1542828

Bücher am iPhone verkaufen

07.08.2012 | 16:00 Uhr |

Wer alte Bücher loswerden möchte und für den Flohmarkt zu faul ist, sollte sich sein iPhone schnappen und die ungeliebten Bestände durchscannen: Apps wie Rebuy, Momox, Ankauf Total oder Regalfrei.de übernehmen den Online-Verkauf.

Ich kann keine Bücher wegwerfen, selbst meine alte Latein-Grammatik hat noch ein Plätzchen im Buchregal. Daher verstopfen Überbleibsel aus dem Studium, im Urlaub verschlungene Mode-Krimis oder längst nicht mehr gelesene Kinderbücher eine wachsende Zahl von Regalbrettern. Für den Flohmarkt bin ich zu faul, daher sind die Apps, die den Bücherankauf online übernehmen, ein idealer Ausweg. Auf die Suchanfrage „Bücher ankaufen“ präsentiert der App Store vier Apps: Rebuy, Momox, Ankauf Total und Regalfrei.de – und die testen wir dann auch.

Titel einscannen oder ISBN eintippen

Apps installiert – und ab geht’s vor das Bücherregal: Buch herausholen, Staub abklopfen und mit dem integrierten Scanner den ISBN-Code erfassen. Das klappt bei Rebuy und Regalfrei tadellos, selbst bei schummrigem Licht oder frei Hand fokussiert der Scanner blitzschnell. Klasse ist der Mehrfach-Scanner bei Regalfrei.de, hier kann man einen ganzen Stapel der Reihe nach abscannen und die Titel im Anschluss mit der Datenbank abgleichen. Ankauf Total irritiert zunächst mit der Fehlermeldung „Warnung. Ihr iPhone ist ungeeignet zum Scannen mit Kamera“, erfasst die Titel dann aber doch. Momox erschwert das Scannen durch einen vorgegebenen Ausschnitt, in dem der Barcode gescannt werden muss. Mit etwas Übung klappt das Einlesen schließlich doch. Für ältere Bücher ohne Titel bieten alle Apps ein Eingabefeld, in das die Ziffern des ISBN-Codes getippt werden müssen.

Annahme und Preise unterschiedlich

Wenn eine App einen Titel erkennt, fragt sie in wenigen Sekunden die hinterlegte Datenbank des Anbieters ab, nennt zur Sicherheit nochmal den gefundenen Artikel und macht ein Angebot. Dies lässt sich in die Versandbox übernehmen, wo die App sämtliche erkannte und verkäufliche Artikel addiert. Und hier zeigen sich deutliche Unterschiede. In unserem Test mit über 80 Titeln ist die Annahmequote bei Rebuy am höchsten, allerdings zahlt Rebuy für die meisten Titel nur 0,05 Cent. Das ist im Vergleich zum Flohmarkt, wo die meisten Bücher für einen Euro pro Titel gehandelt werden, lächerlich wenig und lohnt sich nur, wenn man wild entschlossen ist, den Bücherschrank zu leeren. Daher ist die Ausbeute mit Regalfrei.de lukrativer: Auch wenn die App weniger Titel annimmt, kommt mit einem durchschnittlichen Preis von etwa 20 Cent pro Titel unterm Strich mehr heraus. Bei Ankauf Total und Momox beträgt der Erlös knapp einen Cent pro Titel, die Trefferquote ist bei beiden Anbietern niedrig.

So steht man doch einige Zeit und scannt, denn unter einem Gesamterlös von 10 Euro verweigern Ankauf Total und Regalfrei.de die Annahme. Die Übersicht liefert der Warenkorb, in dem die Apps die Ankäufe listen. Bei Regalfrei.de ist das mühsam, da beim zuvor gelobten Mehrfachscan einige Titel doppelt im Warenkorb landen, sich dort zwar abklicken, nicht jedoch löschen lassen. Die App rechnet die Verkäufe zwar richtig zusammen, aber es nervt, immer durch die lange Liste mit allen Dopplern scrollen zu müssen. Die Ankaufbedingungen sind vor allem bei Rebuy großzügig, selbst Bücher mit Widmungen oder einem Namensstempel auf den ersten Seiten werden akzeptiert. Außerdem nehmen Rebuy und Regalfrei.de in unserem Test auch englische und französische Titel an.

Es will uns aber nicht gelingen, zumindest bei Büchern Prognosen zu Verkäuflichkeit und Wert zu ermitteln: Der Großteil der vorhandenen Titel – aktuelle Belletristik, Klassiker der deutschen Literatur, Restbestände aus dem Studium und dutzendweise Krimis – erzielt bei Rebuy einen Schleuderpreis von null Cent pro Stück. Dies übertreffen nur einige wenige Ausnahmen aus völlig unterschiedlichen Bereichen.

Da Momox und Ankauf Total zu wenige Titel erkennen, testen wir die Kaufabwicklung nur bei Regalfrei.de und Rebuy. Sobald der Warenkorb gefüllt ist, geben wir bei Rebuy eine Mailadresse ein und setzen den Kauf am Mac oder PC fort. Hier erhalten wir nochmals eine Aufstellung der verkauften Titel und können die Papiere für die Abholung vorbereiten und ausdrucken. Der Anbieter übernimmt ab einer Summe von zehn Euro die Transportkosten. Regalfrei.de wickelt den Verkauf in der App ab, um den Transport muss sich der Käufer selber kümmern, erhält aber einen Transportkosten-Zuschuss, der bei unserem Test die Gebühren genau deckt.

Fazit

Auch wenn der Erlös, den man für gebrauchte Bücher erzielt, auf anderen Absatzwegen höher ausfällt, die Apps erleichtern das Ausmisten des Bücherregals erheblich und sind in der Abwicklung unschlagbar komfortabel. Ein Tipp: Wer sich die Arbeit machen möchte, sollte seinen Bestand mit Regalfrei.de und Rebuy einscannen und jeweils das bessere Angebot wählen. Das hat in unserem Test zwar für doppelten Aufwand gesorgt, aber auch für einen fast doppelt so hohen Erlös. mbi

Regalfrei.de, www.regalfrei.de

Preis: Kostenlos

Note: 1,6 gut

+ Gute Preise, guter Scanner, Mehrfachscan

- Titel nicht aus Warenkorb löschbar, ISBN-Nummern mit Buchstaben lassen sich nicht eingeben

 

Rebuy, www.rebuy.de

Preis: Kostenlos

Note: 2,5 befriedigend

+ Sehr guter Scanner, hohe Akzeptanz, Abholung ab 10 Euro kostenlos und unschlagbar komfortabel

- Preise sehr niedrig

 

Ankauf Total, www.ankauf-total.de

Preis: Kostenlos

Note: 4,5 mangelhaft

+ Eingabe von ISBN-Nummer besonders komfortabel

- Niedrige Trefferquote/Preise, viele Fehlermeldungen

 

Momox, www.momox.de

Preis: Kostenlos

Note: 3,8 ausreichend

+ Nimmt Titel an, die die anderen Anbieter ablehnen

- Niedrige Preise, niedrige Trefferquote

0 Kommentare zu diesem Artikel
1542828