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Adobe Soundbooth

01.02.2007 | 11:29 Uhr |

Mit Soundbooth stößt Adobe in den Bereich der Audiosoftware vor. Das Programm spricht Anwender mit wenig Erfahrung an, denen es den Einstieg mit einer Reihe gut durchdachter Funktionen erleichtert

Adobe CS3 Production Premium: Soundbooth
Vergrößern Adobe CS3 Production Premium: Soundbooth

Im typischen Adobe-Look präsentiert sich Soundbooth, das zum Test als Beta-version vorliegt. Die Oberfläche erinnert mit seinen Paletten an andere hauseigene Anwendungen wie Photoshop oder Premiere. Soundbooth verarbeitet derzeit nur das Format AIFF. Weitere Formate wie MP3 sollen folgen. Wir testen die Anwendung auf einem Macbook mit einem 1,83 GHz schnellen Prozessor Intel Core Duo, einem Systembus von 667 MHz und 512 MB Arbeitsspeicher.

Nicht nur für Audio

Soundbooth soll den einfachsten Umgang mit Audiomaterial zur Integration in Web- und Videoinhalte ermöglichen. Wir testen dies unter Verwendung eines Quicktime-Films. Die Tonspur des Films erscheint automatisch in einem Editor-Fenster. Unter dem Menüpunkt „Effects“ steht im „Workspace“ als erste wählbare Option der Editor bereit, um das Audiosignal abzubilden. Rechts und links im Editor-Fenster befinden sich die so genannten „Trimhandles“ mit deren Hilfe man die Audio-datei beschneiden kann. Mit den „Fadecontrol“-Buttons, die rechts neben der Transportleiste zu finden sind, lassen sich grafisch präzise Fade-Ins und Fade-Outs erstellen. Hält man dabei gleichzeitig den Button gedrückt, ändert sich das Ein- beziehungsweise Ausschwingverhalten der Hüllkurven. Des Weiteren lässt sich über den Befehl „Gain-Change“, ebenfalls im unteren Bereich des Editor-Fensters, das Lautstärkeverhalten des gesamten, oder eines zuvor markierten Bereichs des Audio-signals ändern. Der „Normalize“-Button optimiert den Pegel des Audiomaterials auf 0 dB.

Im Editor befinden sich zwei Zeitleisten. Beide lassen sich individuell auf Samples oder HMS (Stunden/Minuten/Sekunden) einstellen. Die Zeitanzeige unten links bildet alle gängigen Timecode-Formate, Filmformat in 16 oder 35 Millimeter oder Samples ab, wobei die letzte Stelle sich in Millisekunden oder Samples anzeigen lässt. Hält man die Maustaste auf der Zeitanzeige gedrückt, kann man den Cursor im Audiomaterial steuern. Große Bewegungen erzielt man durch horizontale Mausbewegungen, feine Positionierungen durch vertikale Mausbewegungen. Im Transportbereich des Editors befinden sich die verschiedenen Play- und Cycle-Funktionen wie auch eine Aufnahmetaste, die es ermöglicht, schnell einen Sprach-Clip zu erzeugen.

Baukasten für Effekte

In der Sektion „Effects“ lässt sich ein Effekt-Rack zusammenbauen. Bei den implementierten Effekten handelt es sich bislang um ein Analog Delay, ein Chorus/Flanger-Modul, einen Kompressor und einen Vocal Enhancer. Alle Effekte sind mit einer mehr oder weniger reichhaltigen Palette an Presets ausgestattet. Zudem lassen sich beim Betätigen des Buttons „Custom“ die Parameter des jeweiligen Effektes aufrufen und manipulieren. Leider haben wir keine Möglichkeit gefunden, die selbst hergestellten Parameter auch als eigenes Preset zu speichern.

