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Assassin's Creed Pirates im Test für iPhone und iPad

09.01.2014 | 09:30 Uhr |

In Assassin's Creed Pirates, dem Mobil-Ableger des Attentäter-Epos AC4: Black Flag konzentriert sich Ubisoft auf Seeschlachten und Eroberung. Aber ist diese Seefahrt auch lustig? Das finden wir im Test heraus.

Riesige, frei begehbare Städte, komplizierte Klettereinlagen, schnelle Schwertduelle - all das lässt man auf Mobilgeräten mit Touchsteuerung mal lieber sein. Das weiß zum Glück auch Ubisoft und verzichtet in Assassin's Creed Pirates auf diese Elemente aus dem großen Bruder Assassin's Creed 4: Black Flag. Stattdessen konzentriert man sich auf das, was für viele Spieler ohnehin das Beste an Assassin's Creed 4 ist: die Seeschlachten!

Comic-Piraten

Mit der Geschichte von Assassin's Creed Pirates braucht man sich nicht lange aufzuhalten: Nachwuchs-Freibeuter Alonzo Batilla segelt mit seinem Kumpel Jumao auf der Suche nach Reichtümern durch die Karibik und trifft dabei allerlei Piraten-Prominenz. Erzählt wird die Story in der Spiele-Engine und in mittlerweile ziemlich altmodischen Comic-Gesprächssequenzen, wie man sie heutzutage bestenfalls noch von Nintendo DS-Spielen kennt. Das Abenteuer führt Alonzo durch die gesamte Karibik, im Spiel aufgeteilt in rund 20 Regionen (jeweils mit großen Storymissionen), in denen je 16 Nebenaufgaben auf den Helden warten. Viel zu tun, also Segel setzen und los!

© 2015

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Schiff mit Gaspedal

Zwar sind die Schiffsgefechte das zentrale Element des Spiels, im Vergleich zum großen Vorbild laufen sie aber stark vereinfacht und in zwei Phasen ab: Im Angriffsmodus ballern wir aus allen Rohren auf den Gegner. Unser Schiff steuern wir dabei nicht, wir lenken lediglich die Kanonen. Anfangs beherrscht unser Kahn nur Breitseiten, später kommen zum Beispiel noch Drehbassen - kleine, zielgenaue Kanönchen - dazu.

Sämtliche Waffen lassen sich zudem mit Upgrades pimpen - dazu weiter unten mehr. So reduzieren wir Schuss für Schuss den »Gesundheitsbalken« des anderen Schiffes, bis sich dessen Geschütze aufgeladen haben. Dann geht es in die Ausweichphase, in der wir mit zwei Buttons unser Boot entweder dramatisch abbremsen oder einen Hopser nach vorne machen lassen, um den feindlichen Salven auszuweichen. Das ist nicht nur unrealistisch, sondern auf Dauer auch ziemlich eintönig. Immerhin: Nach fünf gelungenen Ausweichmanövern gibt es ein Kettengeschoss, mit dem sich der Feindbeschuss stoppen und unsere Angriffsphase wieder einleiten lässt. Ist ein Kahn versenkt, sammeln wir Treibgut auf und freuen uns über Geld und Erfahrungspunkte.

Assassin's Creed: Pirates beschränkt sich auf Seegefechte und verzichtet auf die "An Land"-Elemente der großen Vorlage.
Vergrößern Assassin's Creed: Pirates beschränkt sich auf Seegefechte und verzichtet auf die "An Land"-Elemente der großen Vorlage.

Karibische Schlachtplatte

Wer mag, stellt sich mit Alonzo genau wie mit Edward Kenway in Black Flag hinter das Steuerrad und erkundet die Regionen quasi aus der Ego-Perspektive. Bequemer ist es allerdings, in die anfangs vernebelte Übersichtskarte zu wechseln und die Route des Schiffes mit dem Finger zu »malen«. Wer den Nebel schnell loswerden will, erobert - in einer Seeschlacht - die in den Regionen verteilten Leuchttürme.

Oder man macht Jagd auf Sklavenschiffe und rettet - nach einer Seeschlacht - deren Gefangene. Oder der Held legt sich mit den goldenen Schonern an, die - nach einer Seeschlacht - öfter mal eine Schatzkarte fallen lassen. Oder er absolviert eine der Attentatsmissionen, in denen er in bester Metal Gear Solid-Manier den Sichtkegeln der Feindbote ausweichen muss, bevor er - in einer Seeschlacht - das Zielboot versenkt.

