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Test der filmreifen Helfer in der Adobe Production Premium CS6

10.08.2012 | 11:13 Uhr |

Adobe Prelude, Speedgrade, Media Encoder und Encore aus der Adobe Creative Suite 6 Production Premium sind Tools rund um die professionelle Videobearbeitung, die wir für Sie testen.

Neben Premiere, Photoshop und After Effects hat Adobe im aktuellen Release des Production-Premium-Pakets die beiden neuen Programme Prelude und Speedgrade dazugepackt sowie den Applikationen Media Encoder und Encore mehr oder minder große Updates verpasst. Bei uns im Test: die Programme Prelude, Speedgrade, Media Encoder und Encore .

Prelude

Dieser eigentlich aus der orchestralen Musik stammende Begriff („Präludium“) beschreibt den einführenden, einstimmenden Teil eines musikalischen Werks. Ähnlich ist auch die Aufgabe des neuen Prelude zu verstehen, denn mit dem Programm sichtet und loggt man Rohmaterial vor dem eigentlichen Schnitt (ähnlich dem alten Avid Media Log, falls sich noch jemand daran erinnert). Zunächst beginnt man mit dem Erfassen von Medien, das heißt mit dem Import in ein Prelude-Projekt. Importfähig sind zum einen bestehende Quicktime-Filme, zum anderen aber auch Rohmaterial aus der Kamera, beispielsweise P2, XD- und EXCAM, RED sowie das neue XF-Format der Canon C300, die man auf die heimische Festplatte übertragen kann. Auch das Transcoding vom Akquisitions-Format (etwa MP4/H.264) auf ein „schneidbares“ Format wie Apple Pro-Res wird unterstützt, allerdings muss man hier vorher im Media Encoder ein entsprechendes Preset definieren.
Das eigentliche Loggen, also das Setzen von In- und Out-Punkten sowie die Beschreibung des Clips erfolgen über sogenannte Clip-Marken. Ist ein Clip ausgewählt, kann man diesen in der Vorschau ansehen und per Klick auf die Marke „Clip-Kopie“ die Schnittpunkte definieren. Jede Marke besitzt einen Informationsbereich, wo man diese benennt und Notizen hinterlegt. Zudem besteht die Möglichkeit, mehrere Marken, beispielsweise für zusätzliche Kommentare oder Links, auf einem Clip zu hinterlegen.
Den Abschluss in Prelude bildet der Rohschnitt: Der User legt hierfür eine neue Schnittsequenz an und kopiert alle geloggten (und brauchbaren) Elemente in eine kleine Timeline. Prelude ist kein Schnittprogramm und bietet daher auch keine Möglichkeiten des Trimmens, sondern ist ausschließlich dafür gedacht, die Anzahl und Reihenfolge der Clips festzulegen. Ein anschließender Export als Premiere-Projekt oder Final Cut Pro XML befördert den Rohschnitt samt Mediendaten zu den „richtigen“ Editing-Applikationen.

Empfehlung Prelude

Prelude ist ein schlankes, einfaches Programm, das selbst weniger computer-affine Redakteure und Regisseure zum Sichten und Loggen verwenden können, ohne sich großartig einarbeiten zu müssen. Dass auch die Übergabe an Final Cut Pro 7 via XML funktioniert, rechnen wir Adobe hoch an.

Prelude

Adobe
Preie: Production Premium CS6: € 2616, CHF 3493; Upgrade ab € 505, CHF 675
Note: 1,8 gut
Geschwindigkeit (25%)          1,4
Umfang (25%)            1,8
Qualität (20%)            1,6
Handhabung (30%)     2,4
Vorzüge: Schnell zu erlernen, kompatibel zu (fast) allen aktuellen Formaten, mehrere Markierungen und Kommentare auf einem Clip, Übergabe als Projekt oder XML möglich
Nachteile: Transcodierung nur nach vorherigem Festlegen von Formaten, keine In- und Out-Punkte im Vorschau-Fenster, keine nachträgliche Trimmen-Funktion in der Timeline
Alternativen: Keine
Ab OS X 10.6.8
www.adobe.de

