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Cubase 6

04.05.2011 | 16:56 Uhr |

Rund zwei Jahre nach Cubase 5 folgt nun die nächste vollzählige Versionsnummer. Von einem Major Release erwartet man große Neuerungen und den einen oder anderen Wow-Effekt. Ob Cubase 6 die Erwartungen erfüllt, klärt unser Testbericht.

Cubase 6 mit angepasstem Farbdesign für höheren Arbeitskomfort.
Vergrößern Cubase 6 mit angepasstem Farbdesign für höheren Arbeitskomfort.

Nach der Installation von Cubase 6 und dem ersten Start sind noch keine großen Änderungen zu sehen. Bei den Systemanforderungen fällt auf, dass sich der Bedarf an Speicher verdoppelt hat, es wird nun zwei Gigabyte RAM verlangt. Die Benutzeroberfläche kommt nun in etwas sanfteren Farbtönen und besseren Kontrasten der einzelnen Elemente. Es wirkt insgesamt ruhiger. Auch die teilweise abgerundeten Bedienungselemente tragen dazu bei. Die Neuigkeiten verbergen sich mehrheitlich unter der Oberfläche.

VST Expression 2 und 64-bit Unterstützung

Mit Note Expression lassen sich jetzt auf Notenebene an den Controller-Werten Einstellungen vornehmen. Jeder Noten-Event hat nun ein eigenes Controller-Daten-Set, damit lassen sich einzelne Akkord-Noten unabhängig steuern. Dadurch, dass Noten und Controller als Einheit funktionieren, wird die Bearbeitung von Instrumenten-Artikulationen effizienter. Jedem Akkord können nun unterschiedliche Reglereinstellungen zugewiesen werden.

Auch das VST Expression Set wurde erweitert, so stehen jetzt alle Dynamiksymbole aus dem Noteneditor auch im Key-Editor zur Verfügung. Bei VST kompatiblen Instrumenten wird automatisch für jedes einzelne Instrument eine VST-Expression-Map erstellt.

Ein wichtiger Schritt, nicht nur für Orchesterkompositionen, ist die 64-Bit Unterstützung. Damit kann Cubase nun bis zu einem Terabyte Arbeitsspeicher adressieren, was mehr Spuren, Plug-Ins und Samples pro Projekt möglich macht.

Mehr Effizienz und Multitake Comping

Für die Drum-Bearbeitung hat Cubase 6 eine neue Transienten Erkennung, die Einzelschläge und Wirbel einfacher und genauer erkennt. Die Transienten mehrerer Spuren werden zusammen gefasst und die einzelnen Schläge für die Weiterbearbeitung gruppiert. Damit spart man ein paar Klicks beim Kopieren von einer Strophe in die Andere. Aus einer Spur erzeugt Cubase nun, nach der Transientenerkennung, Midi-Noten zu jedem einzelnen Trommelschlag. Damit kann man anschließend ganz einfach mehr Druck auf eine Drumspur geben.

Auch an der Tempo-Erkennung wurde gefeilt. Die halbautomatische Tempo-Erkennung ermittelt nun einfacher das Tempo von eingespielten Aufnahmen und passt sie an das vorhandene Beat-Raster an. Neu ist auch die Audioquantisierung, die Mehrspur-Schlagzeugaufnahmen ganz ähnlich wie MIDI-Noten quantisiert. Dabei erzeugt Cubase automatisch Cross-Fades damit die Übergänge möglichst nahtlos werden.

Das Aufnehmen von mehreren Takes für eine Spur ist jetzt ebenfalls vereinfacht worden. So kann Cubase automatisch eine Unterspur für jeden Take erzeugen. Am Schluss kombiniert man die besten Parts aus den verschiedenen Takes zum finalen Take (Comping).

Neues Multitake Comping in Cubase 6, somit können die besten Parts aus jedem Take einfach zusammen gebracht werden.
Vergrößern Neues Multitake Comping in Cubase 6, somit können die besten Parts aus jedem Take einfach zusammen gebracht werden.

Neues Gitarren Rack und Halion Sonic SE

Das VST Amp Rack von Cubase 6 wurde ausgebaut und enthält nun sieben Amp-Modelle welche für die Gitarren-Aufnahmen zur Verfügung stehen. Dazu kommen sechzehn Effektpedale wie zum Beispiel Wah-Wah, Tape Delay oder Kompressor. Uns fällt die detailgetreue Gestaltung des Amp-Racks auf. Es ist schon eine Freude an den Reglern zu drehen und sich an den glänzenden Oberflächen zu erfreuen. Aber auch die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mit den zusätzlichen Effekten sind unzählige neue Kombinationen möglich.