Wer unterwegs erwischt wird, kann sich jedoch - in Seeschlachten - den Weg auch freiballern. Oder Alonzo nimmt Schmuggleraufträge an, in denen man jedoch - in einer Seeschlacht - erstmal feindliche Patrouillen loswerden muss. Kurz, es wird ganz schön viel gekämpft in Assassin's Creed Pirates, was schnell mal in Langeweile ausartet. Der einzige Missionstyp ohne Seeschlachten sind die Rennen, in denen unser Kahn meist anderen Schiffen und Minen ausweichen muss. Immerhin gibt es nach den Gefechten neben Waren und Geld stets auch Erfahrungspunkte - und die machen das Spiel dann doch richtig motivierend.

Die Story wird anhand kurzer Comicsequenzen erzählt.
Vergrößern Die Story wird anhand kurzer Comicsequenzen erzählt.

In der Taverne zur heißen Kugel

Das Aufstiegs-System in Assassin's Creed: Pirates ist sehr viel direkter als in Black Flag. Für gewonnene Schlachten und Zusatzaufgaben gibt es Erfahrung, damit steigt man im Level auf. Je nach Level stehen in der Taverne neue Mannschaftsmitglieder zur Verfügung, vom Bootsjungen bis zum Ersten Offizier. Jeder der Männer bringt Eigenschaften mit aufs Schiff. Das reicht von stärkerer Panzerung über schnellere Manöver in Rennen bis hin zur heißen Kugel, die Gegnern in Gefechten beständig Brandschaden zufügt. Es lohnt sich, diese Upgrades je nach Situation ins Schiff einzubauen und nach den eigenen Vorlieben zu konfigurieren - sehr gut!

Schön anspruchsvoll

Assassin's Creed: Pirates ist ein hübsches Spiel, der Preis dafür sind hohe Hardware-Anforderungen. Das Testgerät, ein Retina-iPad von 2012, kam in heftigen Schlachten auch heftig ins Ruckeln. Auf Apple-Geräten braucht es zudem mindestens iOS 7. Dafür gibt es dann aber auch tolle Grafikeffekte, vor allem Licht und Wetter machen ordentlich Atmosphäre. Musikalisch klaut das Spiel etliche Melodien von der Vorlage, die sich aber schnell wiederholen. Toll: Die Seemanns-Shantys sind auch wieder mit dabei -damit hat Ubisoft tatsächlich das Beste aus Black Flag auf die Mobilgeräte gebracht.

Fazit von Markus Schwerdtel

Zum Glück hat Ubisoft nicht versucht, die Lauf-Kletter-Hüpf-Passagen von Black Flag auf Mobilgeräte zu bringen, das wäre Bedienungs-mäßig garantiert gescheitert. Dann schon lieber nur Seeschlachten, auch wenn die ruhig etwas komplexer hätten ausfallen dürfen. Auch der Schwierigkeitsgrad ist eher niedrig, eben ideal für unterwegs. Immer nur Ausweichen und Zielen wird allerdings auf Dauer ganz schön öde. Immerhin gibt es viele verschiedene Aufgaben und die riesige Karibik will erst mal erkundet werden. Die Motivation dazu kommt durch Levelaufstiege und die vielen Upgrades für die Schiffe. Deshalb bleibt Assassin's Creed: Pirates so lange auf meinem iPad, bis der letzte Schoner geplündert ist.

Steckbrief: Assassin's Creed Pirates

Hersteller: Ubisoft

Preis: 4,49 Euro (App Store)

Altersfreigabe: keine Angabe

Note: 2,0 gut

Grafik (25%): 2,0

Sound (25%): 2,2

Umfang (25%): 1,8

Bedienung (25%): 1,8

Vorzüge: detailliertes Spielerschiff, hübsche Licht- und Wassereffekte, riesige Karibik, viele Nebenaufgaben, Schleichmissionen, durchdachtes und motivierendes Upgrade-System, keine In-App-Käufe

Nachteile: statische Zwischensequenzen, Ruckler bei großen Seeschlachten, Seeschlachten auf Dauer zu häufig und eintönig, Schwierigkeitsgrad niedrig, kaum Wiederspielwert

Alternative: Sid Meier's Pirates!

Anforderungen: iPhone 4S, iPad 2

Bezugsquellen: App Store

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