Speedgrade

Das neue Programm Speedgrade ist ein dezidiertes Farbkorrektur-Werkzeug ähnlich wie Color oder Resolve. Wer in Premiere seinen Film geschnitten hat und mit Bordmitteln kein ordentliches Grading durchführen kann, exportiert die Schnittsequenz an Speedgrade. Hierbei wird sie in eine DPX-Kette umgewandelt und erscheint als eigenständige Timeline. In Speedgrade findet der Anwender mehrere Werkzeuge wie eine Dreiwege-Korrektur sowie Bereichskorrekturen für Schatten, Mitten und Lichter. Neben mehreren primären Korrekturen lassen sich auch sekundäre Bereiche entweder auf Basis von Farben oder als Masken auf einem Clip anwenden. Außerdem besteht die Möglichkeit, statt einzelner Clips eine Korrektur für mehrere (oder alle) Clips der Timeline anzulegen, bei gleichartigen Korrekturen erspart dies viel Zeit.
Neben den gängigen Korrektur-Werkzeugen liefert Speedgrade eine Reihe von vorgefertigten Looks und Filtern mit, die man per einfachem Klick auf einen Clip anwenden und weiter bearbeiten oder für den späteren Gebrauch speichern kann. Die Ausgabe des fertig korrigierten Films erfolgt über ein eigenes Render-Modul, das die Formate AJA RGB, Cineon, DPX oder Pro-Res 4444 unterstützt.

Empfehlung Speedgrade

Speedgrade besticht durch eine Vielzahl von Funktionen und Werkzeugen und damit seine sehr professionelle Handhabung. Allerdings sollte man beachten, dass es nicht unbedingt einfach zu bedienen ist. Für eine schnelle Korrektur ist das Programm zu aufwendig, und für ein professionelles Grading bedarf es einer gewissen Übung. Zudem sind Vorkenntnisse im Bereich Farbkorrektur und Lichtbestimmung erforderlich. Die notwendige Umwandlung in DPX-Ketten führt dazu, dass es ein zeitraubender Prozess ist, auch müssen entsprechende Systemvoraussetzungen erfüllt sein, damit man flüssig arbeiten kann.

Speedgrade

Adobe
Note: 1,9 gut
Geschwindigkeit (25%)          1,9
Umfang (25%)            1,4
Qualität (20%)            1,4
Handhabung (30%)     2,8
Vorzüge: Sehr umfangreiche Werkzeuge und Vorlagen, gute Integration in Premiere (Senden), viele Möglichkeiten von Masken und Farbbereichen in der sekundären Korrektur, Professionelle Ausgabe-Optionen
Nachteile: Komplexe Benutzerführung, sehr aufwendig im Workflow, hohe Anforderung an System und Anwender
Alternativen: Keine
Ab OS X 10.6.8
www.adobe.de

