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Adobe Fuse CC 2015: Einfaches 3D-Werkzeug

04.12.2015 | 11:45 Uhr |

Einen leichten Einstieg in die Herstellung von 3D-Figuren für unterschiedliche Einsatzzwecke verspricht Adobes Programm Fuse CC, das als Vorabversion zum Download für alle Mitglieder des Abonnement-Services Creative Cloud zur Verfügung steht.

Mit dem neuen Programm aus der Creative Cloud gestaltet man Figuren bis zur T-Grundposition, also stehend mit seitlich ausgestreckten Armen. Das Resultat kann man dann entweder in dem von Adobe übernommenen Onlinedienst Mixamo , die Creative-Cloud-Libraries oder als 3D-Datei zur Weiterverarbeitung in Dritthersteller-Software exportiert werden. Einsatzgebiet  der über Mixamo verarbeiteten Figuren ist im wesentlichen die Herstellung von Charakteren für Computerspiele.

Übersichtliche Schnittstelle

Mittels eines in mehreren Schritten aufgeteilten Schemas gelingt die Zusammenstellung von fertig texturierten 3D-Figuren mit wenigen Mausklicks. Die links im Programmfenster angebrachte vertikale Leiste beherbergt Navigationsfunktionen, mit denen der Anwender den Bildinhalt des Arbeitsfensters verschieben, vergrößern oder verkleinern kann. Mit dem Rotationswerkzeug lässt sich die gestaltete Figur von allen Seiten betrachten. Auf einer darüber horizontal platzierten Leiste können neue Dateien per Mausklick auf Symbole erstellt oder zusammengebastelte Kreationen gespeichert werden. Über drei Würfel-Symbole lässt sich die Qualität der Bildschirmdarstellung umschalten. Drei Modi stehen zur Auswahl: Drahtgitter-Modus, farbig schattiert oder eine Kombination aus schattierter Darstellung mit sichtbarem Drahtgitter. Letztere ist zur Analyse des Zusammenspiels von Geometrie und Textur geeignet. Erstellte Figuren lassen sich als neue Voreinstellung in die Elemente-Galerie aufnehmen. Zwei Schaltflächen bieten den Upload zum Mixamo-Online-Service oder in die CC Libraries an.

Schrittweises Zusammenbauen

Oberhalb des Arbeitsfensters schaltet der Gestalter zwischen den Arbeitsbereichen Zusammenstellen, Anpassen, Kleidung und Textur um. Die Herstellung der Figur beginnt im Arbeitsbereich Zusammenstellen. Auf der rechten Seite befindet sich eine in vier Themenkomplexe gegliederte Galerie. Dort lassen sich Köpfe, Oberkörper, Arme und Beine zu Figuren kombinieren. Zur Auswahl stehen verschiedene männliche und weibliche Erwachsene sowie jugendliche Charaktere mit unterschiedlichem Körperbau und Hautfarbe. Dabei leitet das Programm ähnlich einem Assistenten schrittweise durch den Herstellungsprozess. Zunächst wählt der Anwender einen Kopf, anschließend einen dazu passenden Oberkörper, danach folgen Arme und Beine. Das Programm schaltet jeweils automatisch zur nächsten Galerie um. Zur Feineinstellung der Zusammenstellung wechselt man in den Anpassen-Bereich. Dort lassen sich über zahlreiche Schieberegler die Parameter der einzelnen Körperteile individualisieren. Arme können in der Länge variiert oder mit unterschiedlich starken Muskeln ausgestattet sowie deren Ansatzpunkt an der Schulter verschoben werden. Dabei stellt man Ober- und Unterarm separat ein. Hände sind in ihrer Größe veränderlich und die Länge der Finger anpassbar. Ähnliche Einstellungen sind für Beine und Füße vorhanden. Die Optionen für den Torso sind Körperumfang, Größe des Brustkorbs oder Schulterbreite. Per Mausklick auf das Würfelsymbol der jeweiligen Kategorie hilft ein Zufallsgenerator bei der willkürlichen Auswahl von Einstellparametern.