Im „Files“-Fenster findet man bisher geladene Dateien. Alle bisher getätigten Arbeitsschritte sind im Fenster „History“ gelistet. Durch das Löschen einzelner nicht gewünschter Arbeitsschritte lassen sich die Produktions- beziehungsweise Editier-Prozesse rückgängig machen. Das Fenster „Markers“ zeigt alle gesetzten Locator-Punkte. Durch Doppelklicken eines Markers springt der Abspielzeiger an die jeweilige Stelle. Die gesetzten Marker tauchen grafisch im Editor-Fenster über der Zeitleiste auf und lassen sich manuell versetzen. Ist der Knopf „Autoplay-Toggle“ gedrückt, spielt Soundbooth das Audio-material automatisch durch Doppelklicken eines Markers ab der jeweiligen Position abgespielt. Die „Marker-Details“ ermöglichen eine individuelle Benennung jedes Markers und eine manuelle Korrektur oder präzise Einstellung der Position eines Markers.

Das „Tasks“-Fenster gliedert sich in drei Menüpunkte: „Cleanup Audio“, „Create Music“ und „Remove a Sound“. Der Bereich „Cleanup Audio“ beinhaltet drei Plug-ins: einen Denoiser, einen Declicker und einen Rumpelfilter. Der Denoiser entfernt Brumm- und sonstige Störgeräusche aus dem Audiomaterial. Der Declicker entfernt die bei Sprachaufnahmen entstehenden Clicks und Pops. Der Rumpelfilter beseitigt das Rumpeln von Schallplatten mit einem Lowcut-Filter, der in einem Bereich zwischen 10 und 80 Hz arbeitet. Alle Filter bieten eine akustische Vorschau.

Musik selbst gemacht

Der Bereich „Create Music“ setzt ein Sortiment an „Scores“ voraus, die bei Bedarf geladen werden. Hier können sich alle Nicht-Musiker mit bedingt editierbarem Audiomaterial versorgen. Wir haben uns einen Score von der Adobe-Seite heruntergeladen. Es handelt sich hierbei um einen Ordner, der eine Art „Steuer-Datei“ mit der Endung „sbst“ und die dazugehörigen WAV-Files beinhaltet. Die spannende Frage an dieser Stelle ist, ob Adobe eine Editorsoftware bereitstellen wird, die es Musikern ermöglicht, Scores selber herzustellen. Der dritte Bereich „Remove a Sound“ stellt die Möglichkeit bereit, überflüssige Geräusche mit dem Auswahl-Werkzeug auszuwählen, abzuhören und zu entfernen. „Tools“ beschreibt den Bereich direkt unter der Menüleiste und beinhaltet die Pegelanzeige und ein Auswahl-Pop-up für eigene Arbeitsoberflächen. Das „Video“-Fenster zeigt synchron zum Ton den geladenen Film und ist von der Größe anpassbar.

Fazit

Soundbooth ersetzt keine professionelle Audiosoftware, was aber auch nicht beabsichtigt ist. Vielmehr glänzt die Software mit vielen gut durchdachten und konsequent umgesetzten Funktionen und Bearbeitungsmöglichkeiten. Zudem lässt es sich unkompliziert verwenden, so dass selbst Ungeübte schnell und einfach gute Ergebnisse erzielen. Wir wünschen uns jedoch darüber hinaus, eigene Parametereinstellungen als Preset speichern zu können. Auch sollte – wie bei Audio-anwendungen üblich – das Einbinden externer Plug-ins möglich sein, zumal die Qualität der vorhandenen Plug-ins nicht überzeugt. Außerdem fehlt die Möglichkeit, eine weitere Tonspur als Voiceover zu erzeugen um beispielsweise selbst aufgenommene Sprach-Clips auf vorhandenes Audiomaterial legen zu können. ps/tf

Wertung

Note: keine, da Beta

Vorzüge gut strukturierte grafische Oberfläche, gute Bearbeitungsmöglichkeiten, leichte Handhabung auch ohne Fachwissen, sehr gute Ergebnisse

Nachteile Einbinden externer Plug-ins derzeit nicht möglich, keine zusätzliche Tonspur für ein Voiceover, Scores bislang nur von Adobe zu beziehen

Alternative Bias Peak

Preis steht noch nicht fest

Technische Angaben

Systemanforderungen: Intel-basierter Mac; ab Mac-OS 10.4; 512 MB RAM für DV; 2 GB RAM für HDV und HD; 4 GB Festplattenspeicher; Core audiokompatible Soundkarte

Info Adobe

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