Media Encoder

Der Adobe Media Encoder ermöglicht das Transcodieren oder Komprimieren von Videodateien von einem in ein anderes Format. Ähnlich wie Apples Compressor oder andere Stapelverarbeitungsprogramme arbeitet Media Encoder mit Voreinstellungen für Quellen und Ziele, um die Arbeitsabläufe möglichst kurz und effizient zu halten. Für diesen Zweck hat Adobe den Vorgaben-Browser eingeführt, der seinerseits die alten Exporteinstellungen ersetzt und dafür sorgt, dass man Voreinstellungen für Encoding-Jobs schneller findet und einfacher anlegen kann. So besteht unter anderem die Möglichkeit, Presets aus bestimmten Kategorien wie Broadcast, DVD, Geräte und Kameras zu wählen, oder selbst Ordner anzulegen, beispielsweise für die eigenen Kunden oder für immer wiederkehrende Workflows.
Verbessert hat Adobe in der Version CS6 die überwachten Ordner („Watch Folder“). Hier lässt sich ein Ordner auf der Festplatte definieren, dessen Inhalt automatisch trans- oder encodiert wird, sobald man Material hineinlegt. Neu ist die Unterteilung in Quelle und Ausgabe, so kann man das Material auch in dasselbe Ziel legen, ohne Gefahr zu laufen, bestehende Dateien zu überschreiben. Wer mit mehreren Kollegen zusammenarbeitet, wird sich über die Möglichkeit freuen, angelegte Voreinstellungen exportieren und weitergeben zu können. Diese EPR-Dateien sind auf einfachem Wege im Media Encoder importierbar. Adobe nutzt diese Möglichkeit ebenfalls, um neue Codecs, beispielsweise für Pro-Res-Transcodierungen, über die eigene Website zu verteilen. Ferner wurden die Arbeitsabläufe dahingehend verbessert, dass jetzt auch ein paralleles Encoding einer Quelle möglich ist, was die Geschwindigkeit deutlich steigert.

Empfehlung Media Encoder

Der Media Encoder eignet sich gut für Transcodings und Komprimierungen und ist auch gleichzeitig die Basis für andere Adobe-Programme wie beispielsweise Prelude. Die Voreinstellungen sind umfangreich und durch den neuen Vorgaben-Browser einfach zu erweitern und zu sortieren.

Media Encoder

Adobe
Note 2,0 gut
Geschwindigkeit (30%)          1,3
Umfang (20%)            2,8
Qualität (20%)            1,8
Handhabung (30%)     2,2
Vorzüge: Viele Voreinstellungen, schnelles Encoding durch Parallelverarbeitung, Watch-Folder für wiederkehrende Aufgaben. gute Integration in Adobe-Produkte
Nachteile: Festlegen von Voreinstellung komplex, keine Vorschau des Codecs, Vorschaufenster auch bei Encoding nur sehr klein
Alternativen: Keine
Ab OS X 10.6.8
www.adobe.de

Das ist neu im Media Encoder:

-Vorgaben-Browser zur Kategorisierung von Voreinstellungen

- Im- und Export von Einstellungen möglich

- Verbesserter Watch-Folder

Encore

Einige wenige Neuerungen bringt auch Adobes DVD-Authoring-Werkzeug Encore in der CS6-Variante mit. Die Applikation arbeitet jetzt vollständig in 64 Bit und läuft dadurch nicht nur wesentlich stabiler, sondern verrichtet auch alle anfallenden Arbeiten wie MPEG-2/MPEG-4-Encoding oder das Kompilieren in sehr angenehmer Geschwindigkeit. Wer seine Filme nicht direkt in Encore, sondern anderweitig encodiert hat, wird sich über den schnelleren Import von MPEG-Dateien freuen. Darüber hinaus werden Pixel in der Vorschau von Encore neuerdings im korrekten Seitenverhältnis dargestellt. Das war es auch schon. Die DVD ist tot – wozu also noch viel Energie in ein DVD-Authoring-Tool stecken?

Empfehlung Encore

Encore ist ein recht sperriges Programm zum Erstellen von DVDs, das nun deutlich flotter und stabiler läuft.

Encore

Adobe
Note: 2,3 gut
Geschwindigkeit (20%)          2,2
Umfang (30%)            3,0
Qualität (20%)            1,8
Handhabung (30%)     1,9
Vorzüge: Umfangreiches Tool für DVD/Blu-ray Mastering, schnelles Encoding durch Parallelverarbeitung, gute Integration in Adobe-Produkte, Authoring auch von Web-Inhalten möglich
Nachteile: Wenig Vorlagen, komplex in der Anwendung
Alternativen: Keine
Ab OS X 10.6.8
www.adobe.de

Das ist neu in Encore:

- Native 64-Bit-Unterstützung

- Schnellerer Import von MPEG-Dateien

- Seitenverhältnis dargestellter Pixel korrekt
 

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