Charakter und Kleidung

Die Unterscheidung zwischen Kopf und Gesicht bezieht sich in Fuse CC auf die Unterscheidung von anatomischen Merkmalen und des mimischen Ausdrucks. Stimmungen wie Ärger, Glück, Verwirrung und Unsicherheit lasen sich über Schieberegler einstellen und fließend ineinander überblenden. Über verschiedene Regler lassen sich auch Position und Erscheinungsbild der Zähne manipulieren. Das reicht von ganz ebenmäßigen Reihen bis hin zu krummen und schiefen Zähnen. Im Bereich Kleidung steht  eine Bibliothek an ganz unterschiedlichen Kleidungstücken zur Verfügung. Zur Auswahl stehen neben Ober- und Unterbekleidung Handschuhe, Masken, unterschiedliche Bärte, Brillen und Schuhe. Wer noch genauer in die Gestaltung einsteigen möchte, kann im Bereich Textur die Farbe und Oberfläche sowohl der Haut als auch der Kleidungsstücke detailliert bearbeiten.

Export und Weiterverarbeitung

Was den Export und die Verwendung der Daten in Drittsoftware angeht, fordert Adobe zunächst dazu auf, die Daten entweder in den Online Dienst von Mixamo hochzuladen oder in die CC Libraries. Mixamo ist ein von Adobe übernommener online Service, der die über Fuse erstellten Figuren mittels einer Cloud-Software automatisch riggt, also mit einem unsichtbaren Skelett versieht, das die Geometrie des Körpers realistisch bewegt. Nach dem Upload erkennt das Programm automatisch die Körperform. Dann weist der Anwender dem virtuellen Charakter gewünschte Bewegungsmuster zu. Viele aus Computerspielen bekannte Bewegungsabläufe finden sich in der Bibliothek. Anschließend übergibt man über das FBX-Format die erstellte Pose oder Animation an eine Auswahl von 3D-Programmen, Spiele-Engines oder Spiele. Dazu gehören Maya, Blender oder Modo, an Spiele-Engines zunächst Uniti und Unreal. Der Hersteller verspricht Kompatibilität für Spieleplattformen, die das FBX- oder COLLADA-Format unterstützen. 

Über den Export-Befehl von Fuse gelingt es, die Daten im OBJ-Format zu speichern. Dabei lassen sich alle Komponenten wahlweise in einen neuen Ordner packen, das 3D-Gitternetz in Dreiecke wandeln und Texturen sowie die UV-Maps, die selbige zuordnen, verpacken. Öffnet man die Figur in Maya 2016, geht die Zuordnung der Texturen verloren, in Cinema 4D 17 bleibt zwar die Zuordnung erhalten, jedoch sehen beispielsweise die Wimpern so unnatürlich aus, dass ein Bearbeiten der Problemstellen notwendig wird. Der Export über das OBJ-Format zu Photoshop klappt ganz ausgezeichnet. Alternativ lässt sich das Modell in den CC Libraries speichern und ist von dort aus ebenfalls für Photoshop zu öffnen. Verwirrend ist, dass sowohl beim Speichern als auch beim Export in der Namenszeile nicht angegeben ist, was man genau speichert.

Adobe Fuse CC 2015

Programm für die Herstellung von 3D Figuren

Preis:

Bestandteil von Adobes Creative Cloud oder Mixamo Subskription

Gesamtnote:

1,6 gut

Leistung (40%)

1,4

Ausstattung (30%)

2,0

Handhabung (20%)

1,4

Dokumentation (10%)

2,0

Vorzüge:

Denkbar einfachster Arbeitsablauf zur Herstellung von 3D-Figuren  

Nachteile:

Qualität der Figuren und Funktionsumfang bietet Raum für Verbesserungen

Alternativen:

 Smithmicro Poser, DAZ  3D

Systemvoraussetzungen:

Ab Mac OS X 10.9

Hersteller:

Adobe

Empfehlung

Auf den ersten Blick erstellt die Software ganz brauchbare 3D-Figuren. Die Benutzeroberfläche  fügt sich im Vollbildmodus im Gegensatz zu anderen Bestandteilen der Creative Cloud harmonisch in Apples OS ein. Fuse ist Lieferant für 3D-Inhalte entweder direkt oder über den Online-Dienst Mixamo. Wer detailgetreuer Gestalten möchte, kommt an Spezialsoftware wie Poser oder DAZ 3D nicht vorbei. Vom Arbeitsablauf her gesehen, bietet das Programm die am schnellsten zu erlernende Methode am Markt. Der Online-Dienst Mixamo ist momentan kostenfrei. Wer sich durch die häufig gestellten Fragen arbeitet, wird den Verdacht nicht los, dass irgendwann Teilleistungen kostenpflichtig werden.

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