Sieben neue Effektepedale sorgen in Cubase 6 für authentische Gitarren-Aufnahmen.
Vergrößern Sieben neue Effektepedale sorgen in Cubase 6 für authentische Gitarren-Aufnahmen.

Für weitere Klangerlebnisse hat Steinberg der Version 6 von Cubase eine Light Version von Halion Sonic spendiert. Halion Sonic SE ersetzt Halion One. Damit stehen 900 neue Sounds zur Verfügung. Von akustischen Instrumenten bis hin zu Synthesizern findet sich alles was man für das kreative Studioleben benötigt. Die Bedienung ist denkbar einfach, auf der linken Seite können auf individuellen Spuren verschiedene Instrumente gewählt werden, auf der rechten Seite nimmt man die Einstellungen pro Spur vor. Hier passt man Voice/Pitch, Filter und Amplifier mittels Regler an. Dazu können über MIDI, Mix und Effekte weitere Feineinstellungen vorgenommen werden. Das diese individuell pro Spur gesichert werden, lassen sich die verschiedenen Instrumente exakt einstellen bis alles stimmt und sie für die Aufnahme bereit sind. Auch die virtuelle Klaviatur und das Drumpad sind hier hilfreich.

Das neue Halion Sonic SE ersetzt Halion One und bietet 900 fertige Sounds und wesentlich mehr Überblick sowie schnelleren Zugriff.
Vergrößern Das neue Halion Sonic SE ersetzt Halion One und bietet 900 fertige Sounds und wesentlich mehr Überblick sowie schnelleren Zugriff.

Loop Mash 2 und Exportfunktionen

Loop Mash hat einige Erweiterungen erhalten. So bietet es 20 neue Effekte, die per MIDI-steuerbar sind. Dazu gehören Tape Stops, Scratches und Stutters mit denen man die Live-Performance anreichern kann. Dazu wurden die Anzahl verfügbarer Szenen auf 24 verdoppelt. Sie lassen sich nun per Doppelklick umbenennen und per Drag&Drop umarrangieren. Praktisch ist die neue Redo- und Undo Funktion. Damit kann man unterschiedliche Mix-Variationen risikolos ausprobieren.

Neben den größeren Umbauten hat es auch einige kleinere Verbesserungen gegeben. So kann man Spurnotizen jetzt in eine einzige Textdatei exportieren. Der gesamte Inhalt der Media Bay lässt sich nun exportieren und beispielsweise auf einen USB-Stick speichern. Damit hat man seine Loops und Samples immer dabei. Zudem hat die Media Bay einen kleinen Bruder bekommen, mit diesem Mini-Browser hat man unterwegs auf mobilen Macs etwas mehr Platz für das Arrangierfeld oder den Mixer.

Bei unseren Tests läuft Cubase 6 sauber, wir könnten keine größeren Ungereimtheiten ausmachen. Selbst beim Orchester-Test mit über 200 Spuren lässt sich Cubase 6 nicht aus der Ruhe bringen.

Loop Mash 2 hat neu 24 Szenen zur Verfügung für neue Mix-Varianten und hat eine Undo/Redo Funktion eingebaut.
Vergrößern Loop Mash 2 hat neu 24 Szenen zur Verfügung für neue Mix-Varianten und hat eine Undo/Redo Funktion eingebaut.

Empfehlung

Dass es sich bei Cubase 6 um ein Major Release handelt sieht man ihm auf dem ersten Blick zwar nicht an, bei genauerem Hinsehen wird aber klar wo und wie viel Arbeit Steinberg in die Details gesteckt hat. Gerade die neuen Effekte im Amp-Rack sind eine wahre Freude, nicht nur für das Auge. Version 6 erscheint runder und weicher als die eher kantige und kühle Vorgängerversion. Gelungen sind auch die Optimierungen für schnellere Zugriffe und minimierte Bearbeitungsschritte bei vielen Funktionen. Obwohl es hier sicherlich noch Potenzial gibt. So wäre eine einfachere Möglichkeit einzelne Spuren Stumm zu schalten wünschenswert. Auch sind bereits erste kleinere Bugs aufgetaucht, die bei Steinberg allerdings bereits auf der Liste für ein Update stehen. Alles in allem ist Steinberg eine solide neue Version gelungen. Einzig die Frage ob die eher milden Neuerungen die Versionsnummer 6.0 gerechtfertigen, lässt sich diskutieren.

Marc Buchser

Feedback: christian.moeller@macwelt.de

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