sowie durch die optionale Verwendung von Radiosity-Maps ließen sich die Render-Zeiten ebenfalls reduzieren.

Bereits vor der offiziellen Ankündigung von Cinema 4D R14 gab Maxon die Unterstützung des relativ neuen, auf den verlustfreien und speicheroptimierten Datenaustausch spezialisierten Alembic-Dateiformats (.abc) bekannt. Ebenso freudig hat die Anwendergemeinde den Export für das Compositing-Programm Nuke von The Foundry aufgenommen. 3D-taugliche Compositing-Programme profitieren außerdem vom neuen Positions-Pass, der Positionsangaben in 32 Bit für dreidimensionale Effekte aufbereitet. Photoshop-Anwender bekommen mit einem eigenen Plug-in für den Zusatzmodul-Ordner die Möglichkeit, Cinema-4D-Dateien in der Extended-Version des Bildbearbeitungsprogramms zu öffnen und dort weiterzuarbeiten.

Nicht nur für die externe, sondern auch für die programminterne Zusammenarbeit bietet Version 14 Neuigkeiten. Aufgaben, Notizen und Kommentare für Projektmitglieder lassen sich per Zeitleisten-Marker und mit dem Zu-Erledigen-Tag festhalten und über die Projektvoreinstellungen verwalten und überwachen. Mittels Xref-Funktionalität integrierte Objekte kann man nun unter anderem aus dem Master-Projekt im Timing beeinflussen und über den Pivot beliebig positionieren.

Empfehlung

Die klaren Highlights in Version 14 von Cinema 4D sind das komfortable Snapping, die schnell erlernbare Sculpting-Funktionalität, das einfache Kamera-Matching und die konsequent erweiterten Dynamics. Vor der Entscheidung für einen Versionssprung empfehlen wir einen sorgfältigen Testlauf und einen Abgleich mit den individuellen Anforderungen, denn die Neuerungen sind eher ungleichmäßig auf die Programmvarianten verteilt. Das Abo-Modell MSA (Maxon Service Agreement) scheint sich für Besitzer der Studio-Variante am meisten zu lohnen.

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