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Test: Adobe Muse 2 – Webeditor mit Printgefühl

17.08.2012 | 09:51 Uhr |

Webdesign ohne Arbeit im Quellcode erstellen zu können, haben schon viele Programme versprochen, sind dabei aber kläglich gescheitert. Jetzt will Adobe mit Muse Gestaltern mit etwas Print-Erfahrung volle Gestaltungsfreiheit bei Websites möglich machen. Wir testen ob Adobe sein Versprechen halten kann.

Das Programmieren in HTML, CSS oder auch Editoren mit monströsem Umfang wie Dreamweaver sind immer noch das Schreckgespenst, das vielen Gestaltern den Start mit der eigenen Website verwehrt - oder zu Kompromissen zwingt. Entweder muss der Designer einen Webentwickler für die Umsetzung der eigenen Entwürfe anheuern oder - wenn er selbst alles in der Hand haben möchte - zu Baukästen-Lösungen greifen. Die Gestaltungsmöglichkeiten von Lösungen wie Wordpress-Themen sind jedoch beschränkt.  Das Hochladen eines eigenen Logos, das Ändern des Farbschemas, von Schriften und vielleicht der Anordnung der Seitenelemente sind bei vielen Vorlagen das komplette Repertoire an Möglichkeiten zum eingreifen. Mehr Gestaltungsfreiheit und einfache Bedienung bieten visuelle HTML-Editoren. Dreamweaver ist für viele ein zu umfangreiches Monster, bleiben noch simplere Programme wie iWeb. Bei dem Apple-Editor warten die Anwender schon seit Jahren vergeblich auf ein Update. Das stiefmütterlich weitergeführte Programm gilt daher fast schon als eingemottet. Zeit also sich nach brauchbaren Alternativen umzusehen. Adobe liefert mit Muse einen frischen, hoffnungsvollen Kandidaten. Die schlanke Air-App wird als Zugabe im Creative Cloud Abo beworben. Alternativ lässt sich Muse ohne das Creative Cloud-Komplettabo gegen Monats- oder Jahresgebühr auch einzeln mieten.

Weblayout mit Print-Gefühl

 Muse ist für die Zielgruppe der Print-Designer gemacht. Wer sich in Indesign oder Illustrator auskennt, findet in sich in Muse sofort zurecht. Die Oberfläche ist nach dem typischen Arbeitsablauf beim Webdesign vom ersten Entwurf bis zur ständigen Pflege des Webauftritts gegliedert. Unter „Planung“, dem ersten der fünf Hauptbereiche steckt eine Storyboard-ähnliche Ansicht der Site-Struktur, in der sich der Aufbau des Webangebots nicht nur planen lässt. Einstiegsseite, Unterbereiche und Inhaltsseiten werden hier direkt angelegt und miteinander verknüpft. Veteranen erinnern sich villeicht noch an den Editor Netobjects Fusion , der schon vor zehn Jahren mit dieser Einstiegshilfe gearbeitet hat. Adobe hat die Idee mit Indesign-ähnlichen Musterseiten verfeinert. Das bekannte Prinzip spart viel Zeit und Arbeit, sorgt für durchgängige Gestaltung auf allen Seiten und ist Printdesignern sofort vertraut. Jede angelegte Seite basiert auf einer Vorlage wie Musterseite A oder B und übernimmt exakt alle dort definierten Designelemente wie Hintergrund, Schriftart, Menüs und mehr. Änderungen an der Musterseite wirken sich auf alle verknüpften Seiten aus. Dateinamen wie „Über uns“, „Produkte“ etcetera können automatisch in Menüs übernommen werden, um die Verlinkung kümmert sich Muse vollautomatisch. Muse erledigt auch die Technik für das Caching sich wiederholender Seitenelemente wie Firmenlogos, um die Ladezeiten schlank zu halten. Seit Version 2 können Dateien wie PDFs, die zum Download bereit gestellt werden sollen, einfach eingefügt und wie gewohnt verlinkt werden.

Übersichtlich wird die Site-Struktur durch die Miniaturen, die schon die Seitenoptik verraten. Musterseiten sorgen für konsistente Gestaltung, die in Sekunden geändert werden kann.
Vergrößern Übersichtlich wird die Site-Struktur durch die Miniaturen, die schon die Seitenoptik verraten. Musterseiten sorgen für konsistente Gestaltung, die in Sekunden geändert werden kann.

Webdesigner mit etwas Erfahrung runzeln beim Anlegen der ersten Site die Stirn: Das Seitenmenü erlaubt es, Werte für Breite und Mindesthöhe der Seiten einzutragen, dazu Regeln für die Abstände und Anzahl von Spalten oder Rändern. Für Print-Designer ist ein festes Seitenformat sicher eine willkommene Orientierung, es verhindert jedoch das wichtige Umdenken beim Einstieg ins Webdesign, wo flüssige Layouts starre Seiten ersetzen und sich dynamisch an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen müssen. Dass in diesem Dialog die Maßeinheiten, bei denen es sich wohl um Pixel handelt, fehlen, sorgt überdies für Verwirrung.

Adobe Muse 2

Adobe

Preise: € 31 CHF, 38 pro Monat; € 18, CHF 21  pro Monat bei Jahresplan (jeweils mehrsprachige Version)

Note: 2,4 gut

Funktionsumfang     50       2,9

Bedienung     20       1,3

Dokumentation        20       2,0

Zuverlässigkeit         10       2,5

+ Volle Gestaltungsfreiheit ohne Programmierung, vertraute Bearbeitung aus Indesign & Co, hohe Präzision beim Layouten, einfaches Einfügen und Anpassen interaktiver Elemente, sehr guter Austausch mit externen Programmen, liefert insgesamt Profi-Optik und akzeptablen Quellcode

- Beschränkt auf statische Websites, direkte Anbindung nur an Business Catalyst-Service, AIR-basiertes Interface mit einigen Eigenheiten (selbst in der Adobe-Welt), verwendet teils fragwürdige Gestaltungs-Prinzipien

Alternative: Flux, Rapidweaver, iWeb

Ab OS X 10.6, erfordert AIR 3.1

www.adobe.com